Regierung missachtet Justice Verma Report zu Indiens geschlechtsspezifischer Gewalt

Aus dem englischen Original übersetzt von Sönke Rickertsen

DIESER ARTIKEL ENTHÄLT WICHTIGE HINTERGRUND-INFORMATIONEN. BITTE LESEN SIE IHN, BEVOR SIE SICH DIE DISKUSSION IN DIESEM VIDEO ANSCHAUEN!

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Im Dezember 2012, sendeten die Aufstände anlässlich der Gruppenvergewaltigung  in Delhi eine wütende Nachricht an Indiens Regierung! Diese lautete: „Wir werden die Apathie und Korruption der Regierung angesichts der inakzeptablen Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Indien nicht tolerieren.

Die Anzahl der Vergewaltigungen in Indien ist um  873% angestiegen. In 20 Jahren werden 20% der Frauen in Indien durch sämtliche Formen geschlechtsspezifischer Gewalt ausgerottet worden sein. [Beachten Sie hierzu auch unser Nachrichtenarchiv.]

Die erste Reaktion der Regierung war…Totenstille! Die Regierung stellte sich einfach taub!

Als die Aufstände eine Eigendynamik entwickelten und sich ganz Indien ihnen anschloss, beschloss die Regierung, mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorzugehen.

Als jedoch die Demonstrationen weiter anhielten und die Regierung merkte, dass sie zunehmend begann, sich dem Rest der Welt als undemokratisch und diktatorisch zu präsentieren, beschloss sie, eine altbewährte indische Taktik anzuwenden: Lass uns doch ein paar Monate, vielleicht sogar Jahre lang, Papierberge hin- und herschieben, bis die Öffentlichkeit des Wartens müde wird und verschwindet! Also baten sie J. S. Verma, den ehemaligen vorsitzenden Richter am Obersten Gerichtshof, ein Untersuchungskommitee zum Thema Vergewaltigungen an Mädchen und Frauen in Indien zu leiten. Dies schien der Regierung so wichtig, dass sie nach Mitternacht an Richter Vermas Haustüre läutete und ihn aufweckte um ihm Gesuch und Vorschläge der Regierung auszuhändigen!

Diese Strategie ging nach hinten los! Gewöhnlich brauchen derartige Kommitees und deren Untersuchungsresultate Monate, wenn nicht Jahre! In diesem Fall jedoch arbeitete das „Justice Verma Committee“, bestehend aus vorsitzenden Richtern des Obersten Gerichtshofs (J.S.Verma, Leila Seth und Gopal Subramanium), unterstützt von 15 jungen Anwälten, unermüdlich rund um die Uhr,  mit so gut wie keiner Hilfe oder Unterstützung seitens der Regierung und präsentierte, nach Abgleichen tausender Aussagen von Opfern, Frauengruppen etc.,  innerhalb einer Rekordzeit von 29 Tagen einen 600-seitigen Bericht, komplett mit Vorschlägen und Empfehlungen an die Regierung!

Wieder war 7 Tage lang kein Ton aus dem Büro des Premierministers zu vernehmen! Dann plötzlich erkannte die Regierung den Bericht an und schlug neue Rechtsverordnungen bezüglich der Gewalt gegen bzw. der Vergewaltigung von Frauen vor und behauptete, 90% der Vorschläge des Verma Committee akzeptiert zu haben. All dies geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne parlamentarische Debatte!

Aber wie Richter Verma selbst aufzeigt, wurden die Ergebnisse und Empfehlungen des Verma Commitee von der Regierung völlig ignoriert!

Tatsächlich hat die Regierung  den Justice Verma Report sogar von ihrer Website entfernt, damit die Öffentlichkeit nicht sehen kann, was dieser wirklich über Ausmaß und Stand der Gewalt gegen Frauen in Indien herausgefunden hat und was genau empfohlen wurde.

HIER DIE WICHTIGSTEN PUNKTE DES BERICHTS, WELCHE DIE REGIERUNG VOLLKOMMEN IGNORIERT HAT:

#1   Festschreibung von Frauenrechten als Menschenrechte unter Anerkennung der körperlichen Unversehrtheit von Frauen und ihrem absoluten Recht auf Schutz vor Gewalt. Dies ist eine enorme Veränderung dem gegenüber, wie sexuelle und andere Formen physischer Gewalt gegenüber Frauen in Indien bis heute gesehen wurde.

#2  Rechtliche Anerkennung von Vergewaltigungen in der Ehe als Straftatbestand.  In Übereinstimmung mit  #1 ist das Kommitee der Ansicht, dass Vergewaltigung Vergewaltigung ist, ganz gleich wer sie begeht.

#3  Forderung von gesetzlichem Schutz homosexueller und transsexueller Individuen gegen sexuelle Angriffe, Belästigung und Vergewaltigung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.  Auch dies in Übereinstimmung mit #1

#4  Das Kommitee unterstreicht seine Erkenntnis, dass die Eskalation von Gewalt gegen Frauen nicht auf fehlende Gesetze zurück zu führen ist, sondern auf das Scheitern von Regierung, Polizei und Gerichten darin, ihren in der Verfassung festgelegten Pflichten nachzukommen. [Die Auswirkungen der überhand nehmenden Korruption und Verletzung der Dienstpflicht sind hier deutlich.]

#5  Im Einklang mit # 4 hebt das Kommitee hervor, dass von Seiten der Landesregierungen und der Polizeispitze nur wenig oder keine Kooperation bzw. Feedback kam! Die Notwendigkeit,  Dienststellen der Polizei und einzelne Beamte zur Rechenschaft ziehen zu können, wird betont. Außerdem sei es wichtig, das politische System zu säubern, indem man Politiker, die sich Vergewaltigungen oder anderer krimineller Delikte schuldig gemacht haben, aussondert.

#6 Ebenfalls im Einklang mit Absatz # 4 wird auf das weitverbreitete Problem der Vergewaltigungen von Zivilistinnen in politisch sensiblen Regionen wie z.B. Kashmir und Indiens Nord-Oststaaten durch die indische Armee hingewiesen. Neben weiteren Empfehlungen sieht das Kommittee ferner die Notwendigkeit, die umstrittene gesetzliche Sonderermächtigung „Armed Forces Special Powers Act“ zu überarbeiten.

© Die Kampagne „50 Million Missing“ (50 Millionen verschwunden). Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZUM ÜBERSETZER

Sönke Rickertsen ist freischaffender Schriftsteller, Sänger, Musiker und Künstler. Er lebt in Melbourne, Australien und kann über Facebook kontaktiert werden.

HIER DER VOLLSTÄNDIGE REPORT ZUM LESEN UND DOWNLOADEN.

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Über THE 50 MILLION MISSING CAMPAIGN
This is a global campaign against female genocide in India that raises public awareness about factors like female feticide, infanticide, intentional starvation, and dowry murders that have annihilated more than 50 million women from India in 3 generations. Please support our petition for the enforcement of relevant laws in India.

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