Indiens #Kindsbräute

Von Rita Banerji

Aus dem englischen Original übersetzt von Bhupinder Punia

Foto: Sumita Roy©. Alle Rechte vorbehalten.


Sumita Roy machte nebenstehendes Foto von dieser kleinen Braut, einem Kind, wahrscheinlich nicht älter als 10-12 Jahre alt, in Uttarkashi. Ironischerweise war Sumita mit ihrem Ehemann dort auf ihrer eigenen Hochzeitsreise. Während des Mittagsessens in einem kleinen Hotel kam die Hochzeitsgesellschaft rein.

Sumita sagt: „Es war keine Freude im Gesicht des kleinen Mädchens, wie man es bei frisch verheiraten Frauen erwarten würde. Stattdessen sah sie traurig, vielleicht sogar erschrocken aus. Es war, als dächte sie „Was kommt als Nächstes? Eine große Frage an die Welt, mit der sie jetzt würde umgehen müssen, unwissend und ohne eine Ahnung vom Leben.

1/3 aller „Kindsbräute“ der Welt leben in Indien.

Trotz der Tatsache, dass dies illegal ist, gibt es mindestens 25 Millionen „Kindsbräute“ in Indien. Laut einem UNICEF Bericht aus dem Jahr 2007 sind die meisten dieser Mädchen verheiratet, bevor sie 10 Jahre alt sind.

Die Volkszählung in 2001 ergab, dass in Indien rund 300.000 Mädchen unter 15 Jahren schon zwei oder mehrere Kinder hatten. Es überrascht nicht, dass diese Mädchen durch frühe Schwangerschaften und Schwangerschaftskomplikationen besonders anfällig für Krankheiten sind.

Der Missbrauch und das psychische Trauma, dem Kinder unter diesen Umständen unterworfen sind, ist zu schrecklich, um es sich auch nur ansatzweise vorzustellen zu können. Sehen Sie sich das Foto unten an, ein Mädchen und ihr Ehemann. Ihr Gesicht sagt alles. Dieser als Bräutigam gekleidete junge Mann neben ihr darf nach dieser Zeremonie mit ihr tun, was immer er will.

Quelle: The Daily Mail, 07. Juni 2006


Weil sie Kinder sind, sind diese Mädchen ständig Vergewaltigungen und sexueller Gewalt durch ihre Ehemänner ausgesetzt und können auch zu Opfern anderer Männer werden, die im Haus ihres Ehemannes leben oder dorthin zu Besuch kommen. Die Mädchen sind zu klein, um Widerstand zu leisten oder sich zur Wehr zu setzen. Ihre Vergewaltigung wird als normaler Teil des Ehelebens betrachtet, an den sich zu gewöhnen sie lernen werden.

Im Buch „Broken Voices” (gebrochene Stimmen), einer Interviewserie mit indischen Frauen, erzählt eine Frau, wie es für sie war, im Alter von 13 Jahren verheiratet zu sein. „Ich hatte Angst vor meinem Mann, weil er so viel älter war als ich. Ich wollte nie, dass er nach Hause kommt, weil ich Angst hatte, er könnte mich anfassen.“

Studien zeigen, dass diese Mädchen die höchste HIV-Infektionsrate unter den unter 18-jährigen in Indien haben.

Sexuelle Kontakte mit häufig wechselnden oder parallel mit mehreren Partnern und ungeschützter Sex unter Männern und heranwachsenden Jungen sind unbestrittene Normalität in den ärmeren indischen Bevölkerungsschichten (Dörfern und städtischen Slums), in denen diese Kinderhochzeiten stattfinden. Diese werden als männliches Vorrecht angesehen, ebenso wie die Vergewaltigung in der Ehe, eine Art subkultureller Ausdruck des Machismo (Männlichkeitswahn).

Wenn sich in Indien verheiratete Frauen oder Mädchen durch ihre Männer mit HIV infizieren, geben die Schwiegereltern und die Gemeinschaft den Frauen die Schuld an der Erkrankung des Mannes. Sie drehen den Spieß um und werfen ihr Promiskuität und/oder Hexerei vor. Oft werden diese Mädchen aus dem Haus geworfen, wenn sie krank und schwanger sind. Alleine und obdachlos auf der Straße sind sie noch anfälliger für soziale Ausbeutung.

Wenn schon erwachsene verheiratete Frauen dieser Bevölkerungsschichten nicht in der Lage sind, sich vor Vergewaltigung, Mehrlingsschwangerschaften und HIV-Infektionen zu schützen und ihre Notlage häufig als die Realität oder Normalität akzeptieren, eine Frau zu sein, wie stehen dann die Überlebenschancen für eine Kindsbraut?

© Die Kampagne „50 Million Missing“ (50 Millionen verschwunden). Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZUR AUTORIN

Rita Banerji ist Autorin, Frauenrechtsaktivistin und Begründerin von „50 Million Missing“ (50 Millionen fehlen), einer Kampagne zur Beendung des Völkermords am weiblichen Geschlecht in Indien. Ihr Buch ‘Sex and Power: Defining History Shaping Societies ist ein historischer und gesellschaftlicher Blick darauf, wie die Beziehung von Geschlecht und Macht in Indien zum anhaltenden weiblichen Genderzid führte. Ihre Webseite ist zu finden unter www.ritabanerji.com. Sie bloggt auf Revolutions in my Space und twittert auf @Rita_Banerji

ZUR FOTOGRAFIN

Sumita Roy unterstützt als Fotografin die aus über 2400 Fotografen bestehende The 50 Million Missing Campaign’s flickr group. Um mehr über Sumita zu erfahren und weitere ihrer Arbeiten zu sehen, klicken Sie bitte hier.

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2 Responses to Indiens #Kindsbräute

  1. Thank you Bhupinder for your time and effort! We are very happy to have you on our patrons page now. (Scroll down http://genderbytes.wordpress.com/patrons/ )

  2. Pingback: Sunitha Choudhury: Als Kindsbraut floh sie, um ihr Schicksal selbst zu bestimmen | The 50 Million Missing Campaign: "50 Millionen verschwunden"

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