Schriftliche Aufforderung an @WomenDeliver, sich bei dem #Vergewaltigungsopfer von #Suryanelli zu entschuldigen

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Herzlichen Dank an all jene, die unsere Petition bezüglich der ausstehenden Entschuldigung von Women Deliver an die Überlebende der Vergewaltigung von Suryanelli unterstützt haben. Hier finden Sie die Übersetzung des Briefes, den wir zusammen mit den fast 20.000 Unterschriften an Women Deliver geschickt haben.

Die Petition wird online weiterlaufen bis Women Deliver eine direkte Entschuldigung an das Opfer der Vergewaltigung von Suryanelli richtet. Wenn Sie es noch nicht getan haben, können Sie die Petition auch jetzt noch unterzeichen auf Change.Org oder auf Causes.com.

Um mehr über den Suryanelli-Fall zu lesen, klicken Sie bitte hier.

Für ein (englischsprachiges) Statement des Suryanelli-Opfers klicken Sie hier.

Um zu erfahren, was die Aktivistin Arundhati Roy über den Suryanelli-Fall sagt, klicken Sie hier (englisch).

An:  Women Deliver

Von: The 50 Million Missing Campaign

Betrifft: Petition mit der Forderung einer direkten Entschuldigung an die Überlebende der Vergewaltigung von Suryanelli

Wir sind eine weltweite Kampagne, die daran arbeitet, die geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen in Indien zu beenden. Dieser Brief soll unsere Empörung darüber zum Ausdruck bringen, dass Sie P. J. Kurien, einen Angeklagten im spektakulären Fall der Suryanelli Gruppenvergewaltigung in Indien, als Sprecher zu Ihrer Frauenkonferenz 2013 eingeladen haben. Wir übermitteln Ihnen hiermit im Auftrag von 19.572 Unterzeichnern aus der ganzen Welt, eine Petition, in der diese fordern, dass Sie eine offizielle und direkt an die Überlebende der Vergewaltigungen von Suryanelli gerichtete Entschuldigung veröffentlichen.

So empörend Ihre Einladung an Kurien auch war, noch entsetzter waren wir über die Gefühllosigkeit der Stellungnahme, die Sie später veröffentlichten und die besagte, dass Ihnen nicht bewusst war, was Sie dann abwertend als „Kontroverse“ betitelten. Keine Spur von Empathie, Unterstützung oder einer direkten Entschuldigung für das Opfer. Dies ist die Art Sprache und Benehmen gegenüber den Opfern von Vergewaltigungen, gegen die Frauengruppen aus der ganzen Welt immer noch ankämpfen. Eine Sprache und ein Benehmen, die umso inakzeptabler sind, wenn sie von einer Organisation kommen, die behauptet, sich für die Stärkung von Frauen einzusetzen.

Das Opfer von Suryanelli und ihre Familie kommen aus einem kleinen Dorf und haben sich Tag für Tag abgestrampelt um finanziell zu überleben. Sie beweisen außerdem ungeheuren Mut, indem sie ihren Kampf für die Gerechtigkeit schon seit 16 Jahren führen, gegen die verschiedensten Formen von Schikanen von amtlicher Seite und die soziale Ausgrenzung, die Opfern von Vergewaltigungen in Indien zuteil wird. Das Opfer hat erst kürzlich gefragt, ob die Öffentlichkeit sie mehr unterstützt hätte, wenn sie gestorben wäre wie das Opfer der Vergewaltigung von Delhi – eine Frage, die andere Überlebende von brutalen Gruppenvergewaltigungen auch schon gestellt haben. Außerdem fragt sie sich, warum sie und ihre Familie weitere Schmähungen aus anderen Bereichen der Gesellschaft hinnehmen müssen (sehen Sie hier).  Wir möchten, dass sie weiß, dass zumindest die Frauenrechtsgruppen auf ihrer Seite sind und ihr beistehen bis ihr Gerechtigkeit widerfährt.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass Sie eine offizielle Stellungnahme auf Ihrer Website veröffentlichen, in der Sie sich direkt bei dem Suryanelli-Opfer entschuldigen und sie Ihres Mitgefühls und Ihrer Unterstützung versichern. Wir haben diesem Brief die 19.572  Unterschriften beigefügt, die auf Change.org und Causes.com gepostet wurden. Wir haben außerdem einige zu den Petitionen gegebene öffentliche Kommentare kopiert, damit Sie ermessen können, wie die Menschen darüber denken. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir diese Petition so lange aktiv laufen lassen werden, bis Sie eine Entschuldigung veröffentlichen und dieses Unrecht korrigieren.

Wir hoffen auf eine positive Aktion Ihrerseits, die die Überlebende von Suryanelli und Überlebende von Vergewaltigungen und Misshandlungen auf der ganzen Welt stärkt.


Öffentliche Kommentare von Unterstützern der Petition:

J. Aster, UK: Ignoranz ist keine Entschuldigung für diesen Frevel. Bitte tun Sie immer das Richtige.

B. Doonan, Spain: Es ist schockierend, dass dieser Mann überhaupt noch Reden halten darf, wenn man die Vorwürfe gegen ihn betrachtet. Aber dass eine Gruppe, von der angenommen werden kann, dass sie sich für die Rechte von Frauen einsetzt (zumindest für ihr Recht zur Reproduktion) sich nicht über die Hintergründe seiner Gastredner im Klaren gewesen sein soll, ist zutiefst enttäuschend und beleidigend für jedes Vergewaltigungsopfer.

W. Bruun, USA: Ich bin ebenfalls empört, dass diese sogenannte Frauengruppe nicht den Anstand hatte, sich sofort beim Opfer dieses Falls zu entschuldigen – wieder ein Fall von „Slut-Shaming“ von Frau zu Frau?

G. Johnson, UK: Dieser grundlegende, andere Menschen respektierende Anstand. Diese Organisation scheint sich nur darum zu kümmern, wie sie große Namen für ihre Sache gewinnen kann, nicht um jene, die sie eigentlich unterstützen sollte.

B. Blond, Australia: Wenn ein Vergewaltigungsopfer keine vollständige und gänzliche Entschuldigung erwarten darf dafür, dass das Verbrechen seines Vergewaltigers trivialisiert wird (und sei es durch Ignoranz), welches Recht haben wir, Entschuldigungen von Fernseh- oder Radiomoderatoren für ihre Gefühllosigkeit und ihren offensiven Umgang mit Vergewaltigungsopfern zu fordern? Dass Frauenrechtsgruppen den Standard setzen für den Umgang mit Vergewaltigung und Vergewaltigungsopfern in der Öffentlichkeit, sollte zu den Basics gehören. Als Überlebende einer Vergewaltigung im Alter von 9 Jahren, kann ich Women Delivers schwaches Statement nicht akzeptieren. Es war keine Kontroverse, die der jungen Frau passiert ist, es war ein Akt der Gewalt, der für immer ein Teil von ihr sein wird und der ihr Leben für immer verändert hat. 

J. Claunch, USA: Sie hätten diese Person als Erstes überprüfen sollen, aber was passiert ist, ist passiert. Ihre Stellungnahme ist keine Entschuldigung und die Frauen in Indien und auf der ganzen Welt verdienen Besseres. Und noch wichtiger: sein Opfer verdient Besseres. Bitte stehen Sie auf, tun Sie das Richtige, zeigen Sie Ihre moralische Gesinnung, sprechen Sie sich gegen den Angriff aus, zeigen Sie Mitgefühl.


Vom Verwaltungskomittee der Kampagne „The 50 Million Missing“

Rita Banerji

Manvendra Bhangui

Caroline Martin

Roxane Metzger

Neil Pharr

Girendra Singh

Lars-Gunnar Svärd

Andrea Wlazik


ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der Kampagne „The 50 Million Missing“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe Femizid in Indien“.

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