#Mitgift-Morde: 106.000 Frauen innerhalb eines Jahres lebendig verbrannt

Aus dem englischen Original übersetzt von Lakshmi Samira Goth


2009 veröffentlichte die renommierte medizinische Zeitschrift „The Lancet“ eine Studie, die Schockierendes enthüllte. Sie deckte auf, dass innerhalb von einem Jahr mindestens 106.000 Frauen in Indien in ihrem Zuhause durch Feuer ums Leben gekommen sind. Das bedeutet, dass alle fünf Minuten eine Frau bei lebendigem Leib verbrannt ist! 

burnt for dowry by ron harmon

Foto: Ron Harmon. Alle Rechte vorbehalten.

Diese Ergebnisse kamen zustande, indem man Krankenhausdaten zu Todesfällen durch Verbrennungen  zusammentrug. Die meisten der betroffenen Frauen waren verheiratet und 18-35 Jahre alt, gehörten also zu der Altersgruppe, in der verheiratete Frauen in Indien am ehesten Opfer von Mitgiftmorden durch ihre Ehemänner und ihre Schwiegerfamilie werden. Auch im Gespräch mit Angehörigen der Opfer stellten die Forscher fest, dass die meisten dieser Todesfälle unter verdächtigen Umständen geschahen.

Die Studie wies ferner darauf hin, dass die Polizei es ablehnte, Ermittlungen anzustellen und sich in den meisten Fällen sogar weigerte, eine Anzeige aufzunehmen, was bei mutmaßlichen Mitgiftmorden häufig vorkommt. Wie die Untersuchung des Lancet außerdem ergab, werden viele Frauen, die wegen der Mitgift umgebracht werden, verbrannt, weil diese Todesursache sich am einfachsten als Selbstmord oder „Küchenunfall“ inszenieren lässt.

Indira Jaisingh, eine hochkarätige Frauenrechtlerin und am Obersten Gerichtshof von Indien als Rechtsanwältin tätig, betonte zudem in einem Fernsehinterview, dass die meisten Fälle nie ins Krankenhaus- oder Strafregister eingehen. Somit sind selbst diese 106.000 Todesfälle durch Feuer pro Jahr eine vorsichtige Schätzung und die tatsächlichen Zahlen liegen wahrscheinlich viel höherJaisingh gab dabei auch zu bedenken, dass es viele weitere Arten gibt, wie Frauen wegen der Mitgift getötet werden, also lasse sich kaum einschätzen, wie viele tausend Frauen in Indien tatsächlich jedes Jahr wegen der Mitgift umgebracht werden.

Alljährlich werden Tausende von jungen Frauen in Indien von ihren Ehemännern und Schwiegereltern der Mitgift wegen erpresst und gefoltert. Das Brauchtum der Mitgift gibt es in Indien schon lange. Dabei wird von der Familie der Braut erwartet, dass sie der Familie des Bräutigams zum Zeitpunkt der Eheschließung eine bestimmte Summe an Geld oder Sachgütern bezahlt. 1961 wurde ein Gesetz verabschiedet (der Dowry Prohibition Act), das die Weitergabe und Annahme von Mitgift in Indien für illegal erklärte. Doch der Brauch besteht weiter. Die Mitgiftforderungen enden auch nicht mit der Zahlung einer einmaligen Summe bei der Hochzeit. Immer häufiger nehmen sie kein Ende und gehen noch Jahre nach der Eheschließung weiter. Dazu gehört auch, dass wiederholt Geld gefordert wird, Waren, Gold oder sogar größere Geldtransaktionen, z.B. für Häuser, Grundstücke oder für die Ausbildung eines Familienmitglieds im Ausland.

Häufig wird die Braut, wenn ihre Familie den Forderungen nicht mehr nachgibt, Opfer eines oft eiskalt geplanten Gruppenmords. Sie wird erhängt, erstochen, erschossen, ertränkt oder mit Benzin übergossen und angezündet. Letztere Methode ist so weit verbreitet, dass man diese Morde oft unpassend als „Brautverbrennungen“ bezeichnet.

Nachfolgend einige Zeitungsmeldungen über indische Frauen, die wegen der Mitgift ermordet wurden:

Balrampur, Uttar Pradesh, 01. Okt. 2012: Die zum Zeitpunkt des Vorfalls schwangere 21-jährige Gudda Devi war seit vier Jahren mit Jhinkan verheiratet und wurde ständig wegen mehr Mitgift schikaniert. Sie wurde von ihrem Ehemann und der Schwiegermutter bei lebendigem Leib verbrannt. Der vollständige Bericht

Lucknow, 28. Dez. 2012: Am Mittwoch um 03.00 Uhr früh wurde die 26-jährige Jahnvi von ihrem Ehemann Kamal Kishore, einem Milchmann, getötet. Er erschoss sie aus nächster Nähe und tötete sie auf der Stelle. Sechs Monate vorher musste Jahnvis Vater, ein Landwirt, einen Teil seines Landes verkaufen, um Kamal die Rs. 2 Lakh (€ 2.500) zu geben, die dieser als weitere Mitgift gefordert hatte, da Kamal nicht mit der Summe zufrieden war, die er vorher erhalten hatte. Jahnvis Vater gab an, dass seine Tochter gequält wurde und dass er deshalb sein Land verkaufte, um ihrem Ehemann das Geld zu geben. Doch nachdem er das Geld erhalten hatte, wollte Kamal nun ein Auto. Als er das Auto nicht bekam, erschoss er Jahnvi!  Der vollständige Bericht

Allahabad, Gujarat, 09. Nov. 2012: Sushila Gupta, die Rakesh Gupta im Jahre 2009 geheiratet hatte, beklagte sich oft bei ihren Eltern, dass ihr Ehemann und die Schwiegereltern sie misshandelten, weil sie mehr Mitgift wollten. Sie forderten ein Motorrad und Rs. 50.000 (€ 750) zusätzlich zu dem, was sie bereits an Mitgift erhalten hatten. Als sie keine weitere Mitgift bekamen, wurde Sushila mit ihrer 1½- jährigen Tochter in eine Kiste gesperrt und die Kiste wurde angezündet. Um sicher zu stellen, dass sie nicht entkommen konnte, verriegelten Mann und Schwiegereltern die Zimmertüre von außen. Bis die Nachbarn die Türe aufbrechen und versuchen konnten, Mutter und Tochter aus der Kiste zu befreien, waren sie verbrannt. Hier der Bericht

Surat, Gujarat, 06. Nov. 2012: Ihr Ehemann und ihre Schwiegereltern ließen die 27-jährige Puja verhungern, weil ihre Eltern nicht mehr Mitgift zahlen konnten. „Meiner Schwester ging es in den letzten Monaten durch den Hunger sehr schlecht und ihr sich immer weiter verschlechternder Gesundheitszustand führte schließlich zu ihrem Tod. Sie quälten sie wegen der Mitgift“ erklärte ihr Bruder in seiner Anzeige bei der Polizei.  Hier der vollständige Bericht

Hyderabad, Andhra Pradesh, 30. Jan. 2013: Shaikh Bibijan hatte Chinna Qasim 2005 geheiratet, einen Mann, von dem sie dachte, dass er sie liebt.  Doch Chinna begann, sie wegen der Mitgift zu schikanieren und zu misshandeln.  Bibijan kam seinen Geldforderungen mehrere Male nach, indem sie ihre alte Mutter darum bat.  Doch als die Forderungen nicht nachließen, verließ Bibijan Chinna und kehrte 2012 mit ihren beiden Kindern ins Haus der Mutter zurück. Sie versuchte bei der örtlichen Polizei eine Anzeige wegen Mitgift-Misshandlung zu machen, doch – wie es häufig der Fall ist – sie wurde von der Polizei ignoriert und man nahm keine Anzeige auf. Eines Abends erschien Chinna betrunken und aggressiv im Haus von Bibijans Eltern. Er griff seine Frau mit einem Schlachtermesser an und schlug ihr beide Arme ab. Bibijan hatte sich durch Näharbeiten ihren Lebensunterhalt verdient, was sie nun nicht mehr tun kann. Ihre Mutter ist sehr alt und arm und kämpft um Arbeit, um sich um ihre Tochter und ihre Enkel kümmern zu können, die oft hungern müssen. Und die Familie wartet noch immer auf Gerechtigkeit. Lesen Sie hier den Bericht.

Jaisalmer, Rajasthan, 10. August 2012:  Eine 21-Jährige, die drei Jahre lang wegen der Mitgift von ihrem Ehemann und der Schwiegermutter gequält worden war, wurde von den beiden angegriffen, mit Kerosin übergossen und angezündet. Sie erlag am späten Mittwoch Abend ihren Verletzungen im Krankenhaus. Vor ihrem Tod machte sie der Polizei gegenüber noch eine vollständige Aussage.  Hier der Bericht

Muzaffarnagar, 08. Juli 2012:  Asma, die mit Naeem verheiratet war, wurde von ihrem Ehemann und den Schwiegereltern zu Tode geprügelt, nachdem sie deren ständigen Forderungen nach mehr Mitgift nicht nachkommen konnte. Die Polizei nahm den Ehemann und seine Eltern fest. Lesen Sie hier den Bericht.

Noida, Haryana, 03. Juli 2012:  Jyoti, die vor zwei Jahren Gyanender aus der Gegend von Bisrakh geheiratet hatte und immer wieder wegen Mitgift drangsaliert worden war, wurde plötzlich krank und starb im Krankenhaus. Ihr Vater Rati Ram machte bei der Polizei eine Anzeige gegen ihren Ehemann und die Schwiegereltern und sagte, sie hätten Jyoti nicht nur ständig wegen der Mitgift gequält, sondern sie zudem auch vergiftet. Die Schwiegereltern sind derzeit flüchtig. Hier der Bericht

Ethah, Uttar Pradesh, 16. Juni 2012:  Eine verheiratete Frau Mitte 20 und ihre beiden Töchter (3 Jahre alt und 8 Monate alt) wurden von den Schwiegereltern der Frau angezündet und verbrannt.  Der Bruder der Frau gab an, dass die Schwiegerfamilie seit ihrer Hochzeit Mitgiftforderungen gestellt hatte. Lesen Sie hier den Bericht.

Kanpur, 22. Mai 2012:  Umesh Verma und drei andere Mitglieder seiner Familie, einschließlich der Mutter, wurden für den Mord an seiner Frau zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Umesh und seine Familie waren nicht mit der Mitgift zufrieden, die seine Frau Vidushi zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung erhalten hatte und forderten ein Auto. Sie quälten Vidushi physisch und psychisch. Am 8. Dezember 2010 schlugen Umesh und andere Familienmitglieder so lange auf Vidushi ein, bis sie starb.  Später hingen sie ihre Leiche in einem Zimmer des Hauses auf, um es nach einem Selbstmord aussehen zu lassen.  Lesen Sie hier den Bericht.

Kolkata, West Bengal, 09. April 2012:  Zusammen mit seinem Sohn, seiner Frau und seiner Tochter übergoss Raj Kumar Pandey, ein Polizei-Wachtmeister, seine 25-jährige Schwiegertochter Anuska mit Kerosin und zündete sie an, weil ihre Eltern nicht den Forderungen nach mehr Mitgift in Form von Gold und einem Motorrad nachkamen. Anuska starb im Krankenhaus. Hier der Bericht

Amritsar, Punjab, 07. April 2012:  Für viele Frauen in Indien ist es ein Albtraum, eine Tochter zur Welt zu bringen, denn dann fangen ihre Ehemänner und Schwiegereltern an, sie zu quälen. In vielen Fällen werden Frauen umgebracht, weil sie Töchter zur Welt bringen. [Hier der Nachrichtenartikel] Um dieser Art von Gewalt zu entgehen, töten Frauen ihre Töchter nach der Geburt oft selbst. [Lesen Sie hier den Nachrichtenartikel] Doch Jagroop Kaur aus Amritsar, die die ständigen Misshandlungen ihres Mannes wegen der Mitgift nicht länger ertragen konnte, zündete sich selbst und ihre 3-jährige Tochter an. Beide starben. Es kam zu keiner Verhaftung. Lesen Sie hier den Bericht.

Hyderabad, 06. April 2012:  Nazeer Khan ermordete seine beiden Töchter – die 8-jährige Shakirin und die 16-jährige Shajeeda –, damit er später keine Mitgift für sie zahlen muss. Khan erwürgte Shakirin und entledigte sich ihrer Leiche.  Shajeeda verabreichte er Schlaftabletten und legte ihren Körper auf die Eisenbahnschienen, wo sie von einem Zug überfahren und getötet wurde. Hier der Bericht

Orissa,  09. April 2012:  Ratnakar Behera aus Parang in Orissa erschoss seine Ehefrau Churni. Außerdem schoss er auf seine Schwiegermutter und verwundete diese schwer. 2007 hatte Behera Churni geheiratet und begann schon bald, sie zu misshandeln, weil er mehr Mitgift wollte. Sie zeigte ihn bei der Polizei an, verließ ihn schließlich und kehrte in ihr Elternhaus zurück. Behera besuchte seine Schwiegereltern und wollte Churni wieder mitnehmen, doch sie weigerte sich. Daraufhin eröffnete Behera das Feuer auf die Familie und tötete seine FrauLesen Sie hier den Bericht.

New Delhi, 24. November 2011:  Rekha Ranis Ehemann quälte sie zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter psychisch und physisch und bedrohte sie sogar mit dem Tod, um mehr Mitgift von Rekhas Eltern zu erpressen. Am 9. Mai 2011 erhielten Rekhas Eltern die Nachricht, dass sie sich erhängt habe. Die Eltern waren sofort der Ansicht, dass dieser „Selbstmord“ nur inszeniert war. Eine von Rekha Ranis Schwägerinnen, Seema Singhal, die zusammen mit anderen Familienmitgliedern verhaftet wurde und der man keine Kaution gewährte, war Lehrerin mit Jura-Abschluss. Lesen Sie hier den Bericht.

Herndon, Virginia, USA, 25. Juni 2004:  Divya, 21, wurde in drei Stücke gehackt, die dann in drei Koffer gepackt und in Herndon in der Nähe des Dulles International Airport in Virginia als Abfall entsorgt wurden. Divyas Eltern gaben an, sie sei von ihrem Mann, K. Praveen Kumar, wegen Mitgiftforderungen ermordet worden. Praveen gestand, Divya mit Kissen erstickt zu haben und ihre Leiche dann mit Axt, Säge und Schneidemaschine ausgeblutet und zerteilt zu haben. Hier der Bericht

Kanpur, Uttar Pradesh, 01. Oktober, 2011:  Die 25-jährige Neeru Verma, die im 6. Monat schwanger war, wurde im Distrikt Chakeri vom Ehemann und den Schwiegereltern der Mitgift wegen ermordet. Neerus Mann, Schwiegervater und Schwiegermutter verlangten von ihr, ein Motorrad, eine Waschmaschine und Geld aus dem Haus ihrer Eltern zu holen. Als Neeru sich weigerte, verletzten sie sie mit Ledergürteln, erdrosselten sie mit einem Nylonseil und hingen sie später an der Decke ihres Zimmers auf. Hier finden Sie den vollständigen Bericht.

Mumbai, 19. April 2011:  Komal Cheda, eine 31-jährige Bankmanagerin bei HDFC, einer der größten Banken in Asien, erhängte sich in Mumbai, nachdem sie wegen Mitgift von ihrem Ehemann und dessen Eltern psychisch und physisch gequält worden war. Ihr Vater gab an, dass Komals Tortur sofort nach der Heirat begann. Ihr Ehemann und ihre Schwiegereltern waren bankrott und forderten immer wieder Geld von Komal, damit sie ihre Schulden zurückzahlen konnten. „Komal gab sogar dem jüngeren Bruder [ihres Mannes] 2 Lakh Rupien (€ 2.500), damit er in den USA studieren kann“  Lesen Sie hier den Bericht.

Patna, 26. September 2011:  Amrita Kumari wurde am Mittwoch Abend von ihrem Ehemann und dessen Onkel in der Nähe der Gandhi-Setu-Brücke in Patna in den Fluss geworfen. Fischer am Rasalpur Ganga Ghat im Distrikt Samastipur, über 40 km flussabwärts, sahen ihren bewusstlosen Körper am nächsten Morgen vorbeitreiben und retteten sie. „Mein Ehemann, sein Onkel, meine Schwiegermutter und zwei Freunde der Familie fuhren abends mit mir im Auto zur Ganges-Brücke. Mein Mann und sein Freund packten mich an den Händen, während sein Onkel und dessen Freund meine Füße nahmen und mich in den Ganges warfen, wo ich sterben sollte erzählte Kumari am Samstag einem Richter. Lesen Sie hier den Bericht

ANSHU SINGH: 45 TAGE NACH IHRER HOCHZEIT GETÖTET

anshuAnshu Singh war eine intelligente, junge Frau, die von einer erfolgreichen Karriere und einem glücklichen Familienleben träumte. Doch sie wurde von ihrem Ehemann und den Schwiegereltern aufgrund deren Gier nach Mitgift nur 6 Wochen nach der Hochzeit getötet. Die „The 50 Million Missing Campaign“ unterstützt Anshu Singhs Vater, Girendra Singh, in seinem Kampf für Gerechtigkeit und wünscht der Familie Stärke und Mut, ihren Kampf fortzusetzen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan wurde.  Klicken Sie hier, um Anshu Singhs Geschichte zu lesen.




ROOPA: AUS GIER NACH MITGIFT ZUM TRINKEN VON SÄURE GEZWUNGEN

slide 11 Roopa's story

Foto: Rita Banerji

Roopa ist eine junge Frau, die von ihrer wohlhabenden, Land besitzenden Schwiegerfamilie unerbittlich wegen der Mitgift drangsaliert wurde. Als ihre Eltern sich weigerten, diese zu zahlen, hielten ihr Mann und seine Eltern sie fest und zwangen sie, Säure zu trinken. Als die „The 50 Million Missing Campaign“ von Roopas Fall erfuhr, wurde uns klar, dass sie schnellstmöglich eine Operation benötigte oder sterben würde. Ihre Eingeweide waren verbrannt und sie verhungerte langsam. Die Kampagne verfügt über keinerlei Geldmittel, daher baten wir zahllose kapitalkräftige Vereine, Organisationen, Regierungen in Indien und in anderen Ländern um Hilfe für sie. Doch die Zeit wurde knapp und Roopa benötigte eine sofortige Operation. Daher spendeten einige Mitglieder der Kampagne schließlich direkt und halfen ihren Eltern, die sehr arm waren und kein Geld hatten, ihre Krankenhausrechnungen zu bezahlen. Klicken Sie hier, um Roopas Geschichte zu lesen.

© „The 50 Million Missing Campaign“. Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZU DEN FOTOGRAFEN
Die Fotos in diesem Beitrag wurden von Fotografen gemacht, die Mitglieder der „The 50 Million Missing Campaign“ sind.  2400 Fotografen aus der ganzen Welt unterstützen den
Fotopool der „The 50 Million Missing Campaign“ auf flickr. Weitere Arbeiten dieser Fotografen können Sie sehen, wenn Sie auf die Fotos klicken. Von dort werden Sie auf deren eigene Webseiten weitergeleitet.

ZUR ÜBERSETZERIN
Lakshmi Samira Goth hat ihre Magisterarbeit in Ethnologie über die Mitgift-Problematik in Indien geschrieben, ist mit einem Inder verheiratet und lebt in Indien und Deutschland. Sie ist professionelle Übersetzerin und beratende Lektorin der „The 50 Million Missing Campaign“. Ihre Homepage ist zu finden unter www.geckolingua.com

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11 Sicherheitstipps für Frauen, die alleine in Indien leben oder reisen

Aus dem englischen Original übersetzt von Alexander Ohnmeiß

Foto: Sirengsongs. Alle Rechte vorbehalten.

Da immer mehr indische Frauen in ihrem Job reisen müssen oder bis in die späten Stunden im Büro beschäftigt sind, ist die persönliche Sicherheit zum wichtigsten Anliegen berufstätiger Frauen in Indien geworden.

Eine kürzlich erhobene Umfrage hat ergeben, dass
94 % der indischen Frauen sich nicht sicher fühlen dabei, in Indien alleine zu leben, alleine zu reisen oder alleine in einem Hotel zu sein. Von denjenigen, die außerhalb von Indien unterwegs waren, sagen die meisten, sie würden sich in westlichen Ländern alleine auf Reisen oder in Hotels sicher fühlen! Sexuelle Belästigung auf offener Straße, Handgreiflichkeiten und Verfolgung werden in Indien als „normaler“ Teil des alltäglichen Lebens angesehen und von Frauen wird erwartet, sich damit zu arrangieren.  Und obwohl die meisten Vergewaltigungen in Indien niemals gemeldet werden, oder die gemeldeten von der Polizei nicht schriftlich aufgenommen werden, ist Vergewaltigung immer noch das am schnellsten wachsende Gewaltverbrechen im heutigen Indien. Außerdem wird ein alamierender Anstieg der Anzahl gemeldeter Vergewaltigungen an weiblichen Touristen verzeichnet.

Hier sind 11 Tipps der „The 50 Million Missing Campaign“ zur Sicherheit aller allein reisender und allein lebender Frauen in Indien:

1. Obwohl es keinen Grund dafür geben sollte, dass man als Frau nicht alleine lebt oder reist, ist es eine Tatsache, dass es für Singlefrauen in Indien sicherer sein könnte, mit wenigstens einer oder zwei weiteren Personen zu wohnen oder unterwegs zu sein. Wenn Sie in männlicher Begleitung sind, verringert sich in der Regel die Wahrscheinlichkeit, sexuell genötigt oder belästigt zu werden. (Wir sagen hier nicht, dass es so sein sollte! Es beschneidet das Recht der Frauen auf Bewegungsfreiheit und ist grundlegend sexistisch. Aber es ist eine Sicherheitsvorkehrung, die in Indien bis zu einem gewissen Grad funktioniert.)

2. Falls Sie im Auftrag Ihres Arbeitgebers unterwegs sind oder aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt gezogen sind, bitten Sie Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation – um Ihrer persönlichen Sicherheit willen – die Vorkehrungen für Ihren Aufenthalt über bekannte lokale Kontakte abzuwickeln. Oder erfragen Sie bekannte und vertrauenswürdige Kontaktpersonen, über die Sie die Angelegenheit selbst regeln können.  Sollten Sie in einem Hotel absteigen, vergewissern Sie sich, dass Ihre Zimmertüre mit einem Riegel oder einer Kette von INNEN geschlossen werden kann und halten Sie die Türe immer verschlossen und verriegelt, sobald Sie im Zimmer sind. Führen Sie immer einen tragbaren Türstopper mit sich und setzen Sie diesen nachts auf jeden Fall ein, oder verwenden Sie andere Objekte, die sich als Türstopper eignen. Sollten Sie im Erdgeschoss oder im ersten Stock übernachten, stellen Sie sicher, dass die Fenster vergittert sind. Lassen Sie auf gar keinen Fall Ihre Balkontüre über Nacht offen stehen während Sie schlafen. Sollten Sie Essen oder anderes auf’s Zimmer bestellen, lassen Sie die Türe nicht offen stehen und bitten Sie das Servicepersonal nicht herein. Warten Sie auf dessen Anklopfen und nehmen Sie die Lieferung an der Türe in Empfang.

3. Machen Sie den Punkt „Sicherheit“ bei der Planung Ihres Reise- oder Mietbudgets zur obersten Priorität. Je niedriger der Preis, desto höher ist in den meisten Fällen das Sicherheitsrisiko. Vielleicht erscheint es wie ein gutes, billiges Angebot – für die Miete eines Hauses, Appartements, Hotelzimmers, für Reiseleiter, Transportmittel, Tour-Pauschale, etc. – ABER je undurchsichtiger das Angebot, desto größer wird Ihr Sicherheitsrisiko. Besser bedient sind Sie mit einem bekannten Reiseziel, Veranstalter, Hotel, etc. Oder Sie folgen Empfehlungen Ihnen persönlich bekannter ALLEINSTEHENDER FRAUEN. (Denken Sie daran, für Männer ist es einfach nicht  das Selbe!)

4. Nehmen Sie niemals Essen und Trinken von Fremden an (vor allem nicht in Bussen, Zügen und in Hotels), auch wenn sie Ihnen freundlich erscheinen und sehr beharrlich sind. Es gab Fälle, in denen die angebotenen Speisen und Getränke mit Drogen versetzt waren. Die unvorsichtigen Reisenden wurden dann ausgeraubt und/oder sexuell missbraucht. Besuchen Sie Bars und Restaurants, die stark frequentiert werden (auf diese Weise ist auch Ihr Essen frischer  :) ) und was immer Sie trinken, bestehen Sie auf eine versiegelte Flasche (untersuchen Sie das Siegel gründlich). 

5. Speziell für weibliche Touristen aus westlichen Ländern: Vermeiden Sie jede Art von Körperkontakt mit Männern, die Sie gerade erst kennengelernt haben und auch mit jenen, die Sie seit ein paar Tagen kennen. Umarmungen und Händeschütteln sind tabu. Bleiben Sie stattdessen beim üblichen ‚Namaste’.

6. Augenkontakt mit unbekannten Männern sollte nur kurz und niemals vertraulich sein. Direkter Augenkontakt gepaart mit einem Lächeln ist auch nicht ratsam. Dies wird oft falsch interpretiert. Bei der Wortwahl können Sie zwanglos sein, aber Ihre Körpersprache sollte distanziert und wachsam sein.

7. Wenn Sie in Low-Budget-Hotels wohnen oder sich an öffentlichen Plätzen, einem Markt, auf dem Dorf, etc. aufhalten, tragen Sie weitgeschnittene Kleidung und versuchen Sie, Arme und Beine bedeckt zu halten. Das könnte (oder könnte auch nicht!) dabei helfen, gaffende männliche Blicke oder Belästigungen zu vermeiden!

8. Vermeiden Sie jegliche Fortbewegung in der Nacht. Steigen Sie niemals in ein Taxi oder Auto, in dem mehr als ein Mann sitzt. Setzen Sie sich auf einen Platz neben der Tür und steigen Sie sofort aus, wenn weitere Männer zusteigen. Fahren Sie niemals bei einem Fremden mit und nehmen Sie eine solche Einladung niemals an, auch wenn er noch so freundlich erscheint. Schauen Sie sich auf Zugreisen Ihre Mitreisenden im Abteil aufmerksam an. Sollten Sie sich nicht ganz sicher fühlen, bleiben Sie auf der Hut – nicht einschlafen. Wenn Sie irgendwo nach dem Weg suchen, fragen Sie jemanden. Aber gehen Sie niemals mit, wenn jemand sagt: „Follow me, I will show you“ (Folgen Sie mir, ich zeige es Ihnen). Folgen Sie der Beschreibung und kontrollieren Sie sie durch Nachfragen bei anderen Leuten, die Ihnen begegnen, um sicher zu gehen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Stimmen Sie niemals zu, sich mit Leuten, die Sie kaum kennen, in einem Haus oder Hotel zu treffen. Wenn Sie sich treffen und reden müssen, bitten Sie darum, sich in einem Café o.ä. Ihrer Wahl zu treffen. Kommen und gehen Sie getrennt.

9. Setzen Sie Grenzen mit Ihrer Körpersprache. In der Regel loten Männer, die es auf eine Gelegenheit für eine scheinbar „unbeabsichtigte“ Berührung oder ungebetenen Körperkontakt anlegen, zuerst Ihre Grenzen aus. Sie setzen sich zum Beispiel einfach zu nahe neben Sie oder berühren Ihre Hand. Indische Frauen werden dabei oft ängstlich und nervös und sind nicht in der Lage, ihre Stimme zu erheben. Frauen aus dem Ausland sind häufig besorgt, sie könnten unfreundlich, rassistisch oder arrogant wirken. Aber die Regel für Sicherheit ist in diesem Fall die gleiche für alle Frauen, egal wo auf der Welt sie sich befinden: WENN DU DICH UNBEHAGLICH FÜHLST, DANN IST ES NICHT O.K.  Auf vollen Plätzen zeigen Sie Ihre persönlichen Grenzen ausdrücklich auf. Gehen Sie weg oder entziehen Sie Ihre Hand. Sollten die Aufdringlichkeiten andauern, sagen Sie laut und bestimmt „Do not touch me!“ (Fassen Sie mich nicht an!)  Wirken Sie niemals zögerlich oder entschuldigend. Wenn Sie sich aber an einem abgelegenen Ort mit wenig anderen Passanten befinden, verhalten Sie sich nicht zu bestimmt oder aggressiv. Versuchen Sie nur, so schnell wie  möglich wegzukommen.

10. Vermeiden Sie überlaufene Plätze – wie Busse und Festivals. Dort nutzen Männer häufig die Gelegenheit, Frauen zu belästigen. Hüten Sie sich in solchen Situationen besonders vor direkter und wütender Konfrontation.  Menschenansammlungen in Indien sind bekanntlich unberechenbar. Indische Frauen beschweren sich oft nicht, weil die Menge anfängt, ihnen selbst die Schuld zu geben. Halten Sie sich bei einem Festival am Rand der Menschenmenge auf.  In einem Bus oder auf dem Markt erheben Sie Ihre Stimme und fragen Sie höflich aber bestimmt “What are you doing?” („Was machen Sie da?). Und vergessen Sie nicht: Schuldgefühle funktionieren besser als Zorn.

11. Die goldene Sicherheitsregel für Frauen ungeachtet des Aufenthaltsorts:

Achten sie jederzeit aufmerksam auf Ihre Umgebung und auf die Leute um Sie herum.

Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und hinterfragen Sie es nicht. (Es ist besser, sich geirrt zu haben und sicher zu sein, als sich zu irren und und es bedauern zu müssen!)

Handeln Sie intelligent und gemäß ihrer Beobachtungen und Instinkte.

 

ZUM FOTOGRAFEN
Sirensongs ist Gründungsmitglied und Mitwirkender der The 50 Million Missing Campaign Fotografen Gruppe auf Flickr.  Diese wird von 2400 Fotografen aus aller Welt unterstützt. Um weitere ihrer Werke zu sehen, klicken Sie bitte hier.

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