Jharkhand: Nierenspende als Mitgift – Spenderin in den Tod getrieben

fire-175966_640Die 28-jährige Poonam Devi aus Jharkhands Bezirk Hazaribagh hat sich selbst in Brand gesetzt, weil sie den Mitgiftterror ihrer Schwiegereltern nicht mehr ertragen konnte. Diese forderten mehr Mitgift, obwohl Poonam ihrem Ehemann ungefähr sechs Monate zuvor als vereinbarten Mitgiftersatz eine ihrer Nieren gespendet hatte. 

Teenagermädchen vergewaltigt und erhängt

Der Baum, an dem die Mädchen aufgehängt wurden

Der Baum, an dem die Mädchen aufgehängt wurden

Zwei Teenagermädchen, die in die Felder in der Nähe ihres Dorfes Badayun gegangen sind, wurden von vermutlich 5 Männern vergewaltigt, zwei von ihnen Polizeibeamte. Anschließend wurden sie getötet und an einem Baum aufgehängt. Die Polzei hatte sich geweigert der Famlie bei der Suche nach den Mädchen behilflich zu sein und sie statt dessen direkt dorthin geschickt, wo die Mädchen zu finden sein könnten. Die Mädchen gehören zur untersten Kaste, den Dalit, während die Vergewaltiger einer der höheren Kasten, den Yadav angehören.

Es wird vermutet, dass es sich um ein kastenbasiertes Hassverbrechen handelt. Andere glauben, dass es ein Racheakt gegen das Dorf ist, weil dieses gegen die regierende Partei gestimmt hatte.

Weiterführende deutschsprachige Informationen: http://netzfrauen.org/?p=13617

Braut und Vorurteil – Jungfräulichkeit in der Ehe

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Jungfräulichkeitstests sind eine Beleidigung für die Würde der Frau

Aus dem englischen Original von Rita Banerji
übersetzt von Tina Sternberg

Ist die Jungfräulichkeit ihrer Bräute für indische Männer heute ein ebenso sensibles Thema wie noch vor einem Jahrzehnt?

Oder um es anders auszudrücken: Wenn Schau-spielerin Kushboo wiederholen würde, was sie im Jahr 2005 sagte – dass „kein gebildeter Mensch erwarten würde, dass seine Frau eine Jungfrau ist“ – würde sie wieder mit Schuhen und Eiern beworfen, mit gerichtlichen Klagen geschlagen und gezwungen, eine öffentliche Entschuldigung im Fernsehen abzugeben?

Die MDRA Sex-Umfrage der India Today Group von 2013 legt das zumindest nahe. Sie zeigt, dass mindestens 77% der Männer immer noch auf eine „jungfräuliche Braut“ bestehen – obwohl sie drei Mal häufiger Sex vor der Ehe haben als Frauen.

Das ist erstaunlich angesichts der sichtbar drastischen Veränderungen in der Sozialisierung von Männern und Frauen. Vor zwanzig Jahren hätten die meisten noch nicht offen zugegeben, dass sie einen „Freund“ oder eine „Freundin“ haben. Inzwischen ist es beinahe normal geworden, Dates zu verabreden. Bis in die 80er Jahre hinein noch erfuhr man die Affären von Stars nur über den Flurfunk. Heute reden die Prominenten offen darüber, wen sie daten, von wem sie sich getrennt haben oder mit wem sie zusammenleben.

Verblüffend ist auch die prozentuale Abweichung von Männern zu Frauen, die in der Sex-Umfrage angaben, Geschlechtsverkehr vor der Ehe gehabt zu haben. Wenn drei Mal so viele Männer Sex vor der Ehe haben wie Frauen, dann besucht entweder eine Mehrheit dieser Männer Bordelle oder es gibt mehr Frauen, die mit mehreren Partnern schlafen. Wahrscheinlicher ist wohl eine soziale Zurückhaltung von Frauen, sich dazu zu bekennen, Sex vor der Ehe gehabt zu haben.

In den letzten zehn Jahren ist die Nachfrage nach Hymenoplastik in Indien kontinuierlich gestiegen. So wird der chirurgische Eingriff bezeichnet, bei dem das Jungfernhäutchen rekonstruiert wird – manchmal wird er auch etwas frivol „Re-Jungferung“ genannt. Laut Anup Dhir, plastischer Chirurg am Apollo Krankenhaus in Neu Dheli, steigt die Nachfrage für diese Art der Operation jedes Jahr um 20 bis 30%. Der Eingriff kostet allerdings rund 100.000 Rupien – umgerechnet etwa 1.200 Euro –, was sich offenkundig nur die Mittel- und Oberschicht leisten kann. Anita Kant, Leiterin für Geburtshilfe am Asian Insitute of Medical Sciences in Faridabad, erklärt, dass „viele Frauen fühlen, dass –egal, wie modern ihre Partner sind – die männliche Denkweise in dieser Hinsicht konservativ bleibt“.

Mit anderen Worten: Obwohl es den Anschein hat, dass es in der indischen Gesellschaft eine gewisse sexuelle Befreiung gibt, hat sich die Mentalität in Bezug auf Sex und Sexualität – besonders für Frauen – nicht sehr stark verändert. Aber mit Sicherheit kann auch ein wiederhergestelltes Jungfernhäutchen die „verlorene“ Jungfräulichkeit nicht wieder zurückholen? Und wären sich Männer aus dieser gebildeten Bevölkerungsschicht nicht über diese Prozedur bewusst? Was wäre denn, wenn sie es zufällig herausfänden? Würde es nicht eine Menge Geld, Zeit und Ärger ersparen, wenn das Paar ganz offen über die Situation sprechen könnte? Der Umfrage zufolge aber gaben 77% der Männer an, dass sie eine Frau nicht heiraten würden, wenn diese ihnen offen von ihrem vorehelichen Geschlechtsverkehr erzählen würde.

Aber es ist doch Fakt, dass – mit oder ohne Rekonstruktion – das Jungfernhäutchen keine Angabe darüber macht, ob eine Frau Geschlechtsverkehr hatte oder nicht. Hymen, so der medizinsche Fachausdruck, reißen beispielsweise oft schon dann, wenn man hochintensive Sportarten wie Radfahren betreibt. Und entgegen der landläufigen Vorstellung gibt es auch kein „Großereignis“ wie den „Riss des Hymen“. Scarlateen – eine Online-Sex-Erziehungs-Website, die das Jungfernhäutchen in „vaginale Korona“ umbenannt hat – erklärt, dass das Jungfernhäutchen schlichtweg eine dünne Membran ist, die die Vagina nur teilweise bedeckt (und sie nicht vollständig blockiert), deshalb macht es beim Sex auch nicht wirklich „knack, knirsch und knall“. Eher könnte es ein wenig auseinanderreißen, und danach sogar verheilen. Bei Frauen, bei denen das Jungfernhäutchen sehr elastisch ist, bewegt es sich einfach nur zur Seite. Deshalb gibt es auch sexuell aktive Frauen, die trotzdem ein intaktes Jungfernhäutchen haben. Das sollte uns einen Anlass geben, unsere Skepsis gegenüber der Schwangerschaft von Jungfrau Maria infrage zu stellen!

Trotzdem sehnen sich Männer aller Kulturen immer noch nach „Jungfrauen“. Und sie sind bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen. Im Jahr 2012 versteigerte Natalie Dylan, eine 22-jährige College-Studentin, ihre Jungfräulichkeit im Netz. Sie sagte, sie würde das Geld für ihre Studiengebühren benötigen. Das Gebot erreichte 3,7 Millionen US-Dollar.

Wie erklärt sich diese männliche Fixierung auf die Jungfräulichkeit der Frauen? Manche argumentieren damit, dass dies der traditionelle Weg war, wie ein Mann herausfinden konnte, dass die Braut nicht schon mit dem Kind eines anderen Mannes schwanger ist. Und wie ist es im Hier und Jetzt?

Hugo Schwyzer, Autor und Professor für Geschlechterforschung, führt diese Jungfrauen-Fixierung auf „Lampenfieber“ und „Angst vor Konkurrenz“ zurück. Mit anderen Worten, sie ist in der sexuellen Unsicherheit der Männer verwurzelt. Wenn ein Mann dorthin gehen kann, wo kein Mann zuvor gewesen ist, muss er sich keine Sorgen darüber machen, wie er im Performance-Vergleich zu anderen Männern abschneidet!

Diese Unsicherheit versteckt sich hinter dem Antlitz der sozialen Normen. So erfahren Väter aus dem Kama Sutra, dass eine Heirat ihrer Söhne mit einer Jungfrau ihnen dabei helfen wird, „einen guten Ruf und (soziale) Wertschätzung“ zu erlangen. Es ist interessant, dass der Wunsch nach jungfräulichen Bräuten historisch betrachtet in der Mittel-und Oberschicht weit verbreitet gewesen ist, und nicht nur in Indien.

Prinzessin Diana, die einen großen Teil ihres Lebens um ihre Privatsphäre gekämpft hat, musste zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit einen höchst publik gemachten Jungfräulichkeitstest einreichen. Die Ergebnisse teilte ihr Onkel freudig in einer öffentlichen Ankündigung mit. Während die Liebesbeziehungen der englischen Oberschicht in den meisten viktorianischen Romanen nicht mehr als eine Kutschfahrt, einen Kuss oder ein Streicheln zuließ, war um 1800 ein Drittel der Frauen aus der Arbeiterklasse, die in England heiratete, am Tag ihrer Hochzeit schwanger!

Anfang des Jahres [2013] hatte die Landesregierung von Madhya Pradesh eine Massenhochzeit organisiert, um dort lebenden armen Familien zu helfen. Dafür mussten sich 450 Bräute einem Jungfräulichkeits- und Schwangerschaftstest unterziehen. Die Beamten waren empört als sie erfuhren, dass einige der Bräute schwanger waren. Die Frauen wurden sofort von der Zeremonie ausgeschlossen.

Aber eine der aussagekräftigsten Informationen über die Bewertung der weiblichen Jungfräulichkeit in einem kulturellen Kontext ist in der Arthashastra zu finden, Indiens zweitausend Jahre alter Abhandlung über Ökonomie und Staatsführung. Der Text listet präzise Bußgelder für die Entjungferung von Mädchen aus verschiedenen Kasten und Schichten auf. Für Männer aus den höheren Kasten betrug die Entjungferung eines Mädchens aus der eigenen Kaste 400 Panas oder das Abhacken der Hand, während die Strafe für eine Sklavin 12 Panas sowie Kleidung und Schmuck vorsah.

Es gibt aber nicht nur einen monetären Wert für Jungfräulichkeit, sondern eine Reihe weiterer Werte, die die Jungfräulichkeit in den hohen Kasten als „teure Ware“ und in den niederen Kasten als „günstige Ware“ definiert. Dennoch wird sie, so oder so, als Ware deklariert. Diese Einordnung drückt Frauen den Stempel auf, eine Ware oder ein Rohstoff verschiedenster Marken und Barwerte zu sein. In der Tat ist dies die Philosophie hinter der Frage, warum Männer jungfräuliche Bräute einkaufen.

Das ist nicht’s anderes, als wäre eine Frau tatsächlich nur eine Maschine aus Kunststoff und Metall für Sex und Fortpflanzung, die man an der Theke kaufen und direkt mitnehmen kann. Natürlich möchte man eine brandneue Maschine, die noch versiegelt ist. Wer möchte schon Second-Hand-Ware? Und wenn es doch mal sein muss, sollte es möglichst günstig sein. In Teilen Indiens, wo das Geschlechterverhältnis eingebrochen und der Anteil an Mädchen so niedrig ist, dass Männer keine Frauen zum Heiraten finden, herrscht noch die Sitte des „Braut-Handels“. Eine Familie mit Söhnen kauft eine „Braut“ für alle, um sie sich für Sex und Fortpflanzung zu teilen.

Wenn sie denken, dass sie sie „aufgebraucht“ haben, wird die Frau für einen niedrigeren Preis an eine andere Familie weiterverkauft. Eine „Braut“ kann auf diese Weise vier- bis fünfmal wiederverkauft werden. Dann gibt es noch Gemeinschaften wie die Bedias, Kanjars, Nuts und Sanshis, die in Übereinstimmung mit der Tradition davon leben, dass sie ihre Töchter prostituieren. Die Entjungferung eines Mädchens, das in den Handel übergeben wird, wird in einer speziellen Zeremonie namens Nath Utrai begangen, in der das Mädchen an den Meistbietenden versteigert wird. Aber wer sagt Dir, wie Du die Ware behandeln kannst und wie nicht, solange sie Dir gehört? Ist es da ein Wunder, dass zufolge der MDRA-Umfrage der India Today Group 80% der Männer glauben, dass sie ein Anrecht darauf haben, mit einer Frau zu schlafen, wenn sie mit ihr verheiratet sind? Oder dass 80% angeben, wären sie impotent würden sie ihrer Frau dennoch kein alternatives sexuelles Ventil erlauben?

Was diesen entmenschlichten Blick auf Frauen als Sex- und Fortpflanzungsware aufrecht erhält ist letztlich aber nicht die Frage danach, wie Männer Frauen sehen. Es ist die Frage danach, wie Frauen sich selbst sehen. Dafür verantwortlich sind Angst, Scham, Verzweiflung und sogar ein gewisser Opportunismus der Frau, in die „jungfräuliche“ und andere sexuelle Erwartungen der Männer zu passen.

Es sind schon 2000 Jahre vergangen, seit Indien eine Werte-Tabelle für die Jungfräulichkeit von Frauen aufgestellt hat. Es ist an der Zeit, sie in Frage zu stellen – sie zu ändern. Das wird aber nur geschehen, wenn indische Frauen lernen, ihren Körper und ihre Sexualität zu besitzen. Wenn sie in der Lage sind, dem Patriarchat in die Augen zu schauen und zu sagen: „Mein Körper, meine Wahl. Geh und kehre nie wieder zurück. “

ZUR AUTORIN

Rita Banerji ist Autorin, Frauenrechtsaktivistin und Begründerin von “The 50 Million Missing”, einer Kampagne zur Beendung des Völkermords am weiblichen Geschlecht in Indien. Ihr Buch „Sex and Power: Defining History Shaping Societies“ ist ein historischer und gesellschaftlicher Blick darauf, wie die Beziehung von Geschlecht und Macht in Indien zum anhaltenden weiblichen Genderzid führte. Ihre Webseite ist zu finden unter www.ritabanerji.com. Sie bloggt auf Revolutions in my Space und twittert auf @Rita_Banerji.

ZUR ÜBERSETZERIN

Tina Sternberg hat nach ihrem Studium der Literatur und Medien acht Monate in Indien gelebt. Die oft brutalen Widersprüche zwischen zukunftsorientierter Zivilisation und altertümlicher Kultur gehen ihr seither nicht mehr aus dem Kopf.

Sind Indiens Frauen noch auf dem Weg oder sind sie bereits am Bestimmungsort angekommen?

for ladies only busAus dem englischen Original von Manzar Samii
übersetzt von Alexander Ohnmeiß

Auf dem Bahnsteig von Chembur zieht es meine zwei Mitbewohnerinnen und mich in die Richtung aller übrigen wartenden Frauen in der Annahme, dass sie schon wissen werden, wo genau das für Frauen reservierte Zugabteil zum Halten kommen wird. Wir warten dort unbekümmert, nicht ängstlich, nicht besorgt, sondern einfach entspannt. Zum Teil ist dem so, weil wir so aufgeregt sind, endlich in Mumbai (ehem. Bombay) zu sein, aber hauptsächlich ist das so, weil wir wissen, dass sich keine Männer  gegen uns drücken und sich an uns reiben, während wir uns bereit machen, in den Zug zu steigen. Es erwarten uns auch keine Männer mit indiskreten Blicken und grabschenden Händen im vollbesetzten Zug selbst. Ja, wir sind locker und bleiben auch dann noch ruhig,  als wir in den langsam anfahrenden Zug geschubst und gestoßen werden. Sobald wir im Frauenabteil angekommen sind, gelten unsere einzigen Gedanken der Beobachtung anderer Leute, während sich unsere Blicke durch die offenstehenden Türen auf das Tollhaus von Mumbais Innenstadt richten.

Ein paar Haltestellen später steigt eine offensichtlich transsexuelle Person zu. Sie trägt einen leuchtend gelben Sari und als sie lächelt, entblößt sie ein fehlendes Paar Schneidezähne. Sie führt ein kleines Tänzchen auf und berührt uns dann alle am Kopf – vielleicht um unserer Fraulichkeit oder vermeintlichen Weiblichkeit einen Segen zu erteilen, vor allem aber, um denjenigen unter uns, Geld zu entlocken, die Non-Konformität abergläubisch genug gegenüber stehen. Fröhlich bahnt sie sich Ihren Weg durch das Zugabteil, um sich dann vermutlich im männlich dominierten Hauptteil des Zuges zu verschwinden. Sie ist die erste Person, die unseren speziellen Raum, dieses „nur für Frauen“, das uns Erleichterung und Behaglichkeit verschafft,  in Frage stellt. Der Wohlfühlcharakter ist so groß, dass ein paar Frauen sich sogar auf dem Boden ausgestreckt haben. Ein Teil von ihnen unterhält sich über den neuesten Tratsch, einige in Niqab gekleidete Frauen haben vorübergehend ihre Schleier gelüftet, um sich zu sortieren. Eine Mutter kämmt ihrer Tochter Läuse aus dem Haar und wir Übrigen lassen unsere Blicke aus den Fenstern oder im Abteil umherschweifen, um so die ungefilterten Eindrücke und Gerüche aus einer der meistbevölkerten Städte Indiens aufzunehmen. Wir lassen unsere Gedanken schweifen, denken aber nicht über die statischen Definitionen nach, denen wir uns in diesem Zugwagen voller verschiedener Facetten anpassen – wir hinterfragen uns selbst nicht.

ladies compartment train with sign

„Ich verspreche hiermit in allen Zugabteilen mitzureisen und nicht nur in denjenigen, die für Frauen reserviert sind. Ich will, dass die gesamte Stadt zu einem sicheren Ort für Frauen wird. ~ Safe City Pledge“

Beim nächsten Halt schlendert ein Junge ganz zwanglos durch das Abteil, er verkauft kleine Gebrauchsgegenstände, während eine mit Chillis und Limonen vollbeladene Frau sich vorübergehend in einer Ecke niederlässt. Wir blicken sie an, aber niemals zu lange. Wir zählen die Anzahl der verbleibenden Haltestellen und können nur immer wieder denken, wie wundervoll es doch ist, einen Wagen ganz allein für Frauen reserviert zu haben. Wir bemerken eine junge Frau, die wie wild ihr Handy beim SMS-Schreiben bearbeitet – alles mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht – und wir fragen uns, mit wem sie da wohl kommuniziert. Wir beobachten, wie sie in Cotton Green aus dem Zug aussteigt und mit einem jungen Mann zusammenkommt, der im selben Zug,  aber in einem anderen Abteil mitgefahren ist. Das finden wir dann niedlich, ja ganz reizend sogar. In diesem Moment entfällt uns, dass die öffentlichen Abteile eine so unangenehme Erfahrung darstellen, dass eine Frau diese nicht einmal zusammen mit ihrem Partner betreten will. Wir halten uns an den klebrigen Griffen fest und verwenden unsere Aufmerksamkeit darauf, wie zweckdienlich und kostengünstig die Eisenbahn für den alltäglichen Pendler ist.  Es macht uns nichts aus, wenn Frauen gegen uns stoßen oder uns mit vorurteilshaften oder neugierigen Blicken mustern. Das ist für uns eher eine willkommene Erfahrung.

Als dann ein homosexuelles Pärchen das Zugabteil betritt und sich in den Sitzen vor uns niederlässt, sind wir total begeistert. Wir nicken einander zu und denken „wie fortschrittlich“, ohne wirklich darüber nachzudenken, was dies innerhalb oder außerhalb unseres „Nur für Frauen“-Zugabteils bedeutet. Wir geben uns Mühe, uns all die verschiedenen Arten von Leuten zu merken, die wir auf unserem kurzen Trip sehen. Wir inhalieren das Gesehene ein, ja wir saugen es förmlich auf. Während der Zug parallel zu einer anderen Linie fährt, schauen wir uns die öffentlichen Abteile genau gegenüber an: Sie sind so zum Bersten mit Männern voll, dass viele sogar aus den Türen hängen und nach Luft ringen.

Wir fühlen uns so glücklich im Frauenabteil und empfinden fast schon Panik bei dem Gedanken, in einem der Abteile zu sein, die wir beobachten. Zu diesem Zeitpunkt realisieren wir nicht, dass unsere Position zugleich befreiend und einschränkend ist. Dieses Zugabteil symbolisiert Bevollmächtigung und Sicherheit, aber es spricht auch Bände über unsere soziale Lähmung. Wir sind so überfordert, dass man uns auf ein gesondertes Abteil beschränken muss, wir sind immer noch so reduziert durch Furcht und Erfahrungswerte, dass wir zu glauben beginnen, dieses gesonderte Zugabteil könnte einen Fortschritt repräsentieren. Tatsächlich aber erinnert es uns daran, dass es nur ein künstliches Gefühl von Sicherheit ist, durch das Fehlen der Männer und dass wir alle weiterhin in Stereotypen leben und diese folgerichtig nur weiter abspulen.

Mit einem Mal sind wir uns während der gesamten restlichen Fahrt überaus bewusst darüber, dass dieser Wohlfühlcharakter nur ein flüchtiger Moment ist, gewissermaßen eine fehlgeleitete Wahrnehmung und wie überaus ungerecht das ist. Es lässt all die Problematiken widerhallen, die in Gesprächen bei einem Chai, bei spätabendlichen Sparziergängen oder beim Öffnen der Zeitung immer wiederkehren. Anders ausgedrückt, es gaukelt Frauen ein Sicherheitsgefühl vor, aber die angebotene Sicherheit geht einher mit den sozialen Normen und Bestimmungen, die den Frauen seit jeher den Freiraum nehmen. Deshalb setzen auch wir diese problematischen Normen immer wieder ein und haben an ihnen teil – vielleicht haben wir manchmal keine andere Wahl.

only womenAn der nächsten Haltestelle steigt ein Soldat in Uniform zu, in den Händen hält er sein Gewehr, er beansprucht eine Ecke bei der Türe. Uns allen schaudert es vor seinem Autoritätsverständnis und seiner Einstellung, er stehe über den Dingen, die dieses Abteil definieren. Er zischt und richtet Befehle an Frauen, während sie am Bahnsteig ein- und aussteigen – von ihm geht eine ungehobelte Selbstsicherheit aus. Als wir dann am Mumbai-Hauptbahnhof ankommen, sind wir deutlich erleichtert, durch die gegenüberliegende Tür aussteigen zu können und sehr froh, keinen direkten Kontakt mit dem Soldaten zu haben.

Als wir uns wieder den Menschenmassen anschließen beobachten wir die Leute um uns herum. Strategisch platzieren wir unsere Arme in Positionen, die unsere Körper abschirmen. Wir werden berechnend.  Nach Ankunft am berüchtigten Marine Drive sehen wir zu, wie die Abendsonne im Meer versinkt und endlich fühlen wir uns am vorhergesehenen Bestimmungsort angekommen. Während wir so in Ruhe dasitzen, gerät die Reise an das Ufer in Vergessenheit. Schweigend sitzen wir dort und bewundern die Schönheit vor uns und nehmen uns selbst aus unserer Verantwortung heraus, all den Stereotypen, der Furcht und den falschen Auffassungen Folge zu leisten, die zu unseren Be- und Einschränkungen geführt haben. Dann trinken wir Eiscafé anstatt uns selbst für alle die problematischen Bereiche in unserem alltäglichen Leben verantwortlich zu machen. Wir denken bei uns, dass es ja gar keine andere Wahl gibt, schließlich haben wir das Rückfahrticket für den Zug schon bezahlt. Also lächeln wir über den Umstand, es rechtzeitig zum Sonnenuntergang geschafft zu haben und darüber, dass wir in der Dunkelheit bequem zurückfahren werden.

Werden #Frauen in #Indien bei den #Wahlen 2014 #NOTA wählen, um #Vergewaltiger und #Mörder aus der Regierung zu entfernen?

why are rapists sitting in parliamentAus dem englischen Original von Rita Banerji,
übersetzt und ergänzt von Samira Goth

Während in Indien vom 07. April bis 12. Mai 2014 gewählt wird, fordert die „The 50 Million Missing Campaign“ indische Frauen dazu auf, NOTA zu wählen, um eine Regierung herbeizuführen, die für Frauen sicher ist. NOTA ist eine Wahloption für indische Bürger, die erstmals bei einer Wahl zur Verfügung steht und „None of The Above“ (keinen der oben Genannten) bedeutet. Drückt ein Wähler den NOTA-Knopf, bringt er damit zum Ausdruck, dass er alle politischen Parteien und ihre Kandidaten ablehnt, die bei dieser Wahl antreten.

WARUM HAT DAS OBERSTE INDISCHE GERICHT DIE NOTA-OPTION EINGERICHTET?

Im Laufe der letzten 20 Jahre besteht immer größere Sorge darüber, dass es eine eskalierende Präsenz von Kriminellen in der indischen Regierung und den politischen Parteien gibt. Mit jeder Wahl erhöht sich dieser Zuwachs an Kriminellen. Bei derWahl von 2004 waren 24 % der Parlamentsabgeordneten (MPs) in laufende strafrechtliche Verfahren verwickelt. 

In der Wahl von 2009 war ihre Zahl bereits auf 30 % gestiegen. Die Mehrheit dieser Fälle dreht sich um ernstzunehmende Anklagen wie Vergewaltigung, Mord, Erpressung und andere Formen von Gewalt gegen Frauen wie Belästigungen, Stalking und mit Mitgift in Verbindung stehende Gewalt und/oderMord. Die Aufstellung krimineller Politiker nach Bundesstaat zeigt haarsträubende Statistiken. So werden z.B. aktuell gegen 50 % der MPs aus Jharkhand strafrechtliche Vorwürfe erhoben und gegen 48 % der MPs aus Maharashtra.

Kriminelle, die in de rindischen Regierung das Sagen haben, sind wenig geneigt, Gesetze anzuwenden, die Frauen und andere Bürger schützen. In der Tat besteht ein erheblicher politischer Druck und es wird enorm manövriert, damit Straftaten ungeahndet bleiben. Es ließ sich schon häufig beobachten, dass Vergewaltigung und andere Gewaltverbrechen gegen Frauen als politischer „Anreiz“ vom System fast „genossen“ werden.

Kürzlich versuchte das Oberste Gericht, Kriminelle aus der Regierung zu entfernen,  sah sich aber immensem Widerstand gegenüber. Die regierende Congress-Partei versuchte sogar, eine Verordnung durchzudrücken, um der Initiative des Obersten Gerichtes eine Abfuhr zu erteilen.

Die Einrichtung des NOTA-Knopfes als Wahloption für indische Bürger zeigt klar, wie hilflos der Oberste Indische Gerichtshof dabei ist, die Regierung von Straftaten und Straftätern zu befreien. In seiner Stellungnahme erklärte das Oberste Gericht: Wenn eine große Zahl von Wählern den NOTA-Knopf drückt, wird dies die politischen Parteien zwingen, bessere Kandidaten zu suchen.“

Der NOTA-Knopf ist leicht zu finden. Er ist der LETZTE Knopf auf der Kandidatenliste im elektronischen Abstimmungsgerät. Dort steht: „None of the Above – NOTA“.

WIESO SIND ALLE POLITISCHEN PARTEIEN FRAUENFEINDLICH?

  1. ALLE PARTEIEN REKRUTIEREN UNVERHOHLEN VERGEWALTIGER UND MÖRDER
    Jede einzelne Partei, die dieses Jahr zur Wahl antritt, hat
    eine Zunahme an Politikern mit kriminellem Hintergrund. Von den zwei größten Parteien haben 48 MPs von der Congress-Partei und 46 MPs von der BJP schwebende Verfahren laufen. Kleinere Parteien wie die Shiv Sena haben 8, doch wenn man bedenkt, dass sie nur 10 MPs haben, bedeutet dies, 80 % ihrer Politiker sind krimineller Vergehen angeklagt. Einer Mehrzahl von ihnen werden ernste Vergehen wie Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt.
  2. ALLE PARTEIEN ARBEITEN MIT FOREN ZUSAMMEN, DIE FRAUEN SYSTEMATISCH UNTERDRÜCKEN
    Zu diesen Foren gehören religiöse Organisationen und Anführer wie
    Asaram (jetzt verurteilt wegen einer Reihe von Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen von Mädchen), Ram Dev (der offen Methoden propagiert, Söhne statt Töchter zu zeugen) und moslemische Anführer (wie Maulana Taqueer Raza), die Fatwas gegen Frauen aussprechen, die sich gegen ihre fundamentalistischen, frauenfeindlichen Diktate wehren. Alle politischen Parteien bilden auch Allianzen mit Khap Panchayats (Dorfräten), die berüchtigt für das Abhalten von Scheingerichten sind, bei denen außergerichtliche Bestrafungen wie „Ehrenmorde“ und Massenvergewaltigungen erteilt werden.
  3. SPITZENPOLITIKER SIND FÜR FÄLLE ERNSTER INTERNATIONALER MENSCHENRECHTSVERGEHEN VERANTWORTLICH
    Die Anführer bzw. der Premierministerkandidat der beiden größten Parteien, Congress und BJP, sind auch verantwortlich für eine direkte Mitwirkung oder den Schutz der Verantwortlichen an systematischen Massakern und Massenvergewaltigungen von Minderheiten. 
    2002 gab es einen systematischen und geplanten Angriff auf Moslems im Gujarat, wobei Tausende getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Narendra Modi, der damals Ministerpräsident des Gujarat war und den man lange Zeit dafür verantwortlich machte, direkt sein geheimes Einverständnis zu diesen Taten von Leuten in seiner eigenen Regierung gegeben zu haben, ist der heutige Premierministerkandidat der BJP. Obgleich viele in Modis Regierung für schuldig befunden wurden, konnte man Modi trotz vieler Zeugenaussagen keine Beteiligung nachweisen. Ein ähnlicher, systematischer Angriff auf Sikhs fand 1984 in Delhi statt, als Tausende unter stillschweigendem Einverständnis getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Gandhis Schergen, die bekanntermaßen das Massaker und die Vergewaltigungen organisierten, werden bis heute von Sonia Gandhi, der Witwe Rajiv Gandhis, und dem aktuellen Führer der Congress-Partei geschützt. [Rajiv Gandhi war persönlich motiviert, da seine Mutter Indira Gandhi von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet worden war. Anm. d. Ü.] In der Tat belohnt Frau Gandhi diese Politiker sogar mit politischen Positionen und verschafft ihnen damit Macht. Menschenrechtsgruppen, deren Rechtsfälle wiederholt in indischen Gerichten blockiert wurden, versuchen nun über ein Gericht in New York, Sonia Gandhi wegen Behinderung der Justiz und Schutz von Verbrechern, die gegen die Menschenrechte verstoßen haben, verurteilen zu lassen.
  4. ALLE PARTEIEN NEHMEN OFFEN POLITIKER AUF, DIE UNGENIERT FRAUENRECHTE VERLETZEN
    Manche Parteispitzenfunktionäre wie Mamta Banerjee von der TMC-Partei sowie viele andere aus ihrer Partei haben
    Vergewaltigungsopfer wiederholt für die an ihnen begangenen Verbrechen verantwortlich gemacht. Der Bundesstaat ist mittlerweile die Nr. 1 in Vergewaltigungen und anderen Gewaltverbrechen gegen Frauen. Parteien wie die SP in Uttar Pradesh, einem Staat mit einer der höchsten Vergewaltigungsraten, haben sogar den Männern versprochen, die Vergewaltigungsgesetze zu „lockern“, falls sie diese Wahl gewinnen! Der Justizminister der neu gegründeten AAP-Partei führte einen Lynchmob zu den Wohnungen afrikanischer Frauen in Delhi und verletzte damit das Gesetz, für dessen Schutz er eintreten sollte, indem er von der Polizei gegen alle gesetzlichen Protokolle verlangte, die Frauen zu verhaften, weil man dem Mob eingeredet hatte, diese Frauen seien Prostituierte.

 WARUM ALLE INDISCHEN FRAUEN MIT„NOTA“ STIMMEN SOLLTEN

Indien ist heute das weltweit viertgefährlichste Land für Frauen. Doch da in den anderen drei Ländern Bürgerkrieg herrscht, macht dies Indien für Frauen zur gefährlichsten Demokratie der Welt.

Indien hat systematisch 20 % der Frauen durch unterschiedlichste Formen der Gewalt ausgelöscht. Das schlägt sich auch in einem geringeren Anteil an Wählerinnen nieder. Dies ist eine Botschaft an die Frauen Indiens, dass es für sie in diesem Land keinen Platz gibt.  Man erlaubt ihnen nicht einmal zu überleben! Es ist ein Genozid, der weltweit seinesgleichen sucht. 

Warum fanden die indischen Frauen bisher keine vereinte und starke Stimme und keinen Impuls,gegen diese völkermörderische Gewalt im gesamten Land zu protestieren und sich zu wehren?

Vielleicht weil indische Frauen so in ihren Identitäten von Region, Kaste, Klasse, Klan und Religion gefangen sind, dass sie den Blick auf ihre Identität als „Frauen“ verloren haben. Sind die indischen Frauen so verloren, dass sie nicht erkennen, wie die Gewalt, die sie durch Kindesmord, Mitgiftmord, Ehrenmorde und Vergewaltigungen ausmerzt, sie alle betrifft? 

Begreifen indische Frauen,dass keine andere Menschengruppe in Indien in diesem Maße durch Gewalt ausgelöscht wurde wie sie – die Frauen?

Vielleicht sind die politischen Parteien verantwortlich, weil sie Kaste, Klasse und Religion mit List und Tücke einsetzen, um Unfrieden zwischen den Menschen zu stiften. Vielleicht muss man es sogar den Liberalen Indiens anlasten, die die Menschenrechte einer Gruppe verteidigen, doch zur Verletzung der Menschenrechte einer anderen Gruppe schweigen und dadurch eine Trennung zwischen den Menschen schaffen.

Als Nobelpreisträger Amartya Sen sagte, er würde weder für BJP noch Modi stimmen, weil wir die moslemischen Minderheiten schützen müssen, hätte er auch betonen müssen, dass er nicht für Congress stimmen könne, weil wir unsere Sikh-Minderheiten schützen müssen. Stattdessen verteidigte er Sonia Gandhi! Wir müssen die Menschenrechte aller schützen, egal von wem! Als die Sozialaktivistin Arundhati Roy ihre Stimme gegen die Vergewaltigungen von moslemischen Frauen in Kashmir durch die indische Armee erhob,hätte sie auch etwas gegen die systematischen Vergewaltigungen und Morde an den in der Minderheit lebenden Hindus und Sikhs in Kashmir sagen müssen, die zu deren Massenabwanderung führte. Tatsächlich hätte sie sich auch gegen die Kontrolle der Taliban in Kashmir stark machen sollen, die ihre unterdrückerischen Diktate gegen Frauen immer mehr verstärken, sie zum Tragen von Schleiern zwingen und sie mit Säureangriffen bedrohen, falls sie Jeans tragen, singen, tanzen oder zur Schule gehen.  

Alle Frauen sind Menschen. Und als solche haben wir Menschenrechte. Es ist völlig unerheblich, welche Gruppe diese Rechte verletzt oder zu welcher Gruppe eine Frau gehört, deren Rechte verletzt werden. Die Unterdrückung einer Frau ist die Unterdrückung einer jeden Frau.

Als Frauen können wir uns es nicht leisten, dieser Gewalt und Ausrottung durch Indien und sein kriminelles Regierungssystem schweigend zuzusehen. Damit sich etwas ändert, müssen die Frauen Indiens sich vereinigen und mit EINER STIMME Sicherheit und Freiheit einfordern!  

DIE „THE 50 MILLION MISSING CAMPAIGN“ FORDERT ALLE INDISCHEN FRAUEN AUF, DEN NOTA-KNOPF ZU DRÜCKEN, WENN SIE ZUR WAHL GEHEN UND DEN POLITISCHEN PARTEIEN DAMIT ZU SIGNALISIEREN, DASS VERGEWALTIGER UND MÖRDER IN DER REGIERUNG NICHT LÄNGER TOLERIERT WERDEN!

ZUR ÜBERSETZERIN

Lakshmi Samira Goth hat ihre Magisterarbeit in Ethnologie über die Mitgift-Problematik in Indien geschrieben, ist mit einem Inder verheiratet und lebt in Indien und Deutschland.  Sie ist professionelle Übersetzerin und beratende Lektorin der „The 50 Million Missing Campaign”. Ihre Homepage ist zu finden unter www.geckolingua.com.

 

#Wahlen in #Indien: #Politikerinnen während des Wahlkampfs belästigt

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

nagma30. März 2014

Politik und Regierung werden in Indien oft als Orte angepriesen, an denen Frauen gleichberechtigt sind.  Tatsache ist aber, dass Politikerinnen in der Öffentlichkeit der gleichen Art von Schikanen und sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind, wie andere Frauen in Indien es tagtäglich sind, auch dann, wenn sie für die Wahlen im April 2014 in den Wahlkampf ziehen.

Die Politikerin Nagma wurde, obwohl sie von Bodyguards umringt war,  anlässlich zahlreicher Gelegenheiten, manchmal von männlichen Politikern und manchmal auch von Männern in öffentlichen Versammlungen, angetatscht. Letzte Woche reagierte sie,  indem sie einen Mann, der sie anfasste, öffentlich ohrfeigte. Einige weibliche Politiker steigen nicht aus ihren Autos, weil sie fürchten, belästigt zu werden. Andere räumen weite Bereiche und sprechen nur von einer erhöhten Plattform aus.

http://timesofindia.indiatimes.com/home/lok-sabha-elections-2014/news/Women-politicians-face-sexist-slurs-pawing-seek-safety-inside-cars/articleshow/32934688.cms

#Versuchskaninchen für Studien zu #Gebärmutterhalskrebs – 254 arme #Frauen starben in #Indien

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

guinea pigs

Yathart, ein Opfer von Medikamentenversuchen, mit seiner Mutter. Nach einer Impfung bekam er weiße Punkte auf dem Körper. Mail Today berichtet von illegalen Versuchen in Indore.


Versuchskaninchen

3.138 klinische Studien wurden zwischen 2006 und 2009 durchgeführt
806 Studien wurden in 2010 durchgeführt

122 Versuche wurden zwischen Januar Februar 2011 durchgeführt
1.727 anlässlich der Studien gemeldete Todesfälle zwischen 2006 und 2009
132 Todesfälle in 2007
288 Personen starben in 2008
637 Patienten starben i 2009
670 gemeldete Todesfälle in 2010

 

New Delhi,  20 April 2014

Der Tod von 254 armen Frauen aus indischen Dörfern und Slums, die an einer US-finanzierten klinischen Studie zu Gebärmutterhalskrebs teilgenommen hatten, führte zu heftigen Diskussionen über die ethische oder vielmehr unethische Art und Weise, wie klinische Studien in Indien aufgebaut werden. Die im Laufe der Studie gestorbenen Frauen waren Teil einer Kontrollgruppe, die ohne Screening blieb, um die Sterberate bei ungescreenter Bevölkerung zu testen.

Eine ähnliche Auseinandersetzung gab es bereits, als in denselben klinischen Studien im Jahr 2010 vier Mädchen im Teenageralter, die an der Testreihe zur Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV-Impfung) teilnahmen, gestorben waren. Die indische Regierung wurde beschuldigt, ihre Bürger den westlichen medizinischen Unternehmen zum Einsatz als Versuchskaninchen für gefährliche Impfstoffe zur Verfügung zu stellen. Die Probanden wurden aus der ärmsten Schicht Indiens gewählt, die nicht über ausreichende Bildung verfügt, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Für die von der Bill & Melinda Gates-Stiftung finanzierte und vom internationalen Gesundheitsverband PATH und dem indischen Council of Medical Research (ICMR) durchgeführte Studie wurden mehr als 23.000 Mädchen im Alter von 10-14 gegen HPV, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, geimpft. Die indische Regierung hatte behauptet, die Mädchen seien an anderen Ursachen gestorben, die nichts mit der Impfung zu tun gehabt hätten.

Dennoch wurde Anzeige erstattet beim US  Office for Human Research Protections (OHRP), wo festgestellt wurde, dass die Frauen nicht ausreichend informiert wurden und somit keine fundierte Einwilligung abgeben konnten.

Weitere Informationen in englischer Sprache erhalten Sie hier:

http://timesofindia.indiatimes.com/india/Row-over-clinical-trial-as-254-Indian-women-die/articleshow/34016785.cms

http://www.nature.com/news/2011/110622/full/474427a.html

http://www.australasianscience.com.au/article/issue-october-2013/care-and-consent-fraught-ethics-international-clinical-trials.html

http://www.bihardays.com/making-living-guinea-pig-india-clinical-trials-drug-companies/

Einen ergänzenden deutschen Artikel finden Sie hier:  Indische Frauen als „Versuchskaninchen“ – 254 starben

 

 

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