Wir haben den Ehrenpreis des Katerva People’s Choice Award gewonnen! Herzlichen Dank!

 

katerva bigLiebe Freunde,

im März hatten wir Sie darüber informiert, dass „The 50 Million Missing Campaign“ als Finalist für die Kategorie „Gleichberechtigung“ des Katerva Award 2013 ausgewählt wurde. Damals baten wir Sie um Ihre Unterstützung für die offene Wahl anlässlich des Katerva People’s Choice Award.

Wir danken Ihnen allen für Ihre herzliche Unterstützung und das mit Ihrer Wahl ausgedrückte Vertrauen in unsere Arbeit.  Dank Ihrer Stimmen haben wir den Katerva People’s Choice Ehrenpreis gewonnen!!!

Der „Katerva Award“ honoriert zukunftsweisende Projekte aus der ganzen Welt und wird auch „der Nobelpreis der Zukunftsfähigkeit“ genannt. 

Die Nominierungen zum Katerva Award finden in 10 Kategorien statt, in 2013  gab es 12 Nominierungen und 5 Finalisten. Um die anderen Nominierungen, Finalisten und Gewinner in der Kategorie „Katerva 2013 – Gleichberechtigung“ und in den anderen Kategorien zu sehen, klicken Sie hier.

Für eine Liste der Katerva Award Gewinner klicken Sie hier.

Um zu erfahren, wie 20% der Frauen systematisch aus Indien ausgelöscht wurden, klicken Sie hier.

Für Ihre Unterstützung danken wir Ihnen sehr. Der einzige Grund, warum wir in den letzten 8 Jahren unermüdlich gegen das kämpfen konnten, was wir als größte Menschenrechtsverletzung dieses Jahrhunderts ansehen, waren unsere gut 500.000 Unterstützer aus über 200 Ländern. Ihre Unterstützung ist unsere Antriebskraft!

In Dankbarkeit

Die Administratoren der „The 50 Million Missing Campaign“

Rita Banerji

Manvendra Bhangui

Caroline Martin

Roxane Metzger

Girendra Singh

Lars-Gunnar Svärd

Andrea Wlazik

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Unsere Antwort auf den Brief: „Mein #Ehemann und seine Familie haben versucht, mich zu töten!“

domestic violence is crime

Häusliche Gewalt ist ein Verbrechen!

Aus dem englischen Original übersetzt von Melanie Beaven

„The 50 Million Missing Campaign“ erhält viele eMails von indischen Frauen, die ihre Probleme mitteilen und um Rat fragen.

Vor zwei Tagen erhielten wir den Brief einer jungen Frau, der uns sehr erschüttert hat. Der geschilderte Fall ist nicht außergewöhnlich und wir haben ähnliche Dinge gehört, die sich in vielen Häusern Indiens abspielen. Daher veröffentlichen wir diesen Brief (Name und Anschrift sind uns bekannt) einschließlich unseres Rats, den wir dieser jungen Frau und allen Frauen in ähnlichen Situationen geben.

Bitte befolgen Sie unseren Rat!

Nachstehend ist der Brief, den wir von der jungen Frau erhalten haben:

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Im Moment bin ich völlig aufgelöst und kann keinen klaren Gedanken darüber fassen, was ich als nächstes tun soll. Welche Entscheidung soll ich jetzt treffen? Heute haben mein Schwager und seine Frau zusammen versucht, mich umzubringen, und mein Mann hat ihnen ebenfalls geholfen. Seit meiner Hochzeit haben sie mich ständig gequält. Unsere Hochzeit fand am _/_/2012 statt. Ich hätte nie gedacht, dass man versuchen würde, mich zu töten. In meiner Familie gibt es niemanden, der mir helfen könnte. Mein Vater ist verstorben und meiner Mutter geht es nicht gut. Ich habe zwei jüngere Brüder. Sie sind sehr enttäuscht über den Ausgang meiner Ehe. Ich habe Angst, dass sie sich dazu entscheiden, niemals zu heiraten. Ich möchte auf keinen Fall eine Scheidung, denn danach wird mein Leben wertlos sein. Aber was soll ich jetzt anfangen? Mein Schwiegervater hat mir heute versichert, dass dies nie mehr vorkommen wird. Soll ich ihm vertrauen und meiner Ehe noch eine Chance geben? Er hat mir auch versprochen, dass er mich zusammen mit meinem Mann in ein anderes Haus bringen wird, in dem er dann auch leben wird. Ich habe ihn direkt darum gebeten, dass er bei uns bleiben soll. Bitte helfen Sie mir.

 

Dies ist unser Rat an die junge Frau und alle Frauen in ähnlichen Situationen:

Ihr Ehemann und Schwiegerfamilie haben sich zusammengeschlossen, um Sie zu töten! Hierbei handelt es sich im Sinne des Gesetzes um ein schweres Verbrechen, da unter Vorsatz gehandelt wurde. Wenn diese Menschen Fremde oder Nachbarn wären, würden Sie ihnen dann jemals wieder vertrauen? Würden Sie deren Haus betreten, wenn Sie eingeladen wären? Nein, das würden Sie nicht. Denn Sie würden ihnen nicht Ihr Leben anvertrauen. Also warum setzen Sie mit Ihrem Mann und seiner Familie Ihre Sicherheit und Ihr Leben aufs Spiel? Vor dem Gesetz sind Ihr Mann und Ihre Schwiegerfamilie Kriminelle. Sie sollten mit anderen Verbrechern im Gefängnis sitzen. Würden Sie einem Mann vertrauen, der wegen versuchten Mordes im Gefängnis sitzt? Wie schwer die Lage im Haus Ihrer Mutter auch sein mag, es ist im Moment Ihre beste Möglichkeit. Ihr Leben und Ihre Sicherheit sind wichtiger als Ihre Ehe. Ein Heim und eine Ehe sollen Sicherheit und Geborgenheit bieten. Aber ein Haus und eine Ehe, wo Sie misshandelt werden und man versucht, Sie zu töten, ist kein Heim und diese Leute sind nicht Ihre Familie. Dieser Ort ist schlimmer als die Hölle. Sie machen sich Sorgen, wie sich dies auf Ihre Brüder auswirken wird. Wenn Sie länger in dem Haus und der Ehe verbleiben, lehren Sie Ihre Brüder etwas viel Schlimmeres. Sie geben Ihren jüngeren Brüdern zu verstehen, dass auch sie ihre Frauen misshandeln und gegen sie Mordversuche unternehmen können. Indem Sie die Situation verlassen, werden Sie Ihren jüngeren Brüdern klar machen, dass sie so nicht mit ihren Frauen, oder jedem anderen Menschen, umgehen können. Sie werden ihren Brüdern zeigen, dass es sich hierbei um kriminelles Verhalten handelt. Sie möchten nicht, dass Ihre Brüder zu Kriminellen heranwachsen wie Ihr Mann und seine Familie. Wir raten Ihnen, unverzüglich die folgenden fünf Schritte zu unternehmen:

1) Machen Sie Ihre Sicherheit und den Schutz Ihres Lebens zu Ihrer obersten Priorität

2) Packen Sie einige notwendige Dinge und verlassen Sie das Haus Ihres Mannes ruhig und zügig, ohne jemandem etwas zu sagen, und gehen Sie zum Haus Ihrer Mutter.

3) Auf Sie wird Druck von Ihrer Verwandtschaft, Nachbarn usw. ausgeübt werden, damit Sie zu Ihrem Mann zurückkehren. SPRECHEN Sie mit niemandem und hören Sie niemandem zu.

4) Ihr Mann und die Schwiegerfamilie werden versuchen, Sie zurück zu bringen, um zu verhindern, dass Sie bei der Polizei Anzeige erstatten. Sprechen Sie nicht mit ihnen und hören Sie nicht zu. Vermeiden Sie jeglichen Kontakt mit ihnen.

4) Erstatten Sie unverzüglich Anzeige (FIR) gegen Ihren Mann und seine Familie. Geben Sie alle Namen und Einzelheiten zu Protokoll, einschließlich Datum und Uhrzeit des Mordversuchs und der vorangegangenen Quälereien.

5) Stabilisieren Sie Ihr Leben, finden Sie Trost und Liebe bei Ihrer Mutter und Ihren Brüdern und wenn Sie dann stark genug sind, reichen Sie die Scheidung ein.

 

ZUR ÜBERSETZERIN
Melanie Beaven wurde in Hamburg geboren und lebt seit 2004 in England. Sie hat verschiedene Übersetzungstätigkeiten ausgeführt, unter anderem auch Texte über das babylonische Justizsystem. Sie ist Diakonin in der Methodistischen Kirche in Großbritannien; ihre Interessensschwerpunkte sind Feministische Theologie und der interreligiöse Dialog.

Chetan Bhagat: #Indiens Politikern sind #weibliche #Wählerstimmen ziemlich egal

 

Aus dem englischen Original von Chetan Bhagat
übersetzt von Melanie Beaven

Warum ist es unwahrscheinlich, dass die Verwirklichung der Frauengleichberechtigung [in Indien] von der Politik ausgehen wird? … Nun, [weil] nur diejenigen [Regierungs-] Schritte in Richtung Gleichberechtigung der Frau eine Chance haben, realisiert zu werden, die nicht zu einem Konflikt mit Männern führen… …Schritte, die sich nicht auf den großartigen indischen Mann auswirken. 

Voting for Delhi Assembly [Auch] wenn man Frauen ausbilden kann, wie kann man sicherstellen, dass Arbeitgeber keinerlei Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Bewerbern machen? Es ist vielleicht möglich, einen weiblichen Fötus vor der Abtreibung zu retten, aber wie kann man dafür sorgen, dass dieses Kind später genauso gut aufgezogen wird wie ein männliches Kind? Es gibt womöglich Polizisten, die einen Sexualtäter festnehmen können, aber wie kann man Gruppen von Männern daran hindern, Frauen in Bussen anzüglich anzugrinsen und ihnen die Fahrt unerträglich zu machen? Wie erklärt man Männern, dass eine Frau das Recht hat, attraktive Kleidung zu tragen, oder vielleicht sogar sexy auszusehen, ohne dass ihr unterstellt wird „es“ zu wollen? Dies sind unbequeme Fragen und die Antwort liegt in der Veränderung des Verhaltens und der Einstellung von Männern.

Indische Männer müssen lernen, dass das Land [auch] den Frauen gehört. Sie werden akzeptieren müssen, dass es für sie eventuell weniger Karrierechancen geben wird, weil Frauen einige von diesen für sich in Anspruch nehmen werden… Männer müssen lernen, mit einem gewissen Gefühl der Machtlosigkeit zu leben, wenn sie von einer Frau abgelehnt werden [anderenfalls handelt es sich um Stalking und sexuelle Belästigung!]. Bis all dies geschieht, werden Frauen nicht gleichgestellt sein. Leider wird sich kein Politiker der Männer annehmen, um dies in die Realität umzusetzen. Politiker wollen den „Aam admi“, den indischen Durchschnittsmann, für sich gewinnen [und nicht die „Aam aurat“ – die indische Durchschnittsfrau!]. 

Daher, meine Damen, verlassen Sie sich bitte nicht auf Politiker, wenn es darum geht, Dinge für Sie zu verändern… Wenn es Ihnen ernst ist mit Ihrer Gleichberechtigung, müssen Sie selbst aktiv werden.  Frauen müssen einige der oben angeführten Sachen selbst umsetzen und Männer dazu bringen, sich zu ändern – jweils einen zur Zeit. Setzen Sie sich durch, geben Sie nicht nach und seien Sie nicht zu eifrig damit, Männer zufrieden zu stellen. Wenn Sie Ungleichheit akzeptieren, schaden Sie den Frauen im Allgemeinen – und somit der Hälfte der Nation.

Dies ist ein bearbeiteter Auszug aus Chetan Bhagats Essay „Das neue Wählerpotenzial für der Politiker: Die Durchschnittsfrau“. Sie können das gesamte Essay (auf Englisch) hier lesen. 

ZUM AUTOR

chetan-bhagatChetan Bhagat ist Schriftsteller und Kolumnist.
Seine Website finden Sie unter www.chetanbhagat.com.
Er twittert unter @chetan_bhagat.
 
 
 
 

ZUR ÜBERSETZERIN

Melanie Beaven wurde in Hamburg geboren und lebt seit 2004 in England. Sie hat verschiedene Übersetzungstätigkeiten ausgeführt, unter anderem auch Texte über das babylonische Justizsystem. Sie ist Diakonin in der Methodistischen Kirche in Großbritannien; ihre Interessensschwerpunkte sind Feministische Theologie und der interreligiöse Dialog.

Schwangere lebendig verbrannt – ein #Mitgiftmord?


Die 20-jährige D. Pushpa war im achten Monat schwanger, als sie – vermutlich von ihrem Ehemann und den Schwiegereltern –  angezündet wurde. Ihre Eltern berichteten, dass die Familie mehr Mitgift forderte. Es wurde Anzeige erstattet, alle drei Verdächtigen sind flüchtig.

http://violenceonindianwomen.wordpress.com/2014/04/01/burnt-alive-for-dowry-when-she-was-8-months-pregnant/


Obwohl schon seit 1961 per Gesetz verboten, ist die Mitgiftproblematik in Indien nach wie vor sehr aktuell. Schätzungen gehen davon aus, dass dort jedes Jahr über 100.000 Frauen wegen der Mitgift verbrannt werden.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel #Mitgift-Morde: 106.000 Frauen innerhalb eines Jahres lebendig verbrannt.

Warum herrscht bei indischen Filmen Verwirrung über Sex, Vergewaltigung und Prostitution?

Aus dem englischsprachigen Originalartikel von Rita Banerji übersetzt von Melanie Beaven

jism posterWährend die pornographische Aufmachung weiblicher Sexualität unverblümt zum Verkauf schwierig abzusetzender indischer Filme verwendet wird, gehören weibliche Libido und Sex mit einem Partner, den sich eine Frau selbst ausgewählt hat, immer noch zu „umstrittenen“ Themen in Indiens Kinos. Zwangsehen werden nicht als Vergewaltigung porträtiert. Die Verheiratung eines Vergewaltigungsopfers an ihren Vergewaltiger wird oftmals als eine Form von Gerechtigkeit angesehen. Und Eltern, die ihre Töchter zur Prostitution zwingen, werden nicht als Zuhälter betrachtet. In einem Artikel, in dem sie einen kritischen Blick darauf wirft, wie Bollywood-Filme Themen wie Vergewaltigung, einvernehmlichen Sex und Prostitution behandeln, argumentiert Rita Banerji, dass indische Filme versäumen, diese Angelegenheiten in sinnvoller Weise zu adressieren, weil die Filmemacher – so wie der Rest der indischen Gesellschaft – es nicht geschafft haben, Frauenrechte und die Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper und ihre Sexualität zu befürworten.

Unten finden Sie zwei Auszüge aus dem Artikel. Der vollständige (englische) Artikel befindet sich hier: http://www.genderforum.org/issues/gender-and-contemporary-film/bollywood-baffled-over-sex-rape-and-prostitution/

Auszüge aus “Bollywood steht Sex, Vergewaltigung und Prostitution ratlos gegenüber” in Gender Forum Issue 46 (2013), Absätze 21 und 22.

 

daminiIn 2012 erlangte der Film Damini in Indien eine spezielle Bedeutung, denn der Name der Hauptdarstellerin war auch der Name des jungen Opfers der berüchtigten Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Delhi. Ebenso wie Damini im Film hatte das Vergewaltigungsopfer aus Delhi beherzt dafür gekämpft, dass die Vergewaltiger zur Rechenschaft gezogen wurden. Im Film jedoch kämpft Damini darum, dass einer anderen Frau Gerechtigkeit widerfährt – einer jungen Angestellten im Haushalt ihrer Schwiegerfamilie – deren Gruppenvergewaltigung durch ihren Schwager und dessen Freunde sie Zeuge wird. Die Angestellte erliegt später ihren Verletzungen. Im Licht eben dieser sozio-sexuellen Bedeutung des Films und der Rolle Damini ist dieser bestimmte Moment dieses Films eigenartig verblüffend. [Vor Daminis Hochzeit mit einem Mann, den sie gerne hat, lebt sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester]. Daminis Eltern sind besorgt, da es ihnen nicht möglich ist, die Mitgift aufzubringen, die Männer erwarten, um die Töchter zu heiraten. Zwischenzeitlich entscheidet Devika, Daminis Schwester, dass sie heimlich einen Mann namens Birju heiraten wird, um ihren Eltern die Mühe zu ersparen, einen passenden Mann zu finden und eine große Mitgift zu entrichten. Das Problem ist, dass Birju nicht nur eine schädliche Persönlichkeit hat – er ist ein missbräuchlicher Alkoholiker mit krimineller Vergangenheit – sondern er hat Devika über Monate hinweg nachgestellt, sie sexuell belästigt und terrorisiert. Devika erkärt einer verwirrten Damini, dass der Grund für Ihre Entscheidung der Umstand sei, dass er der einzige Mann zu sein scheint, der sie will und dass sie eine Möglichkeit sucht, zu leben, d. h. verheiratet sein, ein Sexualleben und eine Familie zu haben. Damini verteidigt Devikas Aktion gegenüber ihren Eltern, die ihrerseits mehr über die „Schande“ besorgt zu sein scheinen, die Devika ihnen durch das Ausreißen bei den Nachbarn beschert hat, als über die psychopathische Persönlichkeit des Mannes, den Devika geheiratet hat. Damini erinnert die Eltern an die zahlreichen Erniedrigungen, die Devika erleiden musste, wenn von den Eltern ausgewählte Heiratskandidaten sie abgelehnt hatten, und dass Devika – anders als andere ledige Frauen, die sich umbringen, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, die nötige Mitgift zu beschaffen – die Wahl getroffen hat, ihr Leben zu leben! Dies weist auf die unglaubliche sexuelle Frustration hin, die sich in ledigen Frauen aufgrund der ihnen aufgebürdeten kulturellen Beschränkungen aufbaut. Aber man kann nicht umhin zu fragen, ob – wenn dies die Weise ist, auf die Frauen in Indien beabsichtigen zu heiraten – sie nicht gleichzeitig größere Freiheiten haben sollten, um Männer zu treffen und Beziehungen vor der Ehe zu erkunden, so dass sie zu einer größeren und besseren Auswahl an Kandidaten Zugang haben?

Absätze 39 und 34

Matrubhoomi-A-Nation-Without-Women-2003-223x300Diese Sicht auf Vergewaltigung und weibliche Sexualität erlaubt verschiedene andere kulturspezifische und systematische Formen sexueller Gewalt an Frauen. Eine dieser Praktiken in Indien ist der „Brauthandel“, wie im Film Matrubhoomi (Die Nation ohne Frauen) dargestellt wird. Im Endeffekt ist dies eine Form der kulturell sanktionierten Gruppenvergewaltigung und des Frauenhandels. Aufgrund der zügellosen und frauenfeindlichen Praxis des Tötens weiblicher Babys und Föten gibt es Gegenden in Indien, in denen Männer keine Ehefrauen finden können und dann dazu übergehen, „Bräute“ aus entlegenen Regionen zu kaufen. Allerdings wird die gekaufte „Braut“ wie ein sexueller Besitz zur Benutzung aller Männer in der Familie behandelt, ungeachtet dessen, wen sie geheiratet hat. In diesem Film sieht sich Kali, die eine sorgenfreie und frohe Kindheit verbracht hat, nach ihrer Hochzeit in einer albtraumartigen Hölle gefangen, als sie Tag und Nacht von allen Männer in der Familie, einschließlich ihrer vier Schwager und ihres Schwiegervaters, vergewaltigt wird. Später wird sie gefesselt in einem Kuhstall wahllos abwechselnd von Männern aus dem Dorf vergewaltigt. Der wohl schockierendste Aspekt ihre Geschichte ist der Umstand, dass ihr Vater, sobald er von den Plänen ihrer Schwiegerfamilie Wind bekomment hatte, einfach eine finanzielle Abgeltung vereinbart hat. Die Reaktion der vielfach vergewaltigten Kalki im Film Matrubhoomi ist besonders verblüffend. Kalkis sorgenfreie und fröhliche Kindheit wird dargestellt. Ihr Vater versuchte die Tatsache, dass sie ein Mädchen war, zu verbergen, indem er sie Jungenkleider tragen ließ, so dass notgeile Männer nicht versuchten, sie anzugrapschen. Dies schien ihr tatsächlich mehr Bewegungsfreiheit zu gewähren und sie konnte Wälder durchstreifen, Entdeckungen machen, singen und über Mauern springen. Wie würde eine solche Frau reagieren, wenn sie plötzlich gefangen gehalten würde und wiederholt von verschiedenen Männern vergewaltigt würde? Wie würde ihre körperliche, psychologische und emotionale Reaktion aussehen? Mit Ausnahme einer Situation wesentlich später im Film, in der sie einen erfolglosen Fluchtversuch unternimmt, wird Kalki als fast vollkommen passiv dargestellt. Sie ist nicht nur eine Sexsklavin im Haus, sondern auch eine Haussklavin, die sich allem mit mechanischer Distanz unterwirft. Dies ist keine unerwartet Reaktion gefangen gehaltener Gewaltopfer, aber sie entwickelt sich erst mit der Zeit, wenn Körper und Seele gebrochen sind. Insbesondere mit einer Persönlichkeit wie wir sie in Kalki zuerst beobachten können, würden wir von ihr erwarten Widerstand zu leisten, wild zurück zu schlagen, ihre Missbraucher zur Rede zu stellen, sich von ihrem Vater verraten zu fühlen, gekränkt, furchtsam und traurig zu sein. Aber wir sehen keine dieser Reaktionen in Kalki. Könnte es sich hierbei um ein Versehen des Regisseurs handeln? Bis zu einem gewissen Grade vielleicht. Die Vorstellung von Matrubhoomi ist offensichtlich eine, vielleicht sogar narzistische, männerzentrierte Sicht. Sie interessiert sich nur dafür, wie Männer fühlen – für deren sexuelle Frustrationen und Ängste, deren Ärger und tödliche Feindschaft untereinander im harten Wettbewerb um eine Partnerin. In gewisser Weise ist es ironisch, dass der männliche Narzismus, der Frauen bei der Geburt vernichtet und die Überlebenden weiterhin entmenschlicht und zu einer Ware macht, nicht in der Lage ist, über sich selbst, das eigene Ego, die eigenen Interessen und Emotionen, hinweg zu sehen – auch dann nicht, wenn er den Versuch unternimmt, sich über ein kreatives Medium mit diesen Problemen auseinander zu setzen. Es scheint unwichtig zu fragen, wie sie sich fühlt und was sie wohl denken mag.

© Gender Forum Issue 46 (2013) · ISSN 1613-1878.  All rights reserved.

ZUR AUTORIN

Rita Banerji ist Autorin, Frauenrechtsaktivistin und Begründerin von “50 Million Missing”  (50 Millionen fehlen), einer Kampagne zur Beendung des Völkermords am weiblichen Geschlecht in Indien. Ihr Buch  ‘Sex and Power: Defining History Shaping Societies‘ ist ein historischer und gesellschaftlicher Blick darauf, wie die Beziehung von Geschlecht und Macht in Indien zum anhaltenden weiblichen Genderzid führte. Ihre Webseite ist zu finden unter www.ritabanerji.com. Sie bloggt auf  Revolutions in my Space und twittert auf @Rita_Banerji


ZUR ÜBERSETZERIN

Melanie Beaven wurde in Hamburg geboren und lebt seit 2004 in England. Sie hat verschiedene Übersetzungstätigkeiten ausgeführt, unter anderem auch Texte über das babylonische Justizsystem. Sie ist Diakonin in der Methodistischen Kirche in Großbritannien; ihre Interessensschwerpunkte sind Feministische Theologie und der interreligiöse Dialog.

UN Women-Bericht: Indische #Frauen empfinden gegen sie gerichtete #Gewalt als nach wie vor weit verbreitet

crime against womenAus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Ein gemeinsamer Bericht von UN Women und der Europäischen Union besagt, dass indische Frauen geschlechtsspezifische Gewalt in Indien immer noch als weit verbreitet und anhaltend empfinden. Der Bericht führt Themen wie Kinderhochzeit, mitgiftbedingte Gewalt und gezielte Abtreibung weiblicher Föten an.


Die Frauen haben den Eindruck, dass ihre nach wie vor den Männern untergeordnete Position bedingt ist durch traditionelle Rollen und auferlegte Pflichten.

Die Frauen benannten den Mangel an Wasser und sanitären Anlagen als hauptsächliche Herausforderung. Dem Bericht zufolge spüren sie „…den Mangel an Wasser und sanitären Anlagen während Menstruation und Schwangerschaft besonders deutlich. Die Frauen sehen eine Verbindung zwischen dem Fehlen von Toiletten und Harnverhaltung bei weiblichen Schulkindern ab dem Grundschulalter.”

ZUR ÜBERSETZERIN
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe „Femizid in Indien“.

 

Wie sich in Indien Rassismus und Sexismus vermischen – Eine Online-Fotoausstellung

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Stellen Sie sich vor, Sie würden irgendeiner der in dieser Fotoaustellung abgebildeten Frauen begegnen. Würden Sie glauben, dass sie aus Indien kommen?

WÜRDEN SIE SAGEN, DIE FRAUEN SEHEN INDISCH AUS?

Für die meisten Leute inner- und ausserhalb Indiens entsprechen diese Gesichter nicht dem typischen Aussehen einer Inderin. In der Tat erscheinen solche Gesichter nur sehr selten im indischen Fernsehen, in Filmen, in der Politik, oder in der Werbung.
  

Trotz ihrer Präsenz als scheinbare „Minderheit“ in Indiens Öffentlichkeit oder nationaler Identität gehören diese Gesichter zu gar keiner wirklichen Minderheit. So haben z.B. sieben Kommunen der nord-östlichen Staaten Indiens Menschen mit orientalischen Gesichtszügen!! SIEBEN KOMPLETTE STAATEN!! Warum also werden diese rassentypischen Gesichtszüge nicht als „typisch indisch“ anerkannt?

Der dieser Art von Ausgrenzung zugrunde liegende Rassismus ist insbesondere im Zusammenhang mit der Unterordnung und Unterdrückung indischer Frauen von großer Bedeutung. In den Nord-Oststaaten ist z.B. das systematische Vergewaltigen und Verletzen von Frauen durch die Armee mittlerweile ein schwerwiegendes nationales und internationales Menschenrechtsproblem geworden. Außerdem sind Frauen aus dem Nord-Osten, die zum Arbeiten oder Studieren in andere Regionen ziehen, nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Rasse oft Opfer von Missbrauch und physischen oder sexuellen Misshandlungen. Oft sind sie rassistischen verbalen Angriffen wie ‚Chinki’, ‚Momos’, ‚Thukpas’ und ‚Nudeln’ ausgesetzt und fühlen sich wie Fremde im eigenen Land.

Die Online-Fotoaustellung in diesem Post wurde aus Beiträgen der 2400 Fotografen zusammengestellt, die die „The 50 Million Missing Campaign“ auf Flickr unterstützen. Um unsere anderen Online-Fotoaustellungen anzusehen, klicken Sie bitte hier.
  
Der Zweck dieser Online- Ausstellung ist die Geltendmachung des Rechts dieser Frauen, mit ihren Gesichtern, ihren besonderen Merkmalen, ihrer Rasse und ihrer Kleidung, als Durchschnitts-Inderin anerkannt und respektiert zu werden, wie jede andere auch. Zum Anschauen der Ausstellung klicken Sie bitte auf die obige Fotomontage.
Und wenn Sie das nächste Mal eine Frau
sehen, die so oder ähnlich aussieht, sagen Sie ruhig: „SIE SIEHT INDISCH AUS!“

ZUM ÜBERSETZER

Sönke Rickertsen ist freischaffender Schriftsteller, Sänger, Musiker und Künstler. Er lebt in Melbourne, Australien und kann über Facebook kontaktiert werden.

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