Sind Indiens Frauen noch auf dem Weg oder sind sie bereits am Bestimmungsort angekommen?

for ladies only busAus dem englischen Original von Manzar Samii
übersetzt von Alexander Ohnmeiß

Auf dem Bahnsteig von Chembur zieht es meine zwei Mitbewohnerinnen und mich in die Richtung aller übrigen wartenden Frauen in der Annahme, dass sie schon wissen werden, wo genau das für Frauen reservierte Zugabteil zum Halten kommen wird. Wir warten dort unbekümmert, nicht ängstlich, nicht besorgt, sondern einfach entspannt. Zum Teil ist dem so, weil wir so aufgeregt sind, endlich in Mumbai (ehem. Bombay) zu sein, aber hauptsächlich ist das so, weil wir wissen, dass sich keine Männer  gegen uns drücken und sich an uns reiben, während wir uns bereit machen, in den Zug zu steigen. Es erwarten uns auch keine Männer mit indiskreten Blicken und grabschenden Händen im vollbesetzten Zug selbst. Ja, wir sind locker und bleiben auch dann noch ruhig,  als wir in den langsam anfahrenden Zug geschubst und gestoßen werden. Sobald wir im Frauenabteil angekommen sind, gelten unsere einzigen Gedanken der Beobachtung anderer Leute, während sich unsere Blicke durch die offenstehenden Türen auf das Tollhaus von Mumbais Innenstadt richten.

Ein paar Haltestellen später steigt eine offensichtlich transsexuelle Person zu. Sie trägt einen leuchtend gelben Sari und als sie lächelt, entblößt sie ein fehlendes Paar Schneidezähne. Sie führt ein kleines Tänzchen auf und berührt uns dann alle am Kopf – vielleicht um unserer Fraulichkeit oder vermeintlichen Weiblichkeit einen Segen zu erteilen, vor allem aber, um denjenigen unter uns, Geld zu entlocken, die Non-Konformität abergläubisch genug gegenüber stehen. Fröhlich bahnt sie sich Ihren Weg durch das Zugabteil, um sich dann vermutlich im männlich dominierten Hauptteil des Zuges zu verschwinden. Sie ist die erste Person, die unseren speziellen Raum, dieses „nur für Frauen“, das uns Erleichterung und Behaglichkeit verschafft,  in Frage stellt. Der Wohlfühlcharakter ist so groß, dass ein paar Frauen sich sogar auf dem Boden ausgestreckt haben. Ein Teil von ihnen unterhält sich über den neuesten Tratsch, einige in Niqab gekleidete Frauen haben vorübergehend ihre Schleier gelüftet, um sich zu sortieren. Eine Mutter kämmt ihrer Tochter Läuse aus dem Haar und wir Übrigen lassen unsere Blicke aus den Fenstern oder im Abteil umherschweifen, um so die ungefilterten Eindrücke und Gerüche aus einer der meistbevölkerten Städte Indiens aufzunehmen. Wir lassen unsere Gedanken schweifen, denken aber nicht über die statischen Definitionen nach, denen wir uns in diesem Zugwagen voller verschiedener Facetten anpassen – wir hinterfragen uns selbst nicht.

ladies compartment train with sign

„Ich verspreche hiermit in allen Zugabteilen mitzureisen und nicht nur in denjenigen, die für Frauen reserviert sind. Ich will, dass die gesamte Stadt zu einem sicheren Ort für Frauen wird. ~ Safe City Pledge“

Beim nächsten Halt schlendert ein Junge ganz zwanglos durch das Abteil, er verkauft kleine Gebrauchsgegenstände, während eine mit Chillis und Limonen vollbeladene Frau sich vorübergehend in einer Ecke niederlässt. Wir blicken sie an, aber niemals zu lange. Wir zählen die Anzahl der verbleibenden Haltestellen und können nur immer wieder denken, wie wundervoll es doch ist, einen Wagen ganz allein für Frauen reserviert zu haben. Wir bemerken eine junge Frau, die wie wild ihr Handy beim SMS-Schreiben bearbeitet – alles mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht – und wir fragen uns, mit wem sie da wohl kommuniziert. Wir beobachten, wie sie in Cotton Green aus dem Zug aussteigt und mit einem jungen Mann zusammenkommt, der im selben Zug,  aber in einem anderen Abteil mitgefahren ist. Das finden wir dann niedlich, ja ganz reizend sogar. In diesem Moment entfällt uns, dass die öffentlichen Abteile eine so unangenehme Erfahrung darstellen, dass eine Frau diese nicht einmal zusammen mit ihrem Partner betreten will. Wir halten uns an den klebrigen Griffen fest und verwenden unsere Aufmerksamkeit darauf, wie zweckdienlich und kostengünstig die Eisenbahn für den alltäglichen Pendler ist.  Es macht uns nichts aus, wenn Frauen gegen uns stoßen oder uns mit vorurteilshaften oder neugierigen Blicken mustern. Das ist für uns eher eine willkommene Erfahrung.

Als dann ein homosexuelles Pärchen das Zugabteil betritt und sich in den Sitzen vor uns niederlässt, sind wir total begeistert. Wir nicken einander zu und denken „wie fortschrittlich“, ohne wirklich darüber nachzudenken, was dies innerhalb oder außerhalb unseres „Nur für Frauen“-Zugabteils bedeutet. Wir geben uns Mühe, uns all die verschiedenen Arten von Leuten zu merken, die wir auf unserem kurzen Trip sehen. Wir inhalieren das Gesehene ein, ja wir saugen es förmlich auf. Während der Zug parallel zu einer anderen Linie fährt, schauen wir uns die öffentlichen Abteile genau gegenüber an: Sie sind so zum Bersten mit Männern voll, dass viele sogar aus den Türen hängen und nach Luft ringen.

Wir fühlen uns so glücklich im Frauenabteil und empfinden fast schon Panik bei dem Gedanken, in einem der Abteile zu sein, die wir beobachten. Zu diesem Zeitpunkt realisieren wir nicht, dass unsere Position zugleich befreiend und einschränkend ist. Dieses Zugabteil symbolisiert Bevollmächtigung und Sicherheit, aber es spricht auch Bände über unsere soziale Lähmung. Wir sind so überfordert, dass man uns auf ein gesondertes Abteil beschränken muss, wir sind immer noch so reduziert durch Furcht und Erfahrungswerte, dass wir zu glauben beginnen, dieses gesonderte Zugabteil könnte einen Fortschritt repräsentieren. Tatsächlich aber erinnert es uns daran, dass es nur ein künstliches Gefühl von Sicherheit ist, durch das Fehlen der Männer und dass wir alle weiterhin in Stereotypen leben und diese folgerichtig nur weiter abspulen.

Mit einem Mal sind wir uns während der gesamten restlichen Fahrt überaus bewusst darüber, dass dieser Wohlfühlcharakter nur ein flüchtiger Moment ist, gewissermaßen eine fehlgeleitete Wahrnehmung und wie überaus ungerecht das ist. Es lässt all die Problematiken widerhallen, die in Gesprächen bei einem Chai, bei spätabendlichen Sparziergängen oder beim Öffnen der Zeitung immer wiederkehren. Anders ausgedrückt, es gaukelt Frauen ein Sicherheitsgefühl vor, aber die angebotene Sicherheit geht einher mit den sozialen Normen und Bestimmungen, die den Frauen seit jeher den Freiraum nehmen. Deshalb setzen auch wir diese problematischen Normen immer wieder ein und haben an ihnen teil – vielleicht haben wir manchmal keine andere Wahl.

only womenAn der nächsten Haltestelle steigt ein Soldat in Uniform zu, in den Händen hält er sein Gewehr, er beansprucht eine Ecke bei der Türe. Uns allen schaudert es vor seinem Autoritätsverständnis und seiner Einstellung, er stehe über den Dingen, die dieses Abteil definieren. Er zischt und richtet Befehle an Frauen, während sie am Bahnsteig ein- und aussteigen – von ihm geht eine ungehobelte Selbstsicherheit aus. Als wir dann am Mumbai-Hauptbahnhof ankommen, sind wir deutlich erleichtert, durch die gegenüberliegende Tür aussteigen zu können und sehr froh, keinen direkten Kontakt mit dem Soldaten zu haben.

Als wir uns wieder den Menschenmassen anschließen beobachten wir die Leute um uns herum. Strategisch platzieren wir unsere Arme in Positionen, die unsere Körper abschirmen. Wir werden berechnend.  Nach Ankunft am berüchtigten Marine Drive sehen wir zu, wie die Abendsonne im Meer versinkt und endlich fühlen wir uns am vorhergesehenen Bestimmungsort angekommen. Während wir so in Ruhe dasitzen, gerät die Reise an das Ufer in Vergessenheit. Schweigend sitzen wir dort und bewundern die Schönheit vor uns und nehmen uns selbst aus unserer Verantwortung heraus, all den Stereotypen, der Furcht und den falschen Auffassungen Folge zu leisten, die zu unseren Be- und Einschränkungen geführt haben. Dann trinken wir Eiscafé anstatt uns selbst für alle die problematischen Bereiche in unserem alltäglichen Leben verantwortlich zu machen. Wir denken bei uns, dass es ja gar keine andere Wahl gibt, schließlich haben wir das Rückfahrticket für den Zug schon bezahlt. Also lächeln wir über den Umstand, es rechtzeitig zum Sonnenuntergang geschafft zu haben und darüber, dass wir in der Dunkelheit bequem zurückfahren werden.

Werden #Frauen in #Indien bei den #Wahlen 2014 #NOTA wählen, um #Vergewaltiger und #Mörder aus der Regierung zu entfernen?

why are rapists sitting in parliamentAus dem englischen Original von Rita Banerji,
übersetzt und ergänzt von Samira Goth

Während in Indien vom 07. April bis 12. Mai 2014 gewählt wird, fordert die „The 50 Million Missing Campaign“ indische Frauen dazu auf, NOTA zu wählen, um eine Regierung herbeizuführen, die für Frauen sicher ist. NOTA ist eine Wahloption für indische Bürger, die erstmals bei einer Wahl zur Verfügung steht und „None of The Above“ (keinen der oben Genannten) bedeutet. Drückt ein Wähler den NOTA-Knopf, bringt er damit zum Ausdruck, dass er alle politischen Parteien und ihre Kandidaten ablehnt, die bei dieser Wahl antreten.

WARUM HAT DAS OBERSTE INDISCHE GERICHT DIE NOTA-OPTION EINGERICHTET?

Im Laufe der letzten 20 Jahre besteht immer größere Sorge darüber, dass es eine eskalierende Präsenz von Kriminellen in der indischen Regierung und den politischen Parteien gibt. Mit jeder Wahl erhöht sich dieser Zuwachs an Kriminellen. Bei derWahl von 2004 waren 24 % der Parlamentsabgeordneten (MPs) in laufende strafrechtliche Verfahren verwickelt. 

In der Wahl von 2009 war ihre Zahl bereits auf 30 % gestiegen. Die Mehrheit dieser Fälle dreht sich um ernstzunehmende Anklagen wie Vergewaltigung, Mord, Erpressung und andere Formen von Gewalt gegen Frauen wie Belästigungen, Stalking und mit Mitgift in Verbindung stehende Gewalt und/oderMord. Die Aufstellung krimineller Politiker nach Bundesstaat zeigt haarsträubende Statistiken. So werden z.B. aktuell gegen 50 % der MPs aus Jharkhand strafrechtliche Vorwürfe erhoben und gegen 48 % der MPs aus Maharashtra.

Kriminelle, die in de rindischen Regierung das Sagen haben, sind wenig geneigt, Gesetze anzuwenden, die Frauen und andere Bürger schützen. In der Tat besteht ein erheblicher politischer Druck und es wird enorm manövriert, damit Straftaten ungeahndet bleiben. Es ließ sich schon häufig beobachten, dass Vergewaltigung und andere Gewaltverbrechen gegen Frauen als politischer „Anreiz“ vom System fast „genossen“ werden.

Kürzlich versuchte das Oberste Gericht, Kriminelle aus der Regierung zu entfernen,  sah sich aber immensem Widerstand gegenüber. Die regierende Congress-Partei versuchte sogar, eine Verordnung durchzudrücken, um der Initiative des Obersten Gerichtes eine Abfuhr zu erteilen.

Die Einrichtung des NOTA-Knopfes als Wahloption für indische Bürger zeigt klar, wie hilflos der Oberste Indische Gerichtshof dabei ist, die Regierung von Straftaten und Straftätern zu befreien. In seiner Stellungnahme erklärte das Oberste Gericht: Wenn eine große Zahl von Wählern den NOTA-Knopf drückt, wird dies die politischen Parteien zwingen, bessere Kandidaten zu suchen.“

Der NOTA-Knopf ist leicht zu finden. Er ist der LETZTE Knopf auf der Kandidatenliste im elektronischen Abstimmungsgerät. Dort steht: „None of the Above – NOTA“.

WIESO SIND ALLE POLITISCHEN PARTEIEN FRAUENFEINDLICH?

  1. ALLE PARTEIEN REKRUTIEREN UNVERHOHLEN VERGEWALTIGER UND MÖRDER
    Jede einzelne Partei, die dieses Jahr zur Wahl antritt, hat
    eine Zunahme an Politikern mit kriminellem Hintergrund. Von den zwei größten Parteien haben 48 MPs von der Congress-Partei und 46 MPs von der BJP schwebende Verfahren laufen. Kleinere Parteien wie die Shiv Sena haben 8, doch wenn man bedenkt, dass sie nur 10 MPs haben, bedeutet dies, 80 % ihrer Politiker sind krimineller Vergehen angeklagt. Einer Mehrzahl von ihnen werden ernste Vergehen wie Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt.
  2. ALLE PARTEIEN ARBEITEN MIT FOREN ZUSAMMEN, DIE FRAUEN SYSTEMATISCH UNTERDRÜCKEN
    Zu diesen Foren gehören religiöse Organisationen und Anführer wie
    Asaram (jetzt verurteilt wegen einer Reihe von Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen von Mädchen), Ram Dev (der offen Methoden propagiert, Söhne statt Töchter zu zeugen) und moslemische Anführer (wie Maulana Taqueer Raza), die Fatwas gegen Frauen aussprechen, die sich gegen ihre fundamentalistischen, frauenfeindlichen Diktate wehren. Alle politischen Parteien bilden auch Allianzen mit Khap Panchayats (Dorfräten), die berüchtigt für das Abhalten von Scheingerichten sind, bei denen außergerichtliche Bestrafungen wie „Ehrenmorde“ und Massenvergewaltigungen erteilt werden.
  3. SPITZENPOLITIKER SIND FÜR FÄLLE ERNSTER INTERNATIONALER MENSCHENRECHTSVERGEHEN VERANTWORTLICH
    Die Anführer bzw. der Premierministerkandidat der beiden größten Parteien, Congress und BJP, sind auch verantwortlich für eine direkte Mitwirkung oder den Schutz der Verantwortlichen an systematischen Massakern und Massenvergewaltigungen von Minderheiten. 
    2002 gab es einen systematischen und geplanten Angriff auf Moslems im Gujarat, wobei Tausende getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Narendra Modi, der damals Ministerpräsident des Gujarat war und den man lange Zeit dafür verantwortlich machte, direkt sein geheimes Einverständnis zu diesen Taten von Leuten in seiner eigenen Regierung gegeben zu haben, ist der heutige Premierministerkandidat der BJP. Obgleich viele in Modis Regierung für schuldig befunden wurden, konnte man Modi trotz vieler Zeugenaussagen keine Beteiligung nachweisen. Ein ähnlicher, systematischer Angriff auf Sikhs fand 1984 in Delhi statt, als Tausende unter stillschweigendem Einverständnis getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Gandhis Schergen, die bekanntermaßen das Massaker und die Vergewaltigungen organisierten, werden bis heute von Sonia Gandhi, der Witwe Rajiv Gandhis, und dem aktuellen Führer der Congress-Partei geschützt. [Rajiv Gandhi war persönlich motiviert, da seine Mutter Indira Gandhi von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet worden war. Anm. d. Ü.] In der Tat belohnt Frau Gandhi diese Politiker sogar mit politischen Positionen und verschafft ihnen damit Macht. Menschenrechtsgruppen, deren Rechtsfälle wiederholt in indischen Gerichten blockiert wurden, versuchen nun über ein Gericht in New York, Sonia Gandhi wegen Behinderung der Justiz und Schutz von Verbrechern, die gegen die Menschenrechte verstoßen haben, verurteilen zu lassen.
  4. ALLE PARTEIEN NEHMEN OFFEN POLITIKER AUF, DIE UNGENIERT FRAUENRECHTE VERLETZEN
    Manche Parteispitzenfunktionäre wie Mamta Banerjee von der TMC-Partei sowie viele andere aus ihrer Partei haben
    Vergewaltigungsopfer wiederholt für die an ihnen begangenen Verbrechen verantwortlich gemacht. Der Bundesstaat ist mittlerweile die Nr. 1 in Vergewaltigungen und anderen Gewaltverbrechen gegen Frauen. Parteien wie die SP in Uttar Pradesh, einem Staat mit einer der höchsten Vergewaltigungsraten, haben sogar den Männern versprochen, die Vergewaltigungsgesetze zu „lockern“, falls sie diese Wahl gewinnen! Der Justizminister der neu gegründeten AAP-Partei führte einen Lynchmob zu den Wohnungen afrikanischer Frauen in Delhi und verletzte damit das Gesetz, für dessen Schutz er eintreten sollte, indem er von der Polizei gegen alle gesetzlichen Protokolle verlangte, die Frauen zu verhaften, weil man dem Mob eingeredet hatte, diese Frauen seien Prostituierte.

 WARUM ALLE INDISCHEN FRAUEN MIT„NOTA“ STIMMEN SOLLTEN

Indien ist heute das weltweit viertgefährlichste Land für Frauen. Doch da in den anderen drei Ländern Bürgerkrieg herrscht, macht dies Indien für Frauen zur gefährlichsten Demokratie der Welt.

Indien hat systematisch 20 % der Frauen durch unterschiedlichste Formen der Gewalt ausgelöscht. Das schlägt sich auch in einem geringeren Anteil an Wählerinnen nieder. Dies ist eine Botschaft an die Frauen Indiens, dass es für sie in diesem Land keinen Platz gibt.  Man erlaubt ihnen nicht einmal zu überleben! Es ist ein Genozid, der weltweit seinesgleichen sucht. 

Warum fanden die indischen Frauen bisher keine vereinte und starke Stimme und keinen Impuls,gegen diese völkermörderische Gewalt im gesamten Land zu protestieren und sich zu wehren?

Vielleicht weil indische Frauen so in ihren Identitäten von Region, Kaste, Klasse, Klan und Religion gefangen sind, dass sie den Blick auf ihre Identität als „Frauen“ verloren haben. Sind die indischen Frauen so verloren, dass sie nicht erkennen, wie die Gewalt, die sie durch Kindesmord, Mitgiftmord, Ehrenmorde und Vergewaltigungen ausmerzt, sie alle betrifft? 

Begreifen indische Frauen,dass keine andere Menschengruppe in Indien in diesem Maße durch Gewalt ausgelöscht wurde wie sie – die Frauen?

Vielleicht sind die politischen Parteien verantwortlich, weil sie Kaste, Klasse und Religion mit List und Tücke einsetzen, um Unfrieden zwischen den Menschen zu stiften. Vielleicht muss man es sogar den Liberalen Indiens anlasten, die die Menschenrechte einer Gruppe verteidigen, doch zur Verletzung der Menschenrechte einer anderen Gruppe schweigen und dadurch eine Trennung zwischen den Menschen schaffen.

Als Nobelpreisträger Amartya Sen sagte, er würde weder für BJP noch Modi stimmen, weil wir die moslemischen Minderheiten schützen müssen, hätte er auch betonen müssen, dass er nicht für Congress stimmen könne, weil wir unsere Sikh-Minderheiten schützen müssen. Stattdessen verteidigte er Sonia Gandhi! Wir müssen die Menschenrechte aller schützen, egal von wem! Als die Sozialaktivistin Arundhati Roy ihre Stimme gegen die Vergewaltigungen von moslemischen Frauen in Kashmir durch die indische Armee erhob,hätte sie auch etwas gegen die systematischen Vergewaltigungen und Morde an den in der Minderheit lebenden Hindus und Sikhs in Kashmir sagen müssen, die zu deren Massenabwanderung führte. Tatsächlich hätte sie sich auch gegen die Kontrolle der Taliban in Kashmir stark machen sollen, die ihre unterdrückerischen Diktate gegen Frauen immer mehr verstärken, sie zum Tragen von Schleiern zwingen und sie mit Säureangriffen bedrohen, falls sie Jeans tragen, singen, tanzen oder zur Schule gehen.  

Alle Frauen sind Menschen. Und als solche haben wir Menschenrechte. Es ist völlig unerheblich, welche Gruppe diese Rechte verletzt oder zu welcher Gruppe eine Frau gehört, deren Rechte verletzt werden. Die Unterdrückung einer Frau ist die Unterdrückung einer jeden Frau.

Als Frauen können wir uns es nicht leisten, dieser Gewalt und Ausrottung durch Indien und sein kriminelles Regierungssystem schweigend zuzusehen. Damit sich etwas ändert, müssen die Frauen Indiens sich vereinigen und mit EINER STIMME Sicherheit und Freiheit einfordern!  

DIE „THE 50 MILLION MISSING CAMPAIGN“ FORDERT ALLE INDISCHEN FRAUEN AUF, DEN NOTA-KNOPF ZU DRÜCKEN, WENN SIE ZUR WAHL GEHEN UND DEN POLITISCHEN PARTEIEN DAMIT ZU SIGNALISIEREN, DASS VERGEWALTIGER UND MÖRDER IN DER REGIERUNG NICHT LÄNGER TOLERIERT WERDEN!

ZUR ÜBERSETZERIN

Lakshmi Samira Goth hat ihre Magisterarbeit in Ethnologie über die Mitgift-Problematik in Indien geschrieben, ist mit einem Inder verheiratet und lebt in Indien und Deutschland.  Sie ist professionelle Übersetzerin und beratende Lektorin der „The 50 Million Missing Campaign”. Ihre Homepage ist zu finden unter www.geckolingua.com.

 

#Versuchskaninchen für Studien zu #Gebärmutterhalskrebs – 254 arme #Frauen starben in #Indien

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

guinea pigs

Yathart, ein Opfer von Medikamentenversuchen, mit seiner Mutter. Nach einer Impfung bekam er weiße Punkte auf dem Körper. Mail Today berichtet von illegalen Versuchen in Indore.


Versuchskaninchen

3.138 klinische Studien wurden zwischen 2006 und 2009 durchgeführt
806 Studien wurden in 2010 durchgeführt

122 Versuche wurden zwischen Januar Februar 2011 durchgeführt
1.727 anlässlich der Studien gemeldete Todesfälle zwischen 2006 und 2009
132 Todesfälle in 2007
288 Personen starben in 2008
637 Patienten starben i 2009
670 gemeldete Todesfälle in 2010

 

New Delhi,  20 April 2014

Der Tod von 254 armen Frauen aus indischen Dörfern und Slums, die an einer US-finanzierten klinischen Studie zu Gebärmutterhalskrebs teilgenommen hatten, führte zu heftigen Diskussionen über die ethische oder vielmehr unethische Art und Weise, wie klinische Studien in Indien aufgebaut werden. Die im Laufe der Studie gestorbenen Frauen waren Teil einer Kontrollgruppe, die ohne Screening blieb, um die Sterberate bei ungescreenter Bevölkerung zu testen.

Eine ähnliche Auseinandersetzung gab es bereits, als in denselben klinischen Studien im Jahr 2010 vier Mädchen im Teenageralter, die an der Testreihe zur Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV-Impfung) teilnahmen, gestorben waren. Die indische Regierung wurde beschuldigt, ihre Bürger den westlichen medizinischen Unternehmen zum Einsatz als Versuchskaninchen für gefährliche Impfstoffe zur Verfügung zu stellen. Die Probanden wurden aus der ärmsten Schicht Indiens gewählt, die nicht über ausreichende Bildung verfügt, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Für die von der Bill & Melinda Gates-Stiftung finanzierte und vom internationalen Gesundheitsverband PATH und dem indischen Council of Medical Research (ICMR) durchgeführte Studie wurden mehr als 23.000 Mädchen im Alter von 10-14 gegen HPV, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, geimpft. Die indische Regierung hatte behauptet, die Mädchen seien an anderen Ursachen gestorben, die nichts mit der Impfung zu tun gehabt hätten.

Dennoch wurde Anzeige erstattet beim US  Office for Human Research Protections (OHRP), wo festgestellt wurde, dass die Frauen nicht ausreichend informiert wurden und somit keine fundierte Einwilligung abgeben konnten.

Weitere Informationen in englischer Sprache erhalten Sie hier:

http://timesofindia.indiatimes.com/india/Row-over-clinical-trial-as-254-Indian-women-die/articleshow/34016785.cms

http://www.nature.com/news/2011/110622/full/474427a.html

http://www.australasianscience.com.au/article/issue-october-2013/care-and-consent-fraught-ethics-international-clinical-trials.html

http://www.bihardays.com/making-living-guinea-pig-india-clinical-trials-drug-companies/

Einen ergänzenden deutschen Artikel finden Sie hier:  Indische Frauen als „Versuchskaninchen“ – 254 starben

 

 

Indira Jaising: Was hindert indische Gerichte daran, Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?

indira jaisinghvon Indira Jaising
(Indiens stellvertretender Oberstaatsanwältin)

Hiermit protestiere ich aufs Heftigste gegen die Kommentare des Richters [Kirubakaran], mit denen er ausgedrückt hat, dass Frauen für die Verbrechen, die ihnen angetan wurden, selbst verantwortlich sind. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass Frauen, um zu vermeiden, vergewaltigt zu werden, besser zu Hause blieben.

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Lied für die #Freiheit indischer #Frauen

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

„Where the Mind is Without Fear“ ist ein bekanntes Gedicht, das der großartige indische Poet und Nobelpreisträger, Rabindranath Tagore, 1901 geschrieben hat, um Indiens Freiheitsbewegung zu inspirieren. Tagore glaubte, dass sich Indiens Kampf nicht nur gegen die britische Kolonialherrschaft richtete, sondern dass dieser Kampf für Freiheit und Demokratie für alle Einwohner auch im Inneren gekämpft werden müsse, gegen Indiens eigene soziale Strukturen und Kulturen.

In 20 Jahren werden 20% der Frauen aus Indien ausgelöscht sein, Opfer jeglicher Form von Frauenhass und Gewalt vor und nach der Geburt (Sehen Sie hier!).  Viel zu lange sind wir ruhig geblieben und haben diese Gewalt, die uns beigebracht wurde, ausgehalten. Viel zu lange haben wir den Bräuchen, der Kultur, der Religion, der Klasse, der Kaste und der Regierung erlaubt, uns in diesen Käfig aus Gewalt und Angst einzusperren! Es reicht!

Im Dezember 2012 zündete die brutale Gruppenvergewaltigung und der Mord an einer 23-jährigen Frau eine Zeitbombe. In Delhi starteten Proteste, die sich über ganz Indien ausdehnten. Die Regierung versuchte, die Proteste in Delhi mit brutaler Gewalt und schmutzigen Polizeimanövern zu unterdrücken und ist nach wie vor bestrebt, Bemühungen aus der Bevölkerung, sich gemeinsam für die Sicherheit von Frauen und Mädchen in Indien einzusetzen, abzublocken oder kleinzuhalten. Aber Tatsache ist – DIE REVOLUTION HAT BEREITS BEGONNEN! Und sie wird rücksichtslos voranschreiten!

The 50 Million Missing Campaign hat die Ehre, Ihnen unten die Hymne von Indiens zweitem Kampf für Freiheit und Demokratie zu präsentieren. Wir zeigen Ihnen eine Serie von Fotos der Proteste anlässlich der Gruppenvergewaltigung von Delhi, begleitet von Tagores Freiheitsgedicht. Die Fotos wurden beigesteuert von verschiedenen Fotografen aus dem flickr-Pool unserer Kampagne, der weltweit von mehr als 2.400 Fotografen unterstützt wird. Klicken Sie auf die einzelnen Fotos, um zur Seite des jeweiligen Fotografen zu gelangen. Um unsere Online-Fotoshow zu sehen, klicken Sie bitte hier.

WHERE THE MIND IS WITHOUT FEAR
Dort, wo der Geist frei von Angst ist

Delhi Gang-rape protest pictures (2)

AND THE HEAD IS HELD HIGH;
und das Haupt hoch erhoben;

Delhi Gang-rape protest pictures (8)

WHERE KNOWLEDGE IS FREE;
Dort, wo Wissen frei ist;

Delhi Gang-rape protest pictures (1)

WHERE THE WORLD HAS NOT BEEN BROKEN UP INTO FRAGMENTS
Dort, wo die Welt nicht in Einzelteile zerbrochen wurde

The Mass Message

BY NARROW DOMESTIC WALLS;
durch beschränkende häusliche Mauern;

India Rape Protest - 29122012

WHERE WORDS COME OUT
Dort, wo Worte kommen

Protest Rally against Delhi gang rape

FROM THE DEPTH OF TRUTH;
aus den Tiefen der Wahrheit;

Delhi Gang-rape protest pictures (34)

WHERE TIRELESS STRIVING
Dort, wo unermüdliches Streben

WomenPower

STRETCHES ITS ARMS
seine Arme ausstreckt

India Rape Protest - 29122012

TOWARDS PERFECTION;
zur Perfektion;

India Rape Protest - 29122012

WHERE THE CLEAR STREAM OF REASON
Dort, wo der klare Strom der Vernunft

India Rape Protest - 29122012

HAS NOT LOST ITS WAY
sich nicht verirrt hat

India Rape Protest - 29122012

INTO THE DREARY DESERT SAND OF DEAD HABITS;
in die trostlose Wüste toter Gewohnheiten;

India Rape Protest - 29122012

WHERE THE MIND IS LED FORWARD
Dort, wo der Geist nach vorne strebt

Delhi Gang-rape protest pictures (22)

INTO EVER WIDENING THOUGHT AND ACTION;
in sich stetig weitende Gedanken und Handlungen;

Delhi Gang-rape protest pictures (4)

INTO THAT HEAVEN
In diesem Himmel

Delhi Gang-rape protest pictures (1)

OF FREEDOM,
der Freiheit

Delhi Gang-rape protest pictures (26)

LET MY COUNTRY AWAKE!
lass mein Land erwachen!

Delhi Gang-rape protest pictures (9)

BEENDEN SIE DIESE BRUTALE GEWALT AN FRAUEN IN INDIEN.

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE PETITIONEN!

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ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe „Femizid in Indien“.

Wenn Scheidung für eine #indische #Frau Freiheit statt Schande bedeutet

 

arth posterVon Mallika Sharma
Aus dem englischen
Original übersetzt von Jacqueline Knorr

„Arth“ heißt „Bedeutung“ und der Film, der sich um das Leben des Ehepaares Inder und Pooja dreht, versucht, die Bedeutung ihrer Ehe im Zusammenhang mit ihren individuellen Bedürfnissen und Persönlichkeiten zu untersuchen. Dieser Film aus dem Jahr 1982 von Regisseur Mahesh Bhatt ist wahscheinlich einer der wenigen indischen Filme, der einen solchen introspektiven Einblick in die Ehe und die Individuen, aus der sie besteht, wagt. Ich denke, es ist eines der besten Werke von Bhatt.

Der sich stetig abmühende Filmemacher Inder hat eine außereheliche Affäre mit der etablierten Schauspielerin Kavita. Inders Frau Pooja ist Hausfrau. Ein kleines Haus zu besitzen ist alles, was sie für ihren Mann und sich möchte. Sie bedrängt Inder, eine Möglichkeit zu finden, um aus der Mietwohnung ausziehen zu können. Die an Schizophrenie leidende Kavita ist launisch und unsicher und extrem besitzergreifend gegenüber Inder. Mit Kavitas Hilfe schafft es Inder, ein Haus für Pooja zu kaufen. Als Gegenleistung verspricht er Kavita, sich bald von seiner Frau scheiden zu lassen.Pooja jedoch wurde glaubhaft gemacht, dass Inder einen großen Filmauftrag an Land gezogen und mit dem Vorschuss das Haus anbezahlt habe. Sie ist überglücklich und begeistert und beginnt eifrig, ihr neues Zuhause einzurichten. Nachdem ihr Traum nach 7 langen Jahren wahr wird, hat sie endlich das Gefühl, angekommen zu sein und dass jetzt alles gut wird. Aber ihre Freude ist nur von kurzer Dauer, denn sie findet bald heraus, das Inder eine Affäre mit Kavita hat.

mass weddingPooja fleht Inder an, Kavita zu vergessen und verspricht ihm einen Neuanfang. Allerdings steckt Inder inzwischen knietief in einer Beziehung mit Kavita. Er schaltet für Poojas ergreifendes Flehen auf taube Ohren und läßt sie im Stich. Zum Abschied erteilt er ihr die Erlaubnis, im neuen Haus bleiben zu dürfen. Pooja verbringt einige Tage in Unglauben und Selbstverleugnung und kämpft hart, um sich mit der schmerzhaften Realität abzufinden. Nachdem sie die meiste Zeit ihres Lebens als Inders Schatten gelebt hat, kann sie sich nicht vorstellen, ohne seine Unterstützung zu leben. Schließlich reißt sie sich zusammen und zieht aus dem Haus aus. Von da an beginnt sie ihre Reise als eine unabhängige Frau, welches der Höhepunkt des Films ist.

Pooja findet einen Job und eine Unterkunft für sich und ist zum ersten Mal mit der „großen, bösen Welt“ konfrontiert. Irgendwann schafft sie es, Fuß zu fassen und lernt einen tollen Typen namens ‚Raj‘ kennen. Raj hilft Pooja mit seiner optimistischen Art und seinem heiteren Gemüt, sich langsam von den Leiden ihrer Ehe zu erholen. Gerade als Pooja in Bezug auf ihre Arbeit und ihre neu gewonnene Freundschaft mit Raj auf einem neuen Höhepunkt ihres Lebens ist, steht Inder mit den Scheidungspapieren vor der Türe. Dieser letzte Stoß befreit Pooja weiter und hilft ihr in ihrer neu gewonnenen Selbstständigkeit anzukommen. Schließlich wird Inder von Kavita verlassen. Hilflos und reuemütig geht er zu Pooja zurück und bittet um Vergebung. Pooja ist nicht mehr verbittert und sie braucht Inder nicht mehr. Was folgt, ist die wunderschöne und beispielhafte Darstellung von Würde, Überzeugung und mentaler Stärke einer Frau.

Indian-women-Bharat-India-Wallpaper- ProudPoojas erfolglose Ehe wird zum Sprungbrett für die Realisierung ihres „Selbst“. Sie nimmt ihre erschütternde Erfahrung als positiven Schritt und findet schließlich ihre eigene Identität. Sie lehnt den Heiratsantrag des sehr willigen Raj ab und überwindet damit alle Schranken weiblicher Machtlosigkeit.

Im Indien der 80er Jahre war Scheidung immer noch ein Tabu und wurde herablassend betrachtet. Unter dem sozialen Druck der Gesellschaft, ihre Ehe und die sogenannte „Familienehre“ intakt zu halten, mußten Frauen Belästigungen, Gewalt, Demütigung und vieles mehr ertragen. Viele Frauen hatten so wie Pooja untreue Ehemänner und blieben trotzdem in ihren Ehen, weil sie finanziell von ihren Ehemännern abhängig waren.

Sicherlich zerstört dieser bahnbrechende Film das Bild, dass eine Scheidung mit Schmach verbunden ist und ermutigt jede indische Frau, ihre Individualität zu schätzen und sie sich zu bewahren. Er legt auch die die Bedeutung der Eigenständigkeit von Frauen dar und macht ihnen Mut, auf eigenen Füßen zu stehen, so dass sie größere Wahl- und Handlungsfreiheit haben. Dieser Film ermutigt hoffentlich jede Pooja, mit ähnlichen Vorurteilen und Stereotypen zu brechen und die wahre „arth“ (Bedeutung) des Lebens zu entdecken, ohne jemals Gefühl zu haben, die Unterstützung eines Mannes zu benötigen.

© „The 50 Million Missing Campaign“. Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZUR AUTORIN

Mallika Sharma hat einen Abschluss im Bereich Finanzen und Investitionen von der Universität Edinburgh in Schottland. Derzeit leitet sie das von ihrer Familie geführte Exportunternehmen. Sie ist begeisterte Reisende und unersättliche Leserin. Sie spielt Tennis und lernt Klavierspielen. Sie mag es, über viele Fragen aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive zu schreiben. Sie blogt auf http://mallikasharma3489.blogspot.in/

ZUR ÜBERSETZERIN
Jacqueline Knorr ist vor 9 Jahen von Berlin in die Karibik ausgewandert und ist heute eine freischaffende Stewardess auf privaten Jachten in der Karibik und in Europa. Momentan ist sie unter anderem damit beschäftigt, ein schwimmendes Gästehaus auf St. Maarten zu bauen, um mit einem Teil des Profits das lokale Tierheim und andere Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen.

Ein Leben in #Angst – Normalität für #Frauen in #Indien ?

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Eine Frage, die häufig an unsere Kampagne herangetragen wird, ist: Gewalt gegen Frauen gibt es in allen Gesellschaften. Warum also sollen wir unser Augenmerk ausgerechnet auf Indien richten?

Wir möchten Ihnen hier Frauen aus den Großstädten Indiens vorstellen, die über die Angst berichten, mit der sie tagtäglich konfrontiert sind. Lesen Sie selbst und fragen sie sich:

Ist das normal? 

Ist das die Art, wie auch gebildete, berufstätige Frauen in London, New York, Singapur, ja selbst in Peking leben? 

Was sagt das aus über die Gewalt, mit der Frauen in Indien leben, die sie tolerieren und vor der sie häufig die Augen verschließen?

Sreemati Mukherjee (Hochschulstudentin):

this world belongs to women tooFrauen, die nach der Abenddämmerung unterwegs sind, sollten Sicherheitsvorkehrungen treffen. Es gibt so viele Vergewaltigungen und Belästigungen. Jeden zweiten Tag ist etwas in den Schlagzeilen. Deshalb regen meine Eltern sich richtig auf, wenn ich nicht wie vereinbart spätestens um 20 Uhr daheim bin. Dann rufen sie mich an, um sich zu vergewissern, dass ich in Sicherheit bin. Um die gegebene Situation zu verändern, hat meine Hochschule sich ein Aufklärungsprogramm zur Sicherheit von Frauen ausgedacht und Dresscodes für Studentinnen verhängt. Wenn wir noch spät in der Schule bleiben müssen, bestehen unsere Lehrer darauf, dass wir in Gruppen nach Hause gehen.

Tanya Choudhuri (Immobilienmaklerin):

Früher kam ich um Acht nach Hause. Aber jetzt muss ich früh zu Hause sein, weil mein Vater… sich große Sorgen macht, wenn es später wird. Die Zeitungen sind voll von Nachrichten über Frauen, die von Motorradgangs belästigt oder von Taxifahrern vergewaltigt werden. Er sagt, es sei auch egal, wenn ich mit fünf Frauen in unserer Fahrgemeinschaft unterwegs bin. Diese Gangs könnten uns ganz leicht überwältigen und die Polizei schaut weg. Es macht keinen Unterschied, dass unser Ministerpräsident eine Frau ist. Bislang war noch kein Politiker Vergewaltigungsopfern gegenüber besonders einfühlsam.

T.S. Ravikant (Führungskraft bei einem multinationalen Unternehmen):

Meine Tochter ist fünf Jahre alt und ich suche verzweifelt nach einem Job im Ausland. Indien ist kein Land für Frauen.

Vidya (Maschinenbaustudentin)

Ich habe es vermieden, mit ihm [dem Fahrer einer Auto-Riksha, der ihr persönliche Fragen stellte] zu reden. Als wir ankamen, sah ich, dass sein Reißverschluss geöffnet war!

Sromona Mukherjee (Studentin):

enough is enoughVon dem Moment an, an dem ich das Haus verlasse, muss ich meiner Umgebung gegenüber vorsichtig sein. Früher begann meine Sperrstunde um 21 Uhr, aber jetzt bestehen meine Eltern darauf, dass ich gegen 18 oder 19 Uhr nach  Hause komme. Das zeigt, wie besorgt sie immerzu sind. Kürzlich wurde eine Handy-App auf den Markt gebracht, die einem helfen soll, im Notfall Menschen zu erreichen, die in der Nähe sind. Ich denke, dass diese App sehr effektiv sein kann. Ein Pfefferspray mitzunehmen, kann ebenfalls helfen. Obwohl mein Institut bislang noch keine Sicherheitvorkehrungen getroffen hat, um sexueller Belästigung auf dem Universitätsgelände vorzubeugen, bin ich sicher, dass sie jetzt, wo die Gewalt in den Städten zunimmt, Maßnahmen ergreifen werden.

Alkananda Somayajula, (Studentin der Massenkommunikation):

Jedes Mädchen, das ich kenne, hat schon schreckliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung in den Straßen der Stadt durchgemacht. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch Furcht erregend. Eine Frau muss hundertmal nachdenken, wenn sie rausgehen will, nachdem es dunkel geworden ist. Ich wünschte nur, die Regierung würde etwas tun, um Sicherheit – nicht nur die von Frauen, sondern die aller ihrer Bürger – zu gewährleisten.

Paramita Bhattacharya (Universitätsstudentin):

Die jüngste Gruppenvergewaltigung einer 21-Jährigen war für uns alle ein regelrechter Schock. Seit ich studiere und die meiste Zeit alleine unterwegs bin, vermeide ich es, ein Taxi zu nehmen. Wenn ich keine andere Wahl habe, notiere ich mir das Kennzeichen. Außerdem vermeide ich nächtliche Unternehmungen mit Freunden und habe immer eine Notrufnummer im Handy gespeichert. Meine Eltern wurden immer besorgter, wenn ich spät draußen war. Sie haben mich angerufen, um sich zu vergewissern, dass ich unversehrt bin. Die vielen Vergewaltigungsfälle haben in meinem Institut zu einer neuen Form von Bewusstsein geführt. Wachen sind an den Toren aufgestellt. Unsere Lehrer ermahnen uns immer zur Vorsicht.

Tanya Sen (BPO Angestellte)

Ein Gefühl von Hilflosigkeit erfasst mich jeden Tag, wenn ich in der Nähe der U-Bahn auf Autorikshas warte und wenn ich alleine rausgehe. Meine Ausbildung, meine wirtschaftliche Unabhängigkeit, der Selbstverteidigungskurs und das Pfefferspray könnten vielleicht auch nicht helfen. Ich weiß, dass auch ich jederzeit ein Opfer werden kann.

Sangita B. (Angestellte):

Ich wurde geärgert, es wurden anzügliche Bemerkungen gemacht, einmal wurde meine Hand angegrapscht und ich wurde sogar schon bedroht. All das auf den Hauptstraßen an verschiedenen Stellen in der Stadt.

Nilesh P Kolapkar, (Geschäftsführerin einer Speisegaststätte im Großraum Mumbai):

Selbst in den belebten Stadteilen besuchen Frauen Restaurants oder Clubs nur in Begleitung von männlichen Freunden oder in großen Gruppen mit 5-6 Männern, anstatt wie früher zu zweit oder zu dritt. Ich habe zudem festgestellt, dass wenn solche Gruppen das Restaurant verlassen, die Frauen zuerst abgesetzt werden. Frauen, die Nachts alleine zum Restaurant fahren, sind definitiv weniger geworden. Außerdem gehen Mädchen, die in Gruppen kommen, spätestens um 22 Uhr oder 22:30 Uhr. Früher hätten sie bis nach Mitternacht hier herumgehangen.

Manali Basu, (Hochschulstudentin):

dont tell your daughter not to go outIch fühle mich hier nicht mehr sicher. Nichts hat sich geändert seit dem 16. Dezember 2012. Nichts ist dafür getan worden, dass sich Frauen in unserem Land sicherer fühlen können. Vorfälle von Belästigung, sexueller Belästigung und Vergewaltigung sind jeden Tag in den Schlagzeilen zu finden. Meine Eltern fühlen sich hilflos, wenn sie die Zeitungen lesen. Das erklärt, warum sie wollen, dass ich bei Sonnenuntergang zu Hause bin. Die Leute protestieren auf sozialen Netzwerken, organisieren Demonstrationen, benutzen schwarze Punkte…aber vermag all dies, Verbrechen zu verhindern? Wir können auch nicht zu Hause sitzen und die Männer verantwortlich machen! Es gibt keine Lösung. Eine Freundin von mir wurde einmal belästigt. Niemand half ihr. Mädchen sollten immer Schweizer Armeemesser und Pfefferspray bei sich tragen. Leider hat mein Institut keine Vorsichtsmaßnahmen ergrifen, um die Sicherheit der Studentinnen zu gewährleisten. Ich hoffe, das werden sie noch tun.

[Die obenstehenden Aussagen sind Auszüge von Aussagen, die in folgenden Medien publiziert wurden: The Times of India (Kalkutta), Business Economics, Indian Express (Bangalore), DNA, The Times of India (Hyderabad), Times of India (Mumbai).

ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe „Femizid in Indien“.

Indien: 18-jährige Deutsche in fahrendem Zug vergewaltigt

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Chennai, 15. Januar 2014
Eine 18-jährige Deutsche, die nach Chennai gekommen war, um für eine NGO (Nichtregierungsorganisiation) zu arbeiten, hat bei der Polizei Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet. Sie berichtet, dass sie in einem Zug, mit dem sie von Mangalore nach Chennai reiste, überfallen wurde, während sie schlief. Sie sagt, sie hatte zu große Angst davor, um Hilfe zu rufen und andere Passagiere zu alarmieren, die im selben Abteil schliefen. Drei Tage später wandte sie sich an die Polizei; bislang wurde ein Mann festgenommen. Weitere (englischsprachige) Informationen finden Sie hier:
https://hromedia.com/2014/01/15/india-man-arrested-allegedly-raping-a-german-teen-in-moving-train/

Wichtig!!! Bitte lesen und teilen Sie unsere
11 Sicherheitstipps für Frauen, die in Indien alleine leben oder reisen

Sind #Vergewaltigung und #sexuelle Nötigung am #Arbeitsplatz „interne“ Angelegenheiten?

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Diesen Monat wurde Indien erschüttert von zwei Anzeigen wegen sexueller Nötigung von Frauen, die für Institutionen arbeiten, die an vorderster Front für das Recht der Frau auf Sicherheit kämpfen.

Eine Rechtsanwältin, die während ihres letzten Jahres an der juristischen Fakultät als Praktikantin bei einem Richter des Obersten Gerichtshofs von Delhi tätig war, wurde von diesem sexuell genötigt. In einem Blogbeitrag schrieb sie: „Der letzte Dezember war bedeutsam für die Frauenbewegung im Land – es schien, als würde beinahe die komplette Bevölkerung spontan aufstehen gegen die Gewalt an Frauen und die Ungerechtigkeiten einer scheinbar gleichgültigen Regierung.
In der eigenartigen Situationsironie, mit der unsere Welt voll ist, waren die Proteste Kulisse meines eigenen Erlebens. Als Praktikantin während der Winterferien in meinem letzten Jahr an der Universität passierte ich zu dieser Zeit erschöpft Polizeiabsperrungen in Delhi, um einem renommierten, kürzlich pensionierten Richter des Obersten Gerichtshofs zu assistieren, für den ich schon in meinem vorletzten Semester gearbeitet hatte.  Der Lohn für meinen angebotenen Fleiß waren sexuelle Übergriffe (nicht körperlich verletzend, aber dennoch vergewaltigend) von einem Mann, der alt genug ist, um mein Großvater zu sein. Ich möchte nicht in die schmutzigen Details gehen. Es reicht, zu sagen, dass meine Erinnerung daran noch blieb, lange nachdem ich den Raum verlassen hatte, ja tatsächlich immer noch bei mir ist.” [Klicken Sie hier um ihren vollständigen Bericht zu lesen].

Der andere Vorfall betrifft Tehelka, verehrt als Indiens politisch radikalste, offenste Zeitschrift, die sich selbst für institutionelle Transparanz rühmt und dafür, dass sie für die Unterdrückten kämpft. Eine junge Journalistin von Tehelka hat den Gründer und Herausgeber Tarun Tejpal beschuldigt, sie bei einer Veranstaltung in Goa, die von der Zeitschrift organisiert wurde, zweimal sexuell genötigt zu haben. Details ihrer Beschwerde zufolge, die sie per Mail an die Redaktionsleiterin geschickt hatte und die an soziale Netzwerke durchgesickert war, scheint es, als sei dieser Vorfall nach der in diesem Jahr in Indien verabschiedeten neuen gesetzlichen Definition als Vergewaltigung einzustufen. Tejpal antwortet darauf, dass er sich als seine Form von Buße für 6 Monate von der Zeitschrift zurück gezogen hat. Seine leitende Redakteurin, Shoma Chaudhury, eine feministische Journalistin, die von Newsweek als eine der „150 women who shake the world“ (150 Frauen, die die Welt aufrütteln) aufgeführt wird, hat viele verärgert. Die Leute sehen es als Mittäterschaft, dass sie Tejpal und sein Unternehmen gedeckt hat. [Hier ist Tejpals Anschreiben.]

Als Antwort auf die Anzeige der Anwältin, hat der Oberste Gerichtshof eine Jury aus 3 Richtern zusammengestellt, die in der Angelegenheit ermitteln soll. Derselbe Richter hat auch schon andere Anwältinnen angegriffen. Tehelka will ebenfalls ein internes Komitee bilden, um das zu untersuchen, was Chaudhury als „interne Angelegenheit“ bezeichnet. Chaudhury besteht außerdem darauf, dass es sich hier nicht um ein Verbrechen handelt, obwohl das Schreiben der Angestellten ihr klar zu verstehen gibt, dass Tejpal diese mit Gewalt ausgezogen und ihr trotz ihres Protests seine Finger in die Vagina gezwungen hat, was nach indischem Gesetz eine klare Klassifizierung als Vergewaltigung darstellt.

Aber sind dies wirklich „interne Angelegenheiten“, die der Oberste Gerichtshof und eines von Indiens größten und mächtigsten Medienhäusern hinter geschlossenen Türen diskutieren, beurteilen und verwerfen kann?

Wie stehen die Chancen, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird? Und noch wichtiger: Wird dies für alle anderen Institutionen in Indien als Beispiel dienen dazu, wie man mit sexueller Nötigung umgeht?

Auszug eines Artikels von Shoma Choudhury zum Thema „Vergewaltigung in Indien“ vom Dezember 2012


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Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe Femizid in Indien“.

#Mitgift-Morde: 106.000 Frauen innerhalb eines Jahres lebendig verbrannt

Aus dem englischen Original übersetzt von Lakshmi Samira Goth


2009 veröffentlichte die renommierte medizinische Zeitschrift „The Lancet“ eine Studie, die Schockierendes enthüllte. Sie deckte auf, dass innerhalb von einem Jahr mindestens 106.000 Frauen in Indien in ihrem Zuhause durch Feuer ums Leben gekommen sind. Das bedeutet, dass alle fünf Minuten eine Frau bei lebendigem Leib verbrannt ist! 

burnt for dowry by ron harmon

Foto: Ron Harmon. Alle Rechte vorbehalten.

Diese Ergebnisse kamen zustande, indem man Krankenhausdaten zu Todesfällen durch Verbrennungen  zusammentrug. Die meisten der betroffenen Frauen waren verheiratet und 18-35 Jahre alt, gehörten also zu der Altersgruppe, in der verheiratete Frauen in Indien am ehesten Opfer von Mitgiftmorden durch ihre Ehemänner und ihre Schwiegerfamilie werden. Auch im Gespräch mit Angehörigen der Opfer stellten die Forscher fest, dass die meisten dieser Todesfälle unter verdächtigen Umständen geschahen.

Die Studie wies ferner darauf hin, dass die Polizei es ablehnte, Ermittlungen anzustellen und sich in den meisten Fällen sogar weigerte, eine Anzeige aufzunehmen, was bei mutmaßlichen Mitgiftmorden häufig vorkommt. Wie die Untersuchung des Lancet außerdem ergab, werden viele Frauen, die wegen der Mitgift umgebracht werden, verbrannt, weil diese Todesursache sich am einfachsten als Selbstmord oder „Küchenunfall“ inszenieren lässt.

Indira Jaisingh, eine hochkarätige Frauenrechtlerin und am Obersten Gerichtshof von Indien als Rechtsanwältin tätig, betonte zudem in einem Fernsehinterview, dass die meisten Fälle nie ins Krankenhaus- oder Strafregister eingehen. Somit sind selbst diese 106.000 Todesfälle durch Feuer pro Jahr eine vorsichtige Schätzung und die tatsächlichen Zahlen liegen wahrscheinlich viel höherJaisingh gab dabei auch zu bedenken, dass es viele weitere Arten gibt, wie Frauen wegen der Mitgift getötet werden, also lasse sich kaum einschätzen, wie viele tausend Frauen in Indien tatsächlich jedes Jahr wegen der Mitgift umgebracht werden.

Alljährlich werden Tausende von jungen Frauen in Indien von ihren Ehemännern und Schwiegereltern der Mitgift wegen erpresst und gefoltert. Das Brauchtum der Mitgift gibt es in Indien schon lange. Dabei wird von der Familie der Braut erwartet, dass sie der Familie des Bräutigams zum Zeitpunkt der Eheschließung eine bestimmte Summe an Geld oder Sachgütern bezahlt. 1961 wurde ein Gesetz verabschiedet (der Dowry Prohibition Act), das die Weitergabe und Annahme von Mitgift in Indien für illegal erklärte. Doch der Brauch besteht weiter. Die Mitgiftforderungen enden auch nicht mit der Zahlung einer einmaligen Summe bei der Hochzeit. Immer häufiger nehmen sie kein Ende und gehen noch Jahre nach der Eheschließung weiter. Dazu gehört auch, dass wiederholt Geld gefordert wird, Waren, Gold oder sogar größere Geldtransaktionen, z.B. für Häuser, Grundstücke oder für die Ausbildung eines Familienmitglieds im Ausland.

Häufig wird die Braut, wenn ihre Familie den Forderungen nicht mehr nachgibt, Opfer eines oft eiskalt geplanten Gruppenmords. Sie wird erhängt, erstochen, erschossen, ertränkt oder mit Benzin übergossen und angezündet. Letztere Methode ist so weit verbreitet, dass man diese Morde oft unpassend als „Brautverbrennungen“ bezeichnet.

Nachfolgend einige Zeitungsmeldungen über indische Frauen, die wegen der Mitgift ermordet wurden:

Balrampur, Uttar Pradesh, 01. Okt. 2012: Die zum Zeitpunkt des Vorfalls schwangere 21-jährige Gudda Devi war seit vier Jahren mit Jhinkan verheiratet und wurde ständig wegen mehr Mitgift schikaniert. Sie wurde von ihrem Ehemann und der Schwiegermutter bei lebendigem Leib verbrannt. Der vollständige Bericht

Lucknow, 28. Dez. 2012: Am Mittwoch um 03.00 Uhr früh wurde die 26-jährige Jahnvi von ihrem Ehemann Kamal Kishore, einem Milchmann, getötet. Er erschoss sie aus nächster Nähe und tötete sie auf der Stelle. Sechs Monate vorher musste Jahnvis Vater, ein Landwirt, einen Teil seines Landes verkaufen, um Kamal die Rs. 2 Lakh (€ 2.500) zu geben, die dieser als weitere Mitgift gefordert hatte, da Kamal nicht mit der Summe zufrieden war, die er vorher erhalten hatte. Jahnvis Vater gab an, dass seine Tochter gequält wurde und dass er deshalb sein Land verkaufte, um ihrem Ehemann das Geld zu geben. Doch nachdem er das Geld erhalten hatte, wollte Kamal nun ein Auto. Als er das Auto nicht bekam, erschoss er Jahnvi!  Der vollständige Bericht

Allahabad, Gujarat, 09. Nov. 2012: Sushila Gupta, die Rakesh Gupta im Jahre 2009 geheiratet hatte, beklagte sich oft bei ihren Eltern, dass ihr Ehemann und die Schwiegereltern sie misshandelten, weil sie mehr Mitgift wollten. Sie forderten ein Motorrad und Rs. 50.000 (€ 750) zusätzlich zu dem, was sie bereits an Mitgift erhalten hatten. Als sie keine weitere Mitgift bekamen, wurde Sushila mit ihrer 1½- jährigen Tochter in eine Kiste gesperrt und die Kiste wurde angezündet. Um sicher zu stellen, dass sie nicht entkommen konnte, verriegelten Mann und Schwiegereltern die Zimmertüre von außen. Bis die Nachbarn die Türe aufbrechen und versuchen konnten, Mutter und Tochter aus der Kiste zu befreien, waren sie verbrannt. Hier der Bericht

Surat, Gujarat, 06. Nov. 2012: Ihr Ehemann und ihre Schwiegereltern ließen die 27-jährige Puja verhungern, weil ihre Eltern nicht mehr Mitgift zahlen konnten. „Meiner Schwester ging es in den letzten Monaten durch den Hunger sehr schlecht und ihr sich immer weiter verschlechternder Gesundheitszustand führte schließlich zu ihrem Tod. Sie quälten sie wegen der Mitgift“ erklärte ihr Bruder in seiner Anzeige bei der Polizei.  Hier der vollständige Bericht

Hyderabad, Andhra Pradesh, 30. Jan. 2013: Shaikh Bibijan hatte Chinna Qasim 2005 geheiratet, einen Mann, von dem sie dachte, dass er sie liebt.  Doch Chinna begann, sie wegen der Mitgift zu schikanieren und zu misshandeln.  Bibijan kam seinen Geldforderungen mehrere Male nach, indem sie ihre alte Mutter darum bat.  Doch als die Forderungen nicht nachließen, verließ Bibijan Chinna und kehrte 2012 mit ihren beiden Kindern ins Haus der Mutter zurück. Sie versuchte bei der örtlichen Polizei eine Anzeige wegen Mitgift-Misshandlung zu machen, doch – wie es häufig der Fall ist – sie wurde von der Polizei ignoriert und man nahm keine Anzeige auf. Eines Abends erschien Chinna betrunken und aggressiv im Haus von Bibijans Eltern. Er griff seine Frau mit einem Schlachtermesser an und schlug ihr beide Arme ab. Bibijan hatte sich durch Näharbeiten ihren Lebensunterhalt verdient, was sie nun nicht mehr tun kann. Ihre Mutter ist sehr alt und arm und kämpft um Arbeit, um sich um ihre Tochter und ihre Enkel kümmern zu können, die oft hungern müssen. Und die Familie wartet noch immer auf Gerechtigkeit. Lesen Sie hier den Bericht.

Jaisalmer, Rajasthan, 10. August 2012:  Eine 21-Jährige, die drei Jahre lang wegen der Mitgift von ihrem Ehemann und der Schwiegermutter gequält worden war, wurde von den beiden angegriffen, mit Kerosin übergossen und angezündet. Sie erlag am späten Mittwoch Abend ihren Verletzungen im Krankenhaus. Vor ihrem Tod machte sie der Polizei gegenüber noch eine vollständige Aussage.  Hier der Bericht

Muzaffarnagar, 08. Juli 2012:  Asma, die mit Naeem verheiratet war, wurde von ihrem Ehemann und den Schwiegereltern zu Tode geprügelt, nachdem sie deren ständigen Forderungen nach mehr Mitgift nicht nachkommen konnte. Die Polizei nahm den Ehemann und seine Eltern fest. Lesen Sie hier den Bericht.

Noida, Haryana, 03. Juli 2012:  Jyoti, die vor zwei Jahren Gyanender aus der Gegend von Bisrakh geheiratet hatte und immer wieder wegen Mitgift drangsaliert worden war, wurde plötzlich krank und starb im Krankenhaus. Ihr Vater Rati Ram machte bei der Polizei eine Anzeige gegen ihren Ehemann und die Schwiegereltern und sagte, sie hätten Jyoti nicht nur ständig wegen der Mitgift gequält, sondern sie zudem auch vergiftet. Die Schwiegereltern sind derzeit flüchtig. Hier der Bericht

Ethah, Uttar Pradesh, 16. Juni 2012:  Eine verheiratete Frau Mitte 20 und ihre beiden Töchter (3 Jahre alt und 8 Monate alt) wurden von den Schwiegereltern der Frau angezündet und verbrannt.  Der Bruder der Frau gab an, dass die Schwiegerfamilie seit ihrer Hochzeit Mitgiftforderungen gestellt hatte. Lesen Sie hier den Bericht.

Kanpur, 22. Mai 2012:  Umesh Verma und drei andere Mitglieder seiner Familie, einschließlich der Mutter, wurden für den Mord an seiner Frau zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Umesh und seine Familie waren nicht mit der Mitgift zufrieden, die seine Frau Vidushi zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung erhalten hatte und forderten ein Auto. Sie quälten Vidushi physisch und psychisch. Am 8. Dezember 2010 schlugen Umesh und andere Familienmitglieder so lange auf Vidushi ein, bis sie starb.  Später hingen sie ihre Leiche in einem Zimmer des Hauses auf, um es nach einem Selbstmord aussehen zu lassen.  Lesen Sie hier den Bericht.

Kolkata, West Bengal, 09. April 2012:  Zusammen mit seinem Sohn, seiner Frau und seiner Tochter übergoss Raj Kumar Pandey, ein Polizei-Wachtmeister, seine 25-jährige Schwiegertochter Anuska mit Kerosin und zündete sie an, weil ihre Eltern nicht den Forderungen nach mehr Mitgift in Form von Gold und einem Motorrad nachkamen. Anuska starb im Krankenhaus. Hier der Bericht

Amritsar, Punjab, 07. April 2012:  Für viele Frauen in Indien ist es ein Albtraum, eine Tochter zur Welt zu bringen, denn dann fangen ihre Ehemänner und Schwiegereltern an, sie zu quälen. In vielen Fällen werden Frauen umgebracht, weil sie Töchter zur Welt bringen. [Hier der Nachrichtenartikel] Um dieser Art von Gewalt zu entgehen, töten Frauen ihre Töchter nach der Geburt oft selbst. [Lesen Sie hier den Nachrichtenartikel] Doch Jagroop Kaur aus Amritsar, die die ständigen Misshandlungen ihres Mannes wegen der Mitgift nicht länger ertragen konnte, zündete sich selbst und ihre 3-jährige Tochter an. Beide starben. Es kam zu keiner Verhaftung. Lesen Sie hier den Bericht.

Hyderabad, 06. April 2012:  Nazeer Khan ermordete seine beiden Töchter – die 8-jährige Shakirin und die 16-jährige Shajeeda –, damit er später keine Mitgift für sie zahlen muss. Khan erwürgte Shakirin und entledigte sich ihrer Leiche.  Shajeeda verabreichte er Schlaftabletten und legte ihren Körper auf die Eisenbahnschienen, wo sie von einem Zug überfahren und getötet wurde. Hier der Bericht

Orissa,  09. April 2012:  Ratnakar Behera aus Parang in Orissa erschoss seine Ehefrau Churni. Außerdem schoss er auf seine Schwiegermutter und verwundete diese schwer. 2007 hatte Behera Churni geheiratet und begann schon bald, sie zu misshandeln, weil er mehr Mitgift wollte. Sie zeigte ihn bei der Polizei an, verließ ihn schließlich und kehrte in ihr Elternhaus zurück. Behera besuchte seine Schwiegereltern und wollte Churni wieder mitnehmen, doch sie weigerte sich. Daraufhin eröffnete Behera das Feuer auf die Familie und tötete seine FrauLesen Sie hier den Bericht.

New Delhi, 24. November 2011:  Rekha Ranis Ehemann quälte sie zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter psychisch und physisch und bedrohte sie sogar mit dem Tod, um mehr Mitgift von Rekhas Eltern zu erpressen. Am 9. Mai 2011 erhielten Rekhas Eltern die Nachricht, dass sie sich erhängt habe. Die Eltern waren sofort der Ansicht, dass dieser „Selbstmord“ nur inszeniert war. Eine von Rekha Ranis Schwägerinnen, Seema Singhal, die zusammen mit anderen Familienmitgliedern verhaftet wurde und der man keine Kaution gewährte, war Lehrerin mit Jura-Abschluss. Lesen Sie hier den Bericht.

Herndon, Virginia, USA, 25. Juni 2004:  Divya, 21, wurde in drei Stücke gehackt, die dann in drei Koffer gepackt und in Herndon in der Nähe des Dulles International Airport in Virginia als Abfall entsorgt wurden. Divyas Eltern gaben an, sie sei von ihrem Mann, K. Praveen Kumar, wegen Mitgiftforderungen ermordet worden. Praveen gestand, Divya mit Kissen erstickt zu haben und ihre Leiche dann mit Axt, Säge und Schneidemaschine ausgeblutet und zerteilt zu haben. Hier der Bericht

Kanpur, Uttar Pradesh, 01. Oktober, 2011:  Die 25-jährige Neeru Verma, die im 6. Monat schwanger war, wurde im Distrikt Chakeri vom Ehemann und den Schwiegereltern der Mitgift wegen ermordet. Neerus Mann, Schwiegervater und Schwiegermutter verlangten von ihr, ein Motorrad, eine Waschmaschine und Geld aus dem Haus ihrer Eltern zu holen. Als Neeru sich weigerte, verletzten sie sie mit Ledergürteln, erdrosselten sie mit einem Nylonseil und hingen sie später an der Decke ihres Zimmers auf. Hier finden Sie den vollständigen Bericht.

Mumbai, 19. April 2011:  Komal Cheda, eine 31-jährige Bankmanagerin bei HDFC, einer der größten Banken in Asien, erhängte sich in Mumbai, nachdem sie wegen Mitgift von ihrem Ehemann und dessen Eltern psychisch und physisch gequält worden war. Ihr Vater gab an, dass Komals Tortur sofort nach der Heirat begann. Ihr Ehemann und ihre Schwiegereltern waren bankrott und forderten immer wieder Geld von Komal, damit sie ihre Schulden zurückzahlen konnten. „Komal gab sogar dem jüngeren Bruder [ihres Mannes] 2 Lakh Rupien (€ 2.500), damit er in den USA studieren kann“  Lesen Sie hier den Bericht.

Patna, 26. September 2011:  Amrita Kumari wurde am Mittwoch Abend von ihrem Ehemann und dessen Onkel in der Nähe der Gandhi-Setu-Brücke in Patna in den Fluss geworfen. Fischer am Rasalpur Ganga Ghat im Distrikt Samastipur, über 40 km flussabwärts, sahen ihren bewusstlosen Körper am nächsten Morgen vorbeitreiben und retteten sie. „Mein Ehemann, sein Onkel, meine Schwiegermutter und zwei Freunde der Familie fuhren abends mit mir im Auto zur Ganges-Brücke. Mein Mann und sein Freund packten mich an den Händen, während sein Onkel und dessen Freund meine Füße nahmen und mich in den Ganges warfen, wo ich sterben sollte erzählte Kumari am Samstag einem Richter. Lesen Sie hier den Bericht

ANSHU SINGH: 45 TAGE NACH IHRER HOCHZEIT GETÖTET

anshuAnshu Singh war eine intelligente, junge Frau, die von einer erfolgreichen Karriere und einem glücklichen Familienleben träumte. Doch sie wurde von ihrem Ehemann und den Schwiegereltern aufgrund deren Gier nach Mitgift nur 6 Wochen nach der Hochzeit getötet. Die „The 50 Million Missing Campaign“ unterstützt Anshu Singhs Vater, Girendra Singh, in seinem Kampf für Gerechtigkeit und wünscht der Familie Stärke und Mut, ihren Kampf fortzusetzen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan wurde.  Klicken Sie hier, um Anshu Singhs Geschichte zu lesen.




ROOPA: AUS GIER NACH MITGIFT ZUM TRINKEN VON SÄURE GEZWUNGEN

slide 11 Roopa's story

Foto: Rita Banerji

Roopa ist eine junge Frau, die von ihrer wohlhabenden, Land besitzenden Schwiegerfamilie unerbittlich wegen der Mitgift drangsaliert wurde. Als ihre Eltern sich weigerten, diese zu zahlen, hielten ihr Mann und seine Eltern sie fest und zwangen sie, Säure zu trinken. Als die „The 50 Million Missing Campaign“ von Roopas Fall erfuhr, wurde uns klar, dass sie schnellstmöglich eine Operation benötigte oder sterben würde. Ihre Eingeweide waren verbrannt und sie verhungerte langsam. Die Kampagne verfügt über keinerlei Geldmittel, daher baten wir zahllose kapitalkräftige Vereine, Organisationen, Regierungen in Indien und in anderen Ländern um Hilfe für sie. Doch die Zeit wurde knapp und Roopa benötigte eine sofortige Operation. Daher spendeten einige Mitglieder der Kampagne schließlich direkt und halfen ihren Eltern, die sehr arm waren und kein Geld hatten, ihre Krankenhausrechnungen zu bezahlen. Klicken Sie hier, um Roopas Geschichte zu lesen.

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ZU DEN FOTOGRAFEN
Die Fotos in diesem Beitrag wurden von Fotografen gemacht, die Mitglieder der „The 50 Million Missing Campaign“ sind.  2400 Fotografen aus der ganzen Welt unterstützen den
Fotopool der „The 50 Million Missing Campaign“ auf flickr. Weitere Arbeiten dieser Fotografen können Sie sehen, wenn Sie auf die Fotos klicken. Von dort werden Sie auf deren eigene Webseiten weitergeleitet.

ZUR ÜBERSETZERIN
Lakshmi Samira Goth hat ihre Magisterarbeit in Ethnologie über die Mitgift-Problematik in Indien geschrieben, ist mit einem Inder verheiratet und lebt in Indien und Deutschland. Sie ist professionelle Übersetzerin und beratende Lektorin der „The 50 Million Missing Campaign“. Ihre Homepage ist zu finden unter www.geckolingua.com

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