Sind Indiens Frauen noch auf dem Weg oder sind sie bereits am Bestimmungsort angekommen?

for ladies only busAus dem englischen Original von Manzar Samii
übersetzt von Alexander Ohnmeiß

Auf dem Bahnsteig von Chembur zieht es meine zwei Mitbewohnerinnen und mich in die Richtung aller übrigen wartenden Frauen in der Annahme, dass sie schon wissen werden, wo genau das für Frauen reservierte Zugabteil zum Halten kommen wird. Wir warten dort unbekümmert, nicht ängstlich, nicht besorgt, sondern einfach entspannt. Zum Teil ist dem so, weil wir so aufgeregt sind, endlich in Mumbai (ehem. Bombay) zu sein, aber hauptsächlich ist das so, weil wir wissen, dass sich keine Männer  gegen uns drücken und sich an uns reiben, während wir uns bereit machen, in den Zug zu steigen. Es erwarten uns auch keine Männer mit indiskreten Blicken und grabschenden Händen im vollbesetzten Zug selbst. Ja, wir sind locker und bleiben auch dann noch ruhig,  als wir in den langsam anfahrenden Zug geschubst und gestoßen werden. Sobald wir im Frauenabteil angekommen sind, gelten unsere einzigen Gedanken der Beobachtung anderer Leute, während sich unsere Blicke durch die offenstehenden Türen auf das Tollhaus von Mumbais Innenstadt richten.

Ein paar Haltestellen später steigt eine offensichtlich transsexuelle Person zu. Sie trägt einen leuchtend gelben Sari und als sie lächelt, entblößt sie ein fehlendes Paar Schneidezähne. Sie führt ein kleines Tänzchen auf und berührt uns dann alle am Kopf – vielleicht um unserer Fraulichkeit oder vermeintlichen Weiblichkeit einen Segen zu erteilen, vor allem aber, um denjenigen unter uns, Geld zu entlocken, die Non-Konformität abergläubisch genug gegenüber stehen. Fröhlich bahnt sie sich Ihren Weg durch das Zugabteil, um sich dann vermutlich im männlich dominierten Hauptteil des Zuges zu verschwinden. Sie ist die erste Person, die unseren speziellen Raum, dieses „nur für Frauen“, das uns Erleichterung und Behaglichkeit verschafft,  in Frage stellt. Der Wohlfühlcharakter ist so groß, dass ein paar Frauen sich sogar auf dem Boden ausgestreckt haben. Ein Teil von ihnen unterhält sich über den neuesten Tratsch, einige in Niqab gekleidete Frauen haben vorübergehend ihre Schleier gelüftet, um sich zu sortieren. Eine Mutter kämmt ihrer Tochter Läuse aus dem Haar und wir Übrigen lassen unsere Blicke aus den Fenstern oder im Abteil umherschweifen, um so die ungefilterten Eindrücke und Gerüche aus einer der meistbevölkerten Städte Indiens aufzunehmen. Wir lassen unsere Gedanken schweifen, denken aber nicht über die statischen Definitionen nach, denen wir uns in diesem Zugwagen voller verschiedener Facetten anpassen – wir hinterfragen uns selbst nicht.

ladies compartment train with sign

„Ich verspreche hiermit in allen Zugabteilen mitzureisen und nicht nur in denjenigen, die für Frauen reserviert sind. Ich will, dass die gesamte Stadt zu einem sicheren Ort für Frauen wird. ~ Safe City Pledge“

Beim nächsten Halt schlendert ein Junge ganz zwanglos durch das Abteil, er verkauft kleine Gebrauchsgegenstände, während eine mit Chillis und Limonen vollbeladene Frau sich vorübergehend in einer Ecke niederlässt. Wir blicken sie an, aber niemals zu lange. Wir zählen die Anzahl der verbleibenden Haltestellen und können nur immer wieder denken, wie wundervoll es doch ist, einen Wagen ganz allein für Frauen reserviert zu haben. Wir bemerken eine junge Frau, die wie wild ihr Handy beim SMS-Schreiben bearbeitet – alles mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht – und wir fragen uns, mit wem sie da wohl kommuniziert. Wir beobachten, wie sie in Cotton Green aus dem Zug aussteigt und mit einem jungen Mann zusammenkommt, der im selben Zug,  aber in einem anderen Abteil mitgefahren ist. Das finden wir dann niedlich, ja ganz reizend sogar. In diesem Moment entfällt uns, dass die öffentlichen Abteile eine so unangenehme Erfahrung darstellen, dass eine Frau diese nicht einmal zusammen mit ihrem Partner betreten will. Wir halten uns an den klebrigen Griffen fest und verwenden unsere Aufmerksamkeit darauf, wie zweckdienlich und kostengünstig die Eisenbahn für den alltäglichen Pendler ist.  Es macht uns nichts aus, wenn Frauen gegen uns stoßen oder uns mit vorurteilshaften oder neugierigen Blicken mustern. Das ist für uns eher eine willkommene Erfahrung.

Als dann ein homosexuelles Pärchen das Zugabteil betritt und sich in den Sitzen vor uns niederlässt, sind wir total begeistert. Wir nicken einander zu und denken „wie fortschrittlich“, ohne wirklich darüber nachzudenken, was dies innerhalb oder außerhalb unseres „Nur für Frauen“-Zugabteils bedeutet. Wir geben uns Mühe, uns all die verschiedenen Arten von Leuten zu merken, die wir auf unserem kurzen Trip sehen. Wir inhalieren das Gesehene ein, ja wir saugen es förmlich auf. Während der Zug parallel zu einer anderen Linie fährt, schauen wir uns die öffentlichen Abteile genau gegenüber an: Sie sind so zum Bersten mit Männern voll, dass viele sogar aus den Türen hängen und nach Luft ringen.

Wir fühlen uns so glücklich im Frauenabteil und empfinden fast schon Panik bei dem Gedanken, in einem der Abteile zu sein, die wir beobachten. Zu diesem Zeitpunkt realisieren wir nicht, dass unsere Position zugleich befreiend und einschränkend ist. Dieses Zugabteil symbolisiert Bevollmächtigung und Sicherheit, aber es spricht auch Bände über unsere soziale Lähmung. Wir sind so überfordert, dass man uns auf ein gesondertes Abteil beschränken muss, wir sind immer noch so reduziert durch Furcht und Erfahrungswerte, dass wir zu glauben beginnen, dieses gesonderte Zugabteil könnte einen Fortschritt repräsentieren. Tatsächlich aber erinnert es uns daran, dass es nur ein künstliches Gefühl von Sicherheit ist, durch das Fehlen der Männer und dass wir alle weiterhin in Stereotypen leben und diese folgerichtig nur weiter abspulen.

Mit einem Mal sind wir uns während der gesamten restlichen Fahrt überaus bewusst darüber, dass dieser Wohlfühlcharakter nur ein flüchtiger Moment ist, gewissermaßen eine fehlgeleitete Wahrnehmung und wie überaus ungerecht das ist. Es lässt all die Problematiken widerhallen, die in Gesprächen bei einem Chai, bei spätabendlichen Sparziergängen oder beim Öffnen der Zeitung immer wiederkehren. Anders ausgedrückt, es gaukelt Frauen ein Sicherheitsgefühl vor, aber die angebotene Sicherheit geht einher mit den sozialen Normen und Bestimmungen, die den Frauen seit jeher den Freiraum nehmen. Deshalb setzen auch wir diese problematischen Normen immer wieder ein und haben an ihnen teil – vielleicht haben wir manchmal keine andere Wahl.

only womenAn der nächsten Haltestelle steigt ein Soldat in Uniform zu, in den Händen hält er sein Gewehr, er beansprucht eine Ecke bei der Türe. Uns allen schaudert es vor seinem Autoritätsverständnis und seiner Einstellung, er stehe über den Dingen, die dieses Abteil definieren. Er zischt und richtet Befehle an Frauen, während sie am Bahnsteig ein- und aussteigen – von ihm geht eine ungehobelte Selbstsicherheit aus. Als wir dann am Mumbai-Hauptbahnhof ankommen, sind wir deutlich erleichtert, durch die gegenüberliegende Tür aussteigen zu können und sehr froh, keinen direkten Kontakt mit dem Soldaten zu haben.

Als wir uns wieder den Menschenmassen anschließen beobachten wir die Leute um uns herum. Strategisch platzieren wir unsere Arme in Positionen, die unsere Körper abschirmen. Wir werden berechnend.  Nach Ankunft am berüchtigten Marine Drive sehen wir zu, wie die Abendsonne im Meer versinkt und endlich fühlen wir uns am vorhergesehenen Bestimmungsort angekommen. Während wir so in Ruhe dasitzen, gerät die Reise an das Ufer in Vergessenheit. Schweigend sitzen wir dort und bewundern die Schönheit vor uns und nehmen uns selbst aus unserer Verantwortung heraus, all den Stereotypen, der Furcht und den falschen Auffassungen Folge zu leisten, die zu unseren Be- und Einschränkungen geführt haben. Dann trinken wir Eiscafé anstatt uns selbst für alle die problematischen Bereiche in unserem alltäglichen Leben verantwortlich zu machen. Wir denken bei uns, dass es ja gar keine andere Wahl gibt, schließlich haben wir das Rückfahrticket für den Zug schon bezahlt. Also lächeln wir über den Umstand, es rechtzeitig zum Sonnenuntergang geschafft zu haben und darüber, dass wir in der Dunkelheit bequem zurückfahren werden.

Werden #Frauen in #Indien bei den #Wahlen 2014 #NOTA wählen, um #Vergewaltiger und #Mörder aus der Regierung zu entfernen?

why are rapists sitting in parliamentAus dem englischen Original von Rita Banerji,
übersetzt und ergänzt von Samira Goth

Während in Indien vom 07. April bis 12. Mai 2014 gewählt wird, fordert die „The 50 Million Missing Campaign“ indische Frauen dazu auf, NOTA zu wählen, um eine Regierung herbeizuführen, die für Frauen sicher ist. NOTA ist eine Wahloption für indische Bürger, die erstmals bei einer Wahl zur Verfügung steht und „None of The Above“ (keinen der oben Genannten) bedeutet. Drückt ein Wähler den NOTA-Knopf, bringt er damit zum Ausdruck, dass er alle politischen Parteien und ihre Kandidaten ablehnt, die bei dieser Wahl antreten.

WARUM HAT DAS OBERSTE INDISCHE GERICHT DIE NOTA-OPTION EINGERICHTET?

Im Laufe der letzten 20 Jahre besteht immer größere Sorge darüber, dass es eine eskalierende Präsenz von Kriminellen in der indischen Regierung und den politischen Parteien gibt. Mit jeder Wahl erhöht sich dieser Zuwachs an Kriminellen. Bei derWahl von 2004 waren 24 % der Parlamentsabgeordneten (MPs) in laufende strafrechtliche Verfahren verwickelt. 

In der Wahl von 2009 war ihre Zahl bereits auf 30 % gestiegen. Die Mehrheit dieser Fälle dreht sich um ernstzunehmende Anklagen wie Vergewaltigung, Mord, Erpressung und andere Formen von Gewalt gegen Frauen wie Belästigungen, Stalking und mit Mitgift in Verbindung stehende Gewalt und/oderMord. Die Aufstellung krimineller Politiker nach Bundesstaat zeigt haarsträubende Statistiken. So werden z.B. aktuell gegen 50 % der MPs aus Jharkhand strafrechtliche Vorwürfe erhoben und gegen 48 % der MPs aus Maharashtra.

Kriminelle, die in de rindischen Regierung das Sagen haben, sind wenig geneigt, Gesetze anzuwenden, die Frauen und andere Bürger schützen. In der Tat besteht ein erheblicher politischer Druck und es wird enorm manövriert, damit Straftaten ungeahndet bleiben. Es ließ sich schon häufig beobachten, dass Vergewaltigung und andere Gewaltverbrechen gegen Frauen als politischer „Anreiz“ vom System fast „genossen“ werden.

Kürzlich versuchte das Oberste Gericht, Kriminelle aus der Regierung zu entfernen,  sah sich aber immensem Widerstand gegenüber. Die regierende Congress-Partei versuchte sogar, eine Verordnung durchzudrücken, um der Initiative des Obersten Gerichtes eine Abfuhr zu erteilen.

Die Einrichtung des NOTA-Knopfes als Wahloption für indische Bürger zeigt klar, wie hilflos der Oberste Indische Gerichtshof dabei ist, die Regierung von Straftaten und Straftätern zu befreien. In seiner Stellungnahme erklärte das Oberste Gericht: Wenn eine große Zahl von Wählern den NOTA-Knopf drückt, wird dies die politischen Parteien zwingen, bessere Kandidaten zu suchen.“

Der NOTA-Knopf ist leicht zu finden. Er ist der LETZTE Knopf auf der Kandidatenliste im elektronischen Abstimmungsgerät. Dort steht: „None of the Above – NOTA“.

WIESO SIND ALLE POLITISCHEN PARTEIEN FRAUENFEINDLICH?

  1. ALLE PARTEIEN REKRUTIEREN UNVERHOHLEN VERGEWALTIGER UND MÖRDER
    Jede einzelne Partei, die dieses Jahr zur Wahl antritt, hat
    eine Zunahme an Politikern mit kriminellem Hintergrund. Von den zwei größten Parteien haben 48 MPs von der Congress-Partei und 46 MPs von der BJP schwebende Verfahren laufen. Kleinere Parteien wie die Shiv Sena haben 8, doch wenn man bedenkt, dass sie nur 10 MPs haben, bedeutet dies, 80 % ihrer Politiker sind krimineller Vergehen angeklagt. Einer Mehrzahl von ihnen werden ernste Vergehen wie Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt.
  2. ALLE PARTEIEN ARBEITEN MIT FOREN ZUSAMMEN, DIE FRAUEN SYSTEMATISCH UNTERDRÜCKEN
    Zu diesen Foren gehören religiöse Organisationen und Anführer wie
    Asaram (jetzt verurteilt wegen einer Reihe von Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen von Mädchen), Ram Dev (der offen Methoden propagiert, Söhne statt Töchter zu zeugen) und moslemische Anführer (wie Maulana Taqueer Raza), die Fatwas gegen Frauen aussprechen, die sich gegen ihre fundamentalistischen, frauenfeindlichen Diktate wehren. Alle politischen Parteien bilden auch Allianzen mit Khap Panchayats (Dorfräten), die berüchtigt für das Abhalten von Scheingerichten sind, bei denen außergerichtliche Bestrafungen wie „Ehrenmorde“ und Massenvergewaltigungen erteilt werden.
  3. SPITZENPOLITIKER SIND FÜR FÄLLE ERNSTER INTERNATIONALER MENSCHENRECHTSVERGEHEN VERANTWORTLICH
    Die Anführer bzw. der Premierministerkandidat der beiden größten Parteien, Congress und BJP, sind auch verantwortlich für eine direkte Mitwirkung oder den Schutz der Verantwortlichen an systematischen Massakern und Massenvergewaltigungen von Minderheiten. 
    2002 gab es einen systematischen und geplanten Angriff auf Moslems im Gujarat, wobei Tausende getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Narendra Modi, der damals Ministerpräsident des Gujarat war und den man lange Zeit dafür verantwortlich machte, direkt sein geheimes Einverständnis zu diesen Taten von Leuten in seiner eigenen Regierung gegeben zu haben, ist der heutige Premierministerkandidat der BJP. Obgleich viele in Modis Regierung für schuldig befunden wurden, konnte man Modi trotz vieler Zeugenaussagen keine Beteiligung nachweisen. Ein ähnlicher, systematischer Angriff auf Sikhs fand 1984 in Delhi statt, als Tausende unter stillschweigendem Einverständnis getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Gandhis Schergen, die bekanntermaßen das Massaker und die Vergewaltigungen organisierten, werden bis heute von Sonia Gandhi, der Witwe Rajiv Gandhis, und dem aktuellen Führer der Congress-Partei geschützt. [Rajiv Gandhi war persönlich motiviert, da seine Mutter Indira Gandhi von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet worden war. Anm. d. Ü.] In der Tat belohnt Frau Gandhi diese Politiker sogar mit politischen Positionen und verschafft ihnen damit Macht. Menschenrechtsgruppen, deren Rechtsfälle wiederholt in indischen Gerichten blockiert wurden, versuchen nun über ein Gericht in New York, Sonia Gandhi wegen Behinderung der Justiz und Schutz von Verbrechern, die gegen die Menschenrechte verstoßen haben, verurteilen zu lassen.
  4. ALLE PARTEIEN NEHMEN OFFEN POLITIKER AUF, DIE UNGENIERT FRAUENRECHTE VERLETZEN
    Manche Parteispitzenfunktionäre wie Mamta Banerjee von der TMC-Partei sowie viele andere aus ihrer Partei haben
    Vergewaltigungsopfer wiederholt für die an ihnen begangenen Verbrechen verantwortlich gemacht. Der Bundesstaat ist mittlerweile die Nr. 1 in Vergewaltigungen und anderen Gewaltverbrechen gegen Frauen. Parteien wie die SP in Uttar Pradesh, einem Staat mit einer der höchsten Vergewaltigungsraten, haben sogar den Männern versprochen, die Vergewaltigungsgesetze zu „lockern“, falls sie diese Wahl gewinnen! Der Justizminister der neu gegründeten AAP-Partei führte einen Lynchmob zu den Wohnungen afrikanischer Frauen in Delhi und verletzte damit das Gesetz, für dessen Schutz er eintreten sollte, indem er von der Polizei gegen alle gesetzlichen Protokolle verlangte, die Frauen zu verhaften, weil man dem Mob eingeredet hatte, diese Frauen seien Prostituierte.

 WARUM ALLE INDISCHEN FRAUEN MIT„NOTA“ STIMMEN SOLLTEN

Indien ist heute das weltweit viertgefährlichste Land für Frauen. Doch da in den anderen drei Ländern Bürgerkrieg herrscht, macht dies Indien für Frauen zur gefährlichsten Demokratie der Welt.

Indien hat systematisch 20 % der Frauen durch unterschiedlichste Formen der Gewalt ausgelöscht. Das schlägt sich auch in einem geringeren Anteil an Wählerinnen nieder. Dies ist eine Botschaft an die Frauen Indiens, dass es für sie in diesem Land keinen Platz gibt.  Man erlaubt ihnen nicht einmal zu überleben! Es ist ein Genozid, der weltweit seinesgleichen sucht. 

Warum fanden die indischen Frauen bisher keine vereinte und starke Stimme und keinen Impuls,gegen diese völkermörderische Gewalt im gesamten Land zu protestieren und sich zu wehren?

Vielleicht weil indische Frauen so in ihren Identitäten von Region, Kaste, Klasse, Klan und Religion gefangen sind, dass sie den Blick auf ihre Identität als „Frauen“ verloren haben. Sind die indischen Frauen so verloren, dass sie nicht erkennen, wie die Gewalt, die sie durch Kindesmord, Mitgiftmord, Ehrenmorde und Vergewaltigungen ausmerzt, sie alle betrifft? 

Begreifen indische Frauen,dass keine andere Menschengruppe in Indien in diesem Maße durch Gewalt ausgelöscht wurde wie sie – die Frauen?

Vielleicht sind die politischen Parteien verantwortlich, weil sie Kaste, Klasse und Religion mit List und Tücke einsetzen, um Unfrieden zwischen den Menschen zu stiften. Vielleicht muss man es sogar den Liberalen Indiens anlasten, die die Menschenrechte einer Gruppe verteidigen, doch zur Verletzung der Menschenrechte einer anderen Gruppe schweigen und dadurch eine Trennung zwischen den Menschen schaffen.

Als Nobelpreisträger Amartya Sen sagte, er würde weder für BJP noch Modi stimmen, weil wir die moslemischen Minderheiten schützen müssen, hätte er auch betonen müssen, dass er nicht für Congress stimmen könne, weil wir unsere Sikh-Minderheiten schützen müssen. Stattdessen verteidigte er Sonia Gandhi! Wir müssen die Menschenrechte aller schützen, egal von wem! Als die Sozialaktivistin Arundhati Roy ihre Stimme gegen die Vergewaltigungen von moslemischen Frauen in Kashmir durch die indische Armee erhob,hätte sie auch etwas gegen die systematischen Vergewaltigungen und Morde an den in der Minderheit lebenden Hindus und Sikhs in Kashmir sagen müssen, die zu deren Massenabwanderung führte. Tatsächlich hätte sie sich auch gegen die Kontrolle der Taliban in Kashmir stark machen sollen, die ihre unterdrückerischen Diktate gegen Frauen immer mehr verstärken, sie zum Tragen von Schleiern zwingen und sie mit Säureangriffen bedrohen, falls sie Jeans tragen, singen, tanzen oder zur Schule gehen.  

Alle Frauen sind Menschen. Und als solche haben wir Menschenrechte. Es ist völlig unerheblich, welche Gruppe diese Rechte verletzt oder zu welcher Gruppe eine Frau gehört, deren Rechte verletzt werden. Die Unterdrückung einer Frau ist die Unterdrückung einer jeden Frau.

Als Frauen können wir uns es nicht leisten, dieser Gewalt und Ausrottung durch Indien und sein kriminelles Regierungssystem schweigend zuzusehen. Damit sich etwas ändert, müssen die Frauen Indiens sich vereinigen und mit EINER STIMME Sicherheit und Freiheit einfordern!  

DIE „THE 50 MILLION MISSING CAMPAIGN“ FORDERT ALLE INDISCHEN FRAUEN AUF, DEN NOTA-KNOPF ZU DRÜCKEN, WENN SIE ZUR WAHL GEHEN UND DEN POLITISCHEN PARTEIEN DAMIT ZU SIGNALISIEREN, DASS VERGEWALTIGER UND MÖRDER IN DER REGIERUNG NICHT LÄNGER TOLERIERT WERDEN!

ZUR ÜBERSETZERIN

Lakshmi Samira Goth hat ihre Magisterarbeit in Ethnologie über die Mitgift-Problematik in Indien geschrieben, ist mit einem Inder verheiratet und lebt in Indien und Deutschland.  Sie ist professionelle Übersetzerin und beratende Lektorin der „The 50 Million Missing Campaign”. Ihre Homepage ist zu finden unter www.geckolingua.com.

 

#Versuchskaninchen für Studien zu #Gebärmutterhalskrebs – 254 arme #Frauen starben in #Indien

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

guinea pigs

Yathart, ein Opfer von Medikamentenversuchen, mit seiner Mutter. Nach einer Impfung bekam er weiße Punkte auf dem Körper. Mail Today berichtet von illegalen Versuchen in Indore.


Versuchskaninchen

3.138 klinische Studien wurden zwischen 2006 und 2009 durchgeführt
806 Studien wurden in 2010 durchgeführt

122 Versuche wurden zwischen Januar Februar 2011 durchgeführt
1.727 anlässlich der Studien gemeldete Todesfälle zwischen 2006 und 2009
132 Todesfälle in 2007
288 Personen starben in 2008
637 Patienten starben i 2009
670 gemeldete Todesfälle in 2010

 

New Delhi,  20 April 2014

Der Tod von 254 armen Frauen aus indischen Dörfern und Slums, die an einer US-finanzierten klinischen Studie zu Gebärmutterhalskrebs teilgenommen hatten, führte zu heftigen Diskussionen über die ethische oder vielmehr unethische Art und Weise, wie klinische Studien in Indien aufgebaut werden. Die im Laufe der Studie gestorbenen Frauen waren Teil einer Kontrollgruppe, die ohne Screening blieb, um die Sterberate bei ungescreenter Bevölkerung zu testen.

Eine ähnliche Auseinandersetzung gab es bereits, als in denselben klinischen Studien im Jahr 2010 vier Mädchen im Teenageralter, die an der Testreihe zur Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV-Impfung) teilnahmen, gestorben waren. Die indische Regierung wurde beschuldigt, ihre Bürger den westlichen medizinischen Unternehmen zum Einsatz als Versuchskaninchen für gefährliche Impfstoffe zur Verfügung zu stellen. Die Probanden wurden aus der ärmsten Schicht Indiens gewählt, die nicht über ausreichende Bildung verfügt, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Für die von der Bill & Melinda Gates-Stiftung finanzierte und vom internationalen Gesundheitsverband PATH und dem indischen Council of Medical Research (ICMR) durchgeführte Studie wurden mehr als 23.000 Mädchen im Alter von 10-14 gegen HPV, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, geimpft. Die indische Regierung hatte behauptet, die Mädchen seien an anderen Ursachen gestorben, die nichts mit der Impfung zu tun gehabt hätten.

Dennoch wurde Anzeige erstattet beim US  Office for Human Research Protections (OHRP), wo festgestellt wurde, dass die Frauen nicht ausreichend informiert wurden und somit keine fundierte Einwilligung abgeben konnten.

Weitere Informationen in englischer Sprache erhalten Sie hier:

http://timesofindia.indiatimes.com/india/Row-over-clinical-trial-as-254-Indian-women-die/articleshow/34016785.cms

http://www.nature.com/news/2011/110622/full/474427a.html

http://www.australasianscience.com.au/article/issue-october-2013/care-and-consent-fraught-ethics-international-clinical-trials.html

http://www.bihardays.com/making-living-guinea-pig-india-clinical-trials-drug-companies/

Einen ergänzenden deutschen Artikel finden Sie hier:  Indische Frauen als „Versuchskaninchen“ – 254 starben

 

 

Indira Jaising: Was hindert indische Gerichte daran, Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?

indira jaisinghvon Indira Jaising
(Indiens stellvertretender Oberstaatsanwältin)

Hiermit protestiere ich aufs Heftigste gegen die Kommentare des Richters [Kirubakaran], mit denen er ausgedrückt hat, dass Frauen für die Verbrechen, die ihnen angetan wurden, selbst verantwortlich sind. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass Frauen, um zu vermeiden, vergewaltigt zu werden, besser zu Hause blieben.

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Lied für die #Freiheit indischer #Frauen

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

„Where the Mind is Without Fear“ ist ein bekanntes Gedicht, das der großartige indische Poet und Nobelpreisträger, Rabindranath Tagore, 1901 geschrieben hat, um Indiens Freiheitsbewegung zu inspirieren. Tagore glaubte, dass sich Indiens Kampf nicht nur gegen die britische Kolonialherrschaft richtete, sondern dass dieser Kampf für Freiheit und Demokratie für alle Einwohner auch im Inneren gekämpft werden müsse, gegen Indiens eigene soziale Strukturen und Kulturen.

In 20 Jahren werden 20% der Frauen aus Indien ausgelöscht sein, Opfer jeglicher Form von Frauenhass und Gewalt vor und nach der Geburt (Sehen Sie hier!).  Viel zu lange sind wir ruhig geblieben und haben diese Gewalt, die uns beigebracht wurde, ausgehalten. Viel zu lange haben wir den Bräuchen, der Kultur, der Religion, der Klasse, der Kaste und der Regierung erlaubt, uns in diesen Käfig aus Gewalt und Angst einzusperren! Es reicht!

Im Dezember 2012 zündete die brutale Gruppenvergewaltigung und der Mord an einer 23-jährigen Frau eine Zeitbombe. In Delhi starteten Proteste, die sich über ganz Indien ausdehnten. Die Regierung versuchte, die Proteste in Delhi mit brutaler Gewalt und schmutzigen Polizeimanövern zu unterdrücken und ist nach wie vor bestrebt, Bemühungen aus der Bevölkerung, sich gemeinsam für die Sicherheit von Frauen und Mädchen in Indien einzusetzen, abzublocken oder kleinzuhalten. Aber Tatsache ist – DIE REVOLUTION HAT BEREITS BEGONNEN! Und sie wird rücksichtslos voranschreiten!

The 50 Million Missing Campaign hat die Ehre, Ihnen unten die Hymne von Indiens zweitem Kampf für Freiheit und Demokratie zu präsentieren. Wir zeigen Ihnen eine Serie von Fotos der Proteste anlässlich der Gruppenvergewaltigung von Delhi, begleitet von Tagores Freiheitsgedicht. Die Fotos wurden beigesteuert von verschiedenen Fotografen aus dem flickr-Pool unserer Kampagne, der weltweit von mehr als 2.400 Fotografen unterstützt wird. Klicken Sie auf die einzelnen Fotos, um zur Seite des jeweiligen Fotografen zu gelangen. Um unsere Online-Fotoshow zu sehen, klicken Sie bitte hier.

WHERE THE MIND IS WITHOUT FEAR
Dort, wo der Geist frei von Angst ist

Delhi Gang-rape protest pictures (2)

AND THE HEAD IS HELD HIGH;
und das Haupt hoch erhoben;

Delhi Gang-rape protest pictures (8)

WHERE KNOWLEDGE IS FREE;
Dort, wo Wissen frei ist;

Delhi Gang-rape protest pictures (1)

WHERE THE WORLD HAS NOT BEEN BROKEN UP INTO FRAGMENTS
Dort, wo die Welt nicht in Einzelteile zerbrochen wurde

The Mass Message

BY NARROW DOMESTIC WALLS;
durch beschränkende häusliche Mauern;

India Rape Protest - 29122012

WHERE WORDS COME OUT
Dort, wo Worte kommen

Protest Rally against Delhi gang rape

FROM THE DEPTH OF TRUTH;
aus den Tiefen der Wahrheit;

Delhi Gang-rape protest pictures (34)

WHERE TIRELESS STRIVING
Dort, wo unermüdliches Streben

WomenPower

STRETCHES ITS ARMS
seine Arme ausstreckt

India Rape Protest - 29122012

TOWARDS PERFECTION;
zur Perfektion;

India Rape Protest - 29122012

WHERE THE CLEAR STREAM OF REASON
Dort, wo der klare Strom der Vernunft

India Rape Protest - 29122012

HAS NOT LOST ITS WAY
sich nicht verirrt hat

India Rape Protest - 29122012

INTO THE DREARY DESERT SAND OF DEAD HABITS;
in die trostlose Wüste toter Gewohnheiten;

India Rape Protest - 29122012

WHERE THE MIND IS LED FORWARD
Dort, wo der Geist nach vorne strebt

Delhi Gang-rape protest pictures (22)

INTO EVER WIDENING THOUGHT AND ACTION;
in sich stetig weitende Gedanken und Handlungen;

Delhi Gang-rape protest pictures (4)

INTO THAT HEAVEN
In diesem Himmel

Delhi Gang-rape protest pictures (1)

OF FREEDOM,
der Freiheit

Delhi Gang-rape protest pictures (26)

LET MY COUNTRY AWAKE!
lass mein Land erwachen!

Delhi Gang-rape protest pictures (9)

BEENDEN SIE DIESE BRUTALE GEWALT AN FRAUEN IN INDIEN.

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE PETITIONEN!

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ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe „Femizid in Indien“.

Wenn Scheidung für eine #indische #Frau Freiheit statt Schande bedeutet

 

arth posterVon Mallika Sharma
Aus dem englischen
Original übersetzt von Jacqueline Knorr

„Arth“ heißt „Bedeutung“ und der Film, der sich um das Leben des Ehepaares Inder und Pooja dreht, versucht, die Bedeutung ihrer Ehe im Zusammenhang mit ihren individuellen Bedürfnissen und Persönlichkeiten zu untersuchen. Dieser Film aus dem Jahr 1982 von Regisseur Mahesh Bhatt ist wahscheinlich einer der wenigen indischen Filme, der einen solchen introspektiven Einblick in die Ehe und die Individuen, aus der sie besteht, wagt. Ich denke, es ist eines der besten Werke von Bhatt.

Der sich stetig abmühende Filmemacher Inder hat eine außereheliche Affäre mit der etablierten Schauspielerin Kavita. Inders Frau Pooja ist Hausfrau. Ein kleines Haus zu besitzen ist alles, was sie für ihren Mann und sich möchte. Sie bedrängt Inder, eine Möglichkeit zu finden, um aus der Mietwohnung ausziehen zu können. Die an Schizophrenie leidende Kavita ist launisch und unsicher und extrem besitzergreifend gegenüber Inder. Mit Kavitas Hilfe schafft es Inder, ein Haus für Pooja zu kaufen. Als Gegenleistung verspricht er Kavita, sich bald von seiner Frau scheiden zu lassen.Pooja jedoch wurde glaubhaft gemacht, dass Inder einen großen Filmauftrag an Land gezogen und mit dem Vorschuss das Haus anbezahlt habe. Sie ist überglücklich und begeistert und beginnt eifrig, ihr neues Zuhause einzurichten. Nachdem ihr Traum nach 7 langen Jahren wahr wird, hat sie endlich das Gefühl, angekommen zu sein und dass jetzt alles gut wird. Aber ihre Freude ist nur von kurzer Dauer, denn sie findet bald heraus, das Inder eine Affäre mit Kavita hat.

mass weddingPooja fleht Inder an, Kavita zu vergessen und verspricht ihm einen Neuanfang. Allerdings steckt Inder inzwischen knietief in einer Beziehung mit Kavita. Er schaltet für Poojas ergreifendes Flehen auf taube Ohren und läßt sie im Stich. Zum Abschied erteilt er ihr die Erlaubnis, im neuen Haus bleiben zu dürfen. Pooja verbringt einige Tage in Unglauben und Selbstverleugnung und kämpft hart, um sich mit der schmerzhaften Realität abzufinden. Nachdem sie die meiste Zeit ihres Lebens als Inders Schatten gelebt hat, kann sie sich nicht vorstellen, ohne seine Unterstützung zu leben. Schließlich reißt sie sich zusammen und zieht aus dem Haus aus. Von da an beginnt sie ihre Reise als eine unabhängige Frau, welches der Höhepunkt des Films ist.

Pooja findet einen Job und eine Unterkunft für sich und ist zum ersten Mal mit der „großen, bösen Welt“ konfrontiert. Irgendwann schafft sie es, Fuß zu fassen und lernt einen tollen Typen namens ‚Raj‘ kennen. Raj hilft Pooja mit seiner optimistischen Art und seinem heiteren Gemüt, sich langsam von den Leiden ihrer Ehe zu erholen. Gerade als Pooja in Bezug auf ihre Arbeit und ihre neu gewonnene Freundschaft mit Raj auf einem neuen Höhepunkt ihres Lebens ist, steht Inder mit den Scheidungspapieren vor der Türe. Dieser letzte Stoß befreit Pooja weiter und hilft ihr in ihrer neu gewonnenen Selbstständigkeit anzukommen. Schließlich wird Inder von Kavita verlassen. Hilflos und reuemütig geht er zu Pooja zurück und bittet um Vergebung. Pooja ist nicht mehr verbittert und sie braucht Inder nicht mehr. Was folgt, ist die wunderschöne und beispielhafte Darstellung von Würde, Überzeugung und mentaler Stärke einer Frau.

Indian-women-Bharat-India-Wallpaper- ProudPoojas erfolglose Ehe wird zum Sprungbrett für die Realisierung ihres „Selbst“. Sie nimmt ihre erschütternde Erfahrung als positiven Schritt und findet schließlich ihre eigene Identität. Sie lehnt den Heiratsantrag des sehr willigen Raj ab und überwindet damit alle Schranken weiblicher Machtlosigkeit.

Im Indien der 80er Jahre war Scheidung immer noch ein Tabu und wurde herablassend betrachtet. Unter dem sozialen Druck der Gesellschaft, ihre Ehe und die sogenannte „Familienehre“ intakt zu halten, mußten Frauen Belästigungen, Gewalt, Demütigung und vieles mehr ertragen. Viele Frauen hatten so wie Pooja untreue Ehemänner und blieben trotzdem in ihren Ehen, weil sie finanziell von ihren Ehemännern abhängig waren.

Sicherlich zerstört dieser bahnbrechende Film das Bild, dass eine Scheidung mit Schmach verbunden ist und ermutigt jede indische Frau, ihre Individualität zu schätzen und sie sich zu bewahren. Er legt auch die die Bedeutung der Eigenständigkeit von Frauen dar und macht ihnen Mut, auf eigenen Füßen zu stehen, so dass sie größere Wahl- und Handlungsfreiheit haben. Dieser Film ermutigt hoffentlich jede Pooja, mit ähnlichen Vorurteilen und Stereotypen zu brechen und die wahre „arth“ (Bedeutung) des Lebens zu entdecken, ohne jemals Gefühl zu haben, die Unterstützung eines Mannes zu benötigen.

© „The 50 Million Missing Campaign“. Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZUR AUTORIN

Mallika Sharma hat einen Abschluss im Bereich Finanzen und Investitionen von der Universität Edinburgh in Schottland. Derzeit leitet sie das von ihrer Familie geführte Exportunternehmen. Sie ist begeisterte Reisende und unersättliche Leserin. Sie spielt Tennis und lernt Klavierspielen. Sie mag es, über viele Fragen aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive zu schreiben. Sie blogt auf http://mallikasharma3489.blogspot.in/

ZUR ÜBERSETZERIN
Jacqueline Knorr ist vor 9 Jahen von Berlin in die Karibik ausgewandert und ist heute eine freischaffende Stewardess auf privaten Jachten in der Karibik und in Europa. Momentan ist sie unter anderem damit beschäftigt, ein schwimmendes Gästehaus auf St. Maarten zu bauen, um mit einem Teil des Profits das lokale Tierheim und andere Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen.

Ein Leben in #Angst – Normalität für #Frauen in #Indien ?

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Eine Frage, die häufig an unsere Kampagne herangetragen wird, ist: Gewalt gegen Frauen gibt es in allen Gesellschaften. Warum also sollen wir unser Augenmerk ausgerechnet auf Indien richten?

Wir möchten Ihnen hier Frauen aus den Großstädten Indiens vorstellen, die über die Angst berichten, mit der sie tagtäglich konfrontiert sind. Lesen Sie selbst und fragen sie sich:

Ist das normal? 

Ist das die Art, wie auch gebildete, berufstätige Frauen in London, New York, Singapur, ja selbst in Peking leben? 

Was sagt das aus über die Gewalt, mit der Frauen in Indien leben, die sie tolerieren und vor der sie häufig die Augen verschließen?

Sreemati Mukherjee (Hochschulstudentin):

this world belongs to women tooFrauen, die nach der Abenddämmerung unterwegs sind, sollten Sicherheitsvorkehrungen treffen. Es gibt so viele Vergewaltigungen und Belästigungen. Jeden zweiten Tag ist etwas in den Schlagzeilen. Deshalb regen meine Eltern sich richtig auf, wenn ich nicht wie vereinbart spätestens um 20 Uhr daheim bin. Dann rufen sie mich an, um sich zu vergewissern, dass ich in Sicherheit bin. Um die gegebene Situation zu verändern, hat meine Hochschule sich ein Aufklärungsprogramm zur Sicherheit von Frauen ausgedacht und Dresscodes für Studentinnen verhängt. Wenn wir noch spät in der Schule bleiben müssen, bestehen unsere Lehrer darauf, dass wir in Gruppen nach Hause gehen.

Tanya Choudhuri (Immobilienmaklerin):

Früher kam ich um Acht nach Hause. Aber jetzt muss ich früh zu Hause sein, weil mein Vater… sich große Sorgen macht, wenn es später wird. Die Zeitungen sind voll von Nachrichten über Frauen, die von Motorradgangs belästigt oder von Taxifahrern vergewaltigt werden. Er sagt, es sei auch egal, wenn ich mit fünf Frauen in unserer Fahrgemeinschaft unterwegs bin. Diese Gangs könnten uns ganz leicht überwältigen und die Polizei schaut weg. Es macht keinen Unterschied, dass unser Ministerpräsident eine Frau ist. Bislang war noch kein Politiker Vergewaltigungsopfern gegenüber besonders einfühlsam.

T.S. Ravikant (Führungskraft bei einem multinationalen Unternehmen):

Meine Tochter ist fünf Jahre alt und ich suche verzweifelt nach einem Job im Ausland. Indien ist kein Land für Frauen.

Vidya (Maschinenbaustudentin)

Ich habe es vermieden, mit ihm [dem Fahrer einer Auto-Riksha, der ihr persönliche Fragen stellte] zu reden. Als wir ankamen, sah ich, dass sein Reißverschluss geöffnet war!

Sromona Mukherjee (Studentin):

enough is enoughVon dem Moment an, an dem ich das Haus verlasse, muss ich meiner Umgebung gegenüber vorsichtig sein. Früher begann meine Sperrstunde um 21 Uhr, aber jetzt bestehen meine Eltern darauf, dass ich gegen 18 oder 19 Uhr nach  Hause komme. Das zeigt, wie besorgt sie immerzu sind. Kürzlich wurde eine Handy-App auf den Markt gebracht, die einem helfen soll, im Notfall Menschen zu erreichen, die in der Nähe sind. Ich denke, dass diese App sehr effektiv sein kann. Ein Pfefferspray mitzunehmen, kann ebenfalls helfen. Obwohl mein Institut bislang noch keine Sicherheitvorkehrungen getroffen hat, um sexueller Belästigung auf dem Universitätsgelände vorzubeugen, bin ich sicher, dass sie jetzt, wo die Gewalt in den Städten zunimmt, Maßnahmen ergreifen werden.

Alkananda Somayajula, (Studentin der Massenkommunikation):

Jedes Mädchen, das ich kenne, hat schon schreckliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung in den Straßen der Stadt durchgemacht. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch Furcht erregend. Eine Frau muss hundertmal nachdenken, wenn sie rausgehen will, nachdem es dunkel geworden ist. Ich wünschte nur, die Regierung würde etwas tun, um Sicherheit – nicht nur die von Frauen, sondern die aller ihrer Bürger – zu gewährleisten.

Paramita Bhattacharya (Universitätsstudentin):

Die jüngste Gruppenvergewaltigung einer 21-Jährigen war für uns alle ein regelrechter Schock. Seit ich studiere und die meiste Zeit alleine unterwegs bin, vermeide ich es, ein Taxi zu nehmen. Wenn ich keine andere Wahl habe, notiere ich mir das Kennzeichen. Außerdem vermeide ich nächtliche Unternehmungen mit Freunden und habe immer eine Notrufnummer im Handy gespeichert. Meine Eltern wurden immer besorgter, wenn ich spät draußen war. Sie haben mich angerufen, um sich zu vergewissern, dass ich unversehrt bin. Die vielen Vergewaltigungsfälle haben in meinem Institut zu einer neuen Form von Bewusstsein geführt. Wachen sind an den Toren aufgestellt. Unsere Lehrer ermahnen uns immer zur Vorsicht.

Tanya Sen (BPO Angestellte)

Ein Gefühl von Hilflosigkeit erfasst mich jeden Tag, wenn ich in der Nähe der U-Bahn auf Autorikshas warte und wenn ich alleine rausgehe. Meine Ausbildung, meine wirtschaftliche Unabhängigkeit, der Selbstverteidigungskurs und das Pfefferspray könnten vielleicht auch nicht helfen. Ich weiß, dass auch ich jederzeit ein Opfer werden kann.

Sangita B. (Angestellte):

Ich wurde geärgert, es wurden anzügliche Bemerkungen gemacht, einmal wurde meine Hand angegrapscht und ich wurde sogar schon bedroht. All das auf den Hauptstraßen an verschiedenen Stellen in der Stadt.

Nilesh P Kolapkar, (Geschäftsführerin einer Speisegaststätte im Großraum Mumbai):

Selbst in den belebten Stadteilen besuchen Frauen Restaurants oder Clubs nur in Begleitung von männlichen Freunden oder in großen Gruppen mit 5-6 Männern, anstatt wie früher zu zweit oder zu dritt. Ich habe zudem festgestellt, dass wenn solche Gruppen das Restaurant verlassen, die Frauen zuerst abgesetzt werden. Frauen, die Nachts alleine zum Restaurant fahren, sind definitiv weniger geworden. Außerdem gehen Mädchen, die in Gruppen kommen, spätestens um 22 Uhr oder 22:30 Uhr. Früher hätten sie bis nach Mitternacht hier herumgehangen.

Manali Basu, (Hochschulstudentin):

dont tell your daughter not to go outIch fühle mich hier nicht mehr sicher. Nichts hat sich geändert seit dem 16. Dezember 2012. Nichts ist dafür getan worden, dass sich Frauen in unserem Land sicherer fühlen können. Vorfälle von Belästigung, sexueller Belästigung und Vergewaltigung sind jeden Tag in den Schlagzeilen zu finden. Meine Eltern fühlen sich hilflos, wenn sie die Zeitungen lesen. Das erklärt, warum sie wollen, dass ich bei Sonnenuntergang zu Hause bin. Die Leute protestieren auf sozialen Netzwerken, organisieren Demonstrationen, benutzen schwarze Punkte…aber vermag all dies, Verbrechen zu verhindern? Wir können auch nicht zu Hause sitzen und die Männer verantwortlich machen! Es gibt keine Lösung. Eine Freundin von mir wurde einmal belästigt. Niemand half ihr. Mädchen sollten immer Schweizer Armeemesser und Pfefferspray bei sich tragen. Leider hat mein Institut keine Vorsichtsmaßnahmen ergrifen, um die Sicherheit der Studentinnen zu gewährleisten. Ich hoffe, das werden sie noch tun.

[Die obenstehenden Aussagen sind Auszüge von Aussagen, die in folgenden Medien publiziert wurden: The Times of India (Kalkutta), Business Economics, Indian Express (Bangalore), DNA, The Times of India (Hyderabad), Times of India (Mumbai).

ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe „Femizid in Indien“.

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