Teenagermädchen vergewaltigt und erhängt

Der Baum, an dem die Mädchen aufgehängt wurden

Der Baum, an dem die Mädchen aufgehängt wurden

Zwei Teenagermädchen, die in die Felder in der Nähe ihres Dorfes Badayun gegangen sind, wurden von vermutlich 5 Männern vergewaltigt, zwei von ihnen Polizeibeamte. Anschließend wurden sie getötet und an einem Baum aufgehängt. Die Polzei hatte sich geweigert der Famlie bei der Suche nach den Mädchen behilflich zu sein und sie statt dessen direkt dorthin geschickt, wo die Mädchen zu finden sein könnten. Die Mädchen gehören zur untersten Kaste, den Dalit, während die Vergewaltiger einer der höheren Kasten, den Yadav angehören.

Es wird vermutet, dass es sich um ein kastenbasiertes Hassverbrechen handelt. Andere glauben, dass es ein Racheakt gegen das Dorf ist, weil dieses gegen die regierende Partei gestimmt hatte.

Weiterführende deutschsprachige Informationen: http://netzfrauen.org/?p=13617

Überlebende der Suryanelli-Gruppenvergewaltigung: Hätte ich mehr Unterstützung erhalten, wenn ich gestorben wäre?

Aus dem englischen Original übersetzt von Carmen Berelson

Im Januar 1996 wurde ein Schulmädchen gekidnappt, gefangen gehalten und 40 Tage lang von 42 Männern vergewaltigt und misshandelt. 16 Jahre später wartet sie immer noch auf Gerechtigkeit. Nach indischem Gesetz dürfen Vergewaltigungsopfer nicht namentlich genannt werden, weshalb sie als das „Suryanelli-Mädchen“ bekannt wurde. Klicken Sie hier, um die Geschichte über ihren Kampf um Gerechtigkeit zu lesen.

Nachdem das Opfer der Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Delhi seinen Verletzungen erlag, haben eine Reihe von Frauen, die brutale Gruppenvergewaltigungen überlebt haben, dieselbe Frage gestellt: Hätten sie mehr öffentliche Sympathie erhalten, wenn auch sie nach der Vergewaltigung ermordet worden wären? Warum erhalten Frauen, die in Indien brutale Gruppenvergewaltigungen überleben und gegen ein korruptes Polizei- und Justizsystem ankämpfen, nicht denselben Beistand durch die Öffentlichkeit in Indien und in aller Welt, selbst wenn ihre Fälle so spektakulär sind wie der Suryanelli- und der Park Street-Fall? Warum steht ihnen niemand bei, wenn sie trotz der Bedrohung durch das Strafsystem und durch gesellschaftliche Stigmatisierung ihren Kampf fortsetzen?

Nachstehend stellt das Suryanelli-Opfer diese Frage mit ihren eigenen Worten:

suryanelli facelessSie lernen meinen Namen wahrscheinlich nie kennen. Bis zu meinem Tod bin ich dazu verdammt, mit diesem Makel zu leben, von dem ich mich nicht befreien kann. Ich bin das Suryanelli-Mädchen.

In den vergangenen 17 Jahren habe ich für Gerechtigkeit gekämpft, während ich von einigen als Kinderprostituierte und von anderen als Opfer bezeichnet wurde. Aber niemand hat mich jemals Nirbhaya oder Amanat (Kostbarkeit) genannt [wie das beim Opfer der Gruppenvergewaltigung in Delhi der Fall war]. Ich werde nie der Stolz des Landes sein oder das Gesicht von Frauen, denen Unrecht getan wurde. Ich bin nicht mehr das 16jährige Schulmädchen, das sich im Bann ihrer ersten Liebe befand und ihr Leben verlor.

Ich bin jetzt 33 Jahre alt und kämpfe immer noch mit denselben Albträumen. Meine Welt besteht aus einer grauen, gewundenen und langen Straße, die sich von meinem Haus zur Kirche und zum Büro hinzieht.

Die Menschen neigen dazu, spöttisch zu grinsen, wenn ich über die 40 Tage spreche, in denen ich zu einem weiblichen Körper gemacht wurde, der nach Lust und Laune benutzt werden konnte, wie ein Stück Vieh verkauft, in verschiedenen Teilen des Staates in dunklen Zimmern festgehalten, Tag und Nacht vergewaltigt und geschlagen. Ich werde gefragt, wie ich mich an alles erinnern kann? Ich frage mich, wie ich es jemals vergessen könnte. Jede Nacht sinke ich in einen unruhigen Schlaf, in dem sich diese Tage wieder und wieder vor meinen Augen abspielen und ich in einem dunkeln, unergründlichen Loch mit schmierigen Männern und bösartigen Frauen aufwache.

Mein Trauma endete nicht damit, dass sie mich in der Nähe meines Hauses wegwarfen, als ich dem Tode nah war. Meine Familie stand mir bei. Ich habe den Fall gemeldet, weil ich der Meinung war, dass dies keinem anderen Mädchen passieren sollte. Ich dachte, ich tue das Richtige, aber die darauf folgenden Ereignisse haben meinen Glauben erschüttert. Das Untersuchungsteam hat mich im ganzen Staat herumgezeigt, mich unzählige Male um die Beschreibung dessen gebeten, was mir zugefügt wurde. Sie machten mir klar, dass es nicht einfach ist, eine Frau zu sein, ob als Opfer oder Überlebende.

Ich bin erleichtert, dass das Mädchen in Delhi gestorben ist. Anderenfalls wären ihr dieselben gezielten, mit Pornografie gespickten Fragen gestellt worden. Sie wäre gezwungen worden, unzählige Fragen nach dem Warum zu beantworten und sie hätte damit leben müssen, dass sie sich vor ihrem eigenen Schatten fürchtet und keine Freunde hat.

Auch ich habe keine Freunde. Im Büro will niemand mit mir sprechen. Meine Eltern und meine Schwester, die in Karnataka arbeitet, sind die einzigen, die meine Stimme hören. Sicher, es gibt Anwälte, Leute von den Medien und soziale Aktivisten. Inzwischen lese ich auch viel, momentan „Aarachar“ (Der Henker) von K R Meera.

Außer meiner Familie weiß niemand, dass ich mir wegen meiner gesundheitlichen Probleme und meiner ständigen Kopfschmerzen Sorgen mache – ein Überbleibsel aus den 40 Tagen, in denen ein Tritt gegen den Kopf zu den Misshandlungen gehörte, denen ich ausgesetzt war. Mein Arzt meinte, ich sollte nicht so gestresst sein, was ich wirklich amüsant fand. Ich habe auch zugenommen. Ich wiege fast 90 kg. Als ich neun Monate lang von meiner Arbeit suspendiert war, verbrachte ich einen Großteil meiner Tage im Bett und die Kilos häuften sich. Jetzt treibe ich ein bißchen Sport. Vollständige Heilung ist ein weiterer Traum, ein weiteres Gebet, das mich am Leben hält.

Mein Glaube an den Allmächtigen, daran, dass sich alles zum Guten wenden wird, ist nach wie vor vorhanden. Jeden Morgen und jeden Abend bete ich, und ich hadere nicht mit meinem Schicksal. Ich vertraue ihm – selbst damals, als ich kaum meine Augen öffnen konnte und beinahe nicht überlebt hätte, habe ich gebetet. Ich gehöre der Lateinischen Kirche an – der größten, zur Katholischen Kirche gehörenden Teilkirche, aber in all den 17 Jahren wurde in keiner Kirche auch nur ein einziges Gebet für mich gesprochen. Keine Rosenkränze begleiteten das Ave Maria und es kamen keine Engel, um mir Trost zu spenden.

Aber mein Glaube ist unerschütterlich. Er gibt mir die Kraft, rund um die Uhr die Nachrichten zu verfolgen, in denen mich die Leute, die das Gesetz hochhalten und schützen, als Kinderprostituierte bezeichnen, und angesehene Persönlichkeiten darüber diskutieren, warum mein Fall keine Aussichten auf Erfolg hat. Selbst wenn im Büro gegen mich falsche Anschuldigungen wegen Betrugs erhoben werden und meine Eltern erhebliche gesundheitliche Probleme haben, rede ich mir ein, dass auch dies eines Tages vorübergehen wird.

Dieser Bericht ist ein Auszug aus The Sunday Times.

ZUR ÜBERSETZERIN
Carmen Berelson ist gebürtige Deutsche, wurde in Deutschland zur Übersetzerin ausgebildet und übt diesen Beruf (Fachgebiete Recht, Wirtschaft und Finanzen) freiberuflich  in den Vereinigten Staaten aus. Sie interessiert sich für die Rechte von Mensch und Tier, für Ethik und Umweltbelange. Carmen ist unter CBerelson@aol.com zu erreichen. Ihr Profil ist zu finden unter http://www.atanet.org/onlinedirectories/tsd_listings/tsd_view.fpl?id=2469.

Sohaila Abdulali: #Vergewaltigt zu werden war furchtbar, aber am Leben zu sein ist wichtiger

Aus dem englischen Original übersetzt von Melanie Beaven

sohailaSohaila Abdulali ist eine aus Indien stammende Autorin und Journalistin, die derzeit in den USA lebt. Im Jahr 1980, im Alter von 17 Jahren, überlebte sie eine brutale Gruppenvergewaltigung in Indien. Drei Jahre später schrieb sie im indischen Magazin „Manushi“ über ihr Erlebnis. Einen Auszug aus ihrem Artikel finden Sie weiter unten.

Sohailas persönlicher Erfahrungsbericht ist unbeschreiblich mutig! Frauen in Indien, sogar jene aus der gebildeten Mittelschicht, zeigen aufgrund der Assoziation mit „Schande“ Vergewaltigungen weder an, noch machen sie anderweitig öffentlich auf diese aufmerksam.

Aber Sohaila diskutiert noch einen weiteren Aspekt. Einen Aspekt, den zu thematisieren sich Medien und Frauenforen in Indien sogar angesichts der aktuell extrem eskalierenden Gewalt gegen Frauen scheuen. Konfrontiert mit einer Gruppe gewalttätiger Männer, entscheidet sich Sohaila zu überleben. Dem Bericht über das Vergewaltigungsopfer von Delhi zufolge, schien die Gewalt gegen sie zu eskalieren, als sie einen der Vergewaltiger biss und versuchte, sich zu wehren. Tatsächlich enthüllten die fünf Männer, die Ende August eine Fotojournalistin in Mumbai ebenfalls gruppenvergewaltigt hatten, dass sie geplant hatten, die Fotografin und ihre Kollegin zu ermorden, hätten diese versucht, Widerstand zu leisten. Sohaila stellt die Frage, warum eine Frau, die sich einer Gruppe gewalttätiger Männer gegenüber sieht, nicht alles tun sollte, um zu überleben?

Wir sollten hinterfragen: Warum diskutieren Frauenforen und Medien nicht darüber, anstatt Selbstverteidigung und Pfefferspray als effektive Mittel zur Abwehr von Banden bewaffneter Vergewaltiger zu propagieren? Warum erfährt in Indien die Frau höhere Bewunderung, die bei dem Versuch stirbt, irrationale und frauenfeindliche gesellschaftliche Ansichten von „Ehre“ zu verteidigen? Die Mutter einer Rechtsanwältin, die 2012 in ihrer Wohnung in Mumbai von einem Wachmann des Sicherheitsdienstes angegriffen und getötet wurde, während sie seine Vergewaltigungsversuche abwehrte, erzählte bestimmt und mit einem gewissen Stolz Millionen von Fernsehzuschauern, sie wolle Indien wissen lassen, dass ihre Tochter nicht vergewaltigt worden sei. Sie sei im Kampf für ihre „Ehre“ gestorben!

Wie viele Frauen in Indien, die sich Vergewaltigern gegenüber sehen, sorgen sich mehr um die vermeintliche „Schande“ einer Vergewaltigung, als darum, ihr Leben zu retten?

Sohaila ungefähr zur Zeit des Vorfalls

von Sohaila Abdulali

Ich wurde [im Jahr 1980] im Alter von 17 Jahren gruppenvergewaltigt. Es war das Jahr, in dem Frauengruppen [in Indien] begannen, eine Verbesserung des Strafgesetzes im Hinblick auf Vergewaltigung zu fordern.

Ich war mit meinem Freund Rashid zusammen. Wir waren spazieren gegangen und befanden uns etwa 1½ Meilen (ca. 2,5 Kilometer) von meinem Zuhause in einer Vorstadt von Bombay entfernt. Wir wurden von vier mit einer Sichel bewaffneten Männern angegriffen. Wir wurden getrennt, wir schrien und sie vergewaltigten mich, während sie Rashid als Geisel hielten. Sollte einer von uns Widerstand leisten, würde dem anderen Schaden zugefügt. Dies war eine wirksame Taktik.

Sie konnten sich nicht entscheiden, ob sie uns töten sollten oder nicht. Wir haben alles versucht, was in unserer Macht stand, um am Leben zu bleiben. Mein Ziel war zu leben und das war wichtiger als alles andere. Zuerst habe ich mich körperlich gegen die Angreifer gewehrt. Später, als ich auf den Boden gedrückt wurde, wehrte ich mich verbal. Ärger und Schreien zeigte keine Wirkung und so fing ich an, ziemlich verrücktes Zeug zu schwafeln – über Liebe und Mitleid. Ich sprach von Menschlichkeit und der Tatsache, dass ich ein menschliches Wesen sei und dass sie dies auch seien – tief in ihrem Innersten. Sie waren etwas sanfter danach, zumindest diejenigen, die mich nicht gerade vergewaltigten. Ich sagte einem von ihnen, dass ich am nächsten Tag zurück kommen und mich mit ihm – dem Vergewaltiger – treffen würde, wenn er sicherstellen könne, dass weder Rashid noch ich getötet würden. Diese Worte kosteten mich mehr als ich beschreiben kann, aber zwei Leben hingen am seidenen Faden. Ich wäre höchstens mit einem sehr, sehr scharfen Instrument zurückgekehrt, das sicher gestellt hätte, dass er nie wieder hätte vergewaltigen können.

Nach gefühlt jahrelanger Folter (ich glaube, ich wurde zehnmal vergewaltigt, aber ich hatte solche Schmerzen, dass ich nach einer Weile den Überblick verlor), wurden wir freigelassen unter einer langen Moralpredigt darüber, dass ich, da ich alleine mit einem Jungen zusammen war, eine unmoralische Hure sei. Dies regte sie mehr auf als alles andere. Sie handelten die ganze Zeit so, als täten sie mir einen Gefallen, indem sie mir eine Lektion erteilten. Ihr Verhalten war fanatischste Selbstgerechtigkeit.

Sie brachten uns den Berg hinunter und folgten uns eine Weile sichelschwingend. Endlich kamen wir zu Hause an – gebrochen, verletzt, erschüttert. Es war ein so unglaubliches Gefühl loszulassen und aufzuhören, um unsere Leben zu feilschen. Hysterisch weinend brachen wir zusammen.

Ich hatte den Vergewaltigern fest versprochen, niemandem von dem Vorfall zu erzählen, aber sobald ich zu Hause war, sagte ich meinem Vater, er solle die Polizei rufen. Er war genau wie ich darauf bedacht, sie festnehmen zu lassen. Ich hätte alles unternommen, nur damit nicht jemand anderes das gleiche wie ich durchmachen müsste. Die Polizisten waren unsensibel, herablassend und irgendwie schafften sie es, aus mir die schuldige Partei zu machen. Als sie mich fragten, was passiert sei, erklärte ich es ihnen sehr direkt und sie waren empört darüber, dass ich kein verschüchtertes, errötendes Opfer war. Als sie sagten, dass dies an die Öffentlichkeit käme, meinte ich, das sei schon in Ordnung. Mir ist es ehrlich nie in den Sinn gekommen, dass Rashid oder ich beschuldigt werden könnten. Als die Polizisten erklärten, dass ich zu meinem eigenen „Schutz“ in ein Heim für jugendliche Straftäter gehen müsse, war ich Willens, mit Zuhältern und Vergewaltigern zu leben, nur um meine Angreifer einer gerechten Strafe zuzuführen.

Bald musste ich feststellen, dass Gerechtigkeit für Frauen im Rechtssystem einfach nicht existiert. Als sie uns fragten, was wir auf dem Berg gesucht hätten, wurde ich ungehalten. Ich schrie auf, als sie Rashid fragten, warum er denn „untätig“ gewesen sei. Konnten sie nicht verstehen, dass sein Widerstand für mich nur weitere Qualen bedeutet hätte? Als sie danach fragten, welche Kleidung ich getragen hätte und warum es keine sichtbaren Spuren an Rashids Körper gäbe (er hatte innere Blutungen dadurch erlitten, dass der Sichelgriff wiederholt in seinen Magen gestoßen worden war), brach ich vor Kummer und Entsetzen zusammen. Mein Vater warf die Polizei aus dem Haus, nachdem er ihnen gründlich die Meinung gesagt hatte. So also sah die Unterstützung aus, die ich von der Polizei erhielt. Es wurde keine Anklage erhoben. Die Polizei nahm einen Bericht auf, der besagte, dass wir spazierengegangen und „verspätet“ zurück gekehrt seien.

Es vergeht [auch nach drei Jahren] kein einziger Tag, an dem ich nicht von den Geschehnissen heimgesucht werde [wurde]. Unsicherheit, Verwundbarkeit, Furcht, Zorn, Hilflosigkeit – gegen all dies habe ich ständig zu kämpfen. Manchmal, wenn ich die Straße entlang gehe und hinter mir Schritte höre, bricht mir der Schweiß aus und ich muss mir auf die Lippe beißen, damit ich nicht schreie. Ich zucke unter freundlichen Berührungen zusammen. Ich kann enge Halstücher nicht ausstehen, die sich wie Hände um meinen Hals anfühlen. Ich schrecke vor einem bestimmten Blick zurück, der in Männeraugen erscheint – dieser Blick ist so oft da.

Gleichzeitig bin ich mir der Fehlvorstellungen sehr bewusst, die Menschen über Vergewaltigung, Vergewaltiger und Überlebende von Vergewaltigungen haben. Mir ist außerdem bewusst geworden, welches Stigma den Überlebenden anhängt. Wieder und wieder haben Leute angedeutet, dass der Tod vielleicht doch besser gewesen wäre, als der Verlust dieser so wertvollen „Jungfräulichkeit“.

Ich weise das zurück. Mein Leben ist viel zu wertvoll.

Ich habe für mein Leben gekämpft und gewonnen. Keine noch so negative Reaktion hindert mich daran, dies als positiv zu empfinden. Vergewaltigt zu werden war so schrecklich, dass ich es nicht auszudrücken vermag. Aber ich denke, dass ich am Leben bin, ist wichtiger.

Wenn einer Frau das Recht verwehrt wird, so zu empfinden, ist etwas sehr verkehrt in unserem Wertesystem.

Sohailas Bericht ist Teil der Projektserie „Freedom“ im Rahmen der Kampagne „The 50 Million Missing“, für das Ende der Gewalt gegen Frauen. KLICKEN SIE HIER, um weitere persönliche Lebensberichte anderer indischer Frauen und Männer in unserer Serie „Freedom“ zu lesen.

ZUR AUTORIN
Sohaila Abdulali ist eine in Indien geborene Journalistin, die derzeit in den USA lebt. Sie hat zum Thema „sexuelle Gewalt“ geforscht und darüber zahlreiche öffentliche Vorträge gehalten. Sie ist leitende Redakteurin des
Ubuntu Education Fund, einem international tätigen gemeinnützigen Verein (NGO), für Kinder in Südafrika. Ihre Website ist www.sohailaink.com.

ZUR ÜBERSETZERIN
Melanie Beaven wurde in Hamburg geboren und lebt seit 2004 in England. Sie hat verschiedene Übersetzungstätigkeiten ausgeführt, unter anderem auch Texte über das babylonische Justizsystem. Sie ist Diakonin in der Methodistischen Kirche in Großbritannien; ihre Interessensschwerpunkte sind Feministische Theologie und der interreligiöse Dialog.

@Women Deliver muss sich beim Opfer der #Gruppenvergewaltigung von #Suryanelli entschuldigen!

Aus dem englischen Original übersetzt von Tina Sternberg


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Im Mai 2013 hat die in den USA ansässige  Frauenrechtsorganisation Women Deliver den indischen Politiker P.J. Kurien eingeladen, anlässlich ihrer diesjährigen „Konferenz zur Selbstbestimmung der Frau über die Fortpflanzung“ eine Rede zu halten – einen Mann, der in einen der spektakulärsten Fälle von Gruppenvergewaltigung an und Sexhandel mit einem Teenager-Mädchen in Indien (den Suryanelli-Fall) verwickelt ist.

Eine 16-jährige Schülerin wurde in der Stadt Suryanelli entführt und 40 Tage lang gefangen gehalten. In dieser Zeit wurde sie von 42 Männern, an die sie „verkauft“ worden war, vergewaltigt. Als man sie schließlich fand, war sie so schwer misshandelt und hatte so viel Blut verloren, dass die Ärzte erklärten: Ein paar Tage später und sie wäre tot gewesen! Hier können Sie die ganze Geschichte zum Suryanelli-Fall lesen.

Einer der Beschuldigten in diesem Fall war P.J. Kurien. Er wurde anlässlich einer Gegenüberstellung vom Opfer identifiziert, aber niemals festgenommen. Die indische Regierung schützte ihn weiterhin, so wie sie auch andere Vergewaltiger aus Regierungskreisen schützt. Indische Frauenrechtlerinnen kämpfen schon seit Langem gegen die Regierung und das System, um diese Politiker daraus zu verbannen. Zu Beginn des Jahres 2013 veröffentlichte ein Team aus drei Oberrichtern unter der Leitung des kürzlich verstorbenen Richters Jagdish Sharan Verma einen eindringlichen Bericht zur sexuellen Gewalt an Frauen in Indien. Eine seiner wichtigsten Forderungen war es, dass solche Politiker ihrer Ämter enthoben und strafrechtlich verfolgt werden.

Der Suryanelli-Fall und Kuriens Schlüsselrolle darin, ihn zu vertuschen, stand im Fokus eines Streits zwischen indischen Frauenrechtlerinnen und der Regierung. Bei dem Streit ging es darum, jene Politiker, denen eine Vergewaltigung vorgeworfen wird, ihrer Macht zu entheben und so das politische System zu säubern. Weitere Informationen zu dieser Auseinandersetzung finden Sie hier. Feministinnen im ganzen Land sind außer sich angesichts dieses Falls! Kuriens Einladung durch Women Deliver ist nicht nur eine massive Demütigung für die indische Frauenbewegung, sie ist auch eine Herabwürdigung der ungeheuren Aufgabe, mit der wir uns hier konfrontiert sehen. kurien

Die ganze Angelegenheit ist wie ein Schlag ins Gesicht, vor allem wenn man sich die hochkarätigen Redner anschaut, neben denen Kurien sein Wort an das Publikum richten durfte. Weitere Redner waren Melinda Gates, Babatunde Osotimehin (Leiter des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen), Helen Clark (Leiterin des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen)und Chelsea Clinton!

Als indische Frauenrechtsgruppen, die in diesem Fall jahrelang für Gerechtigkeit gekämpft haben, gegen diesen Vorfall protestierten,  gab Women Deliver folgende Erklärung ab: „Uns war nicht bekannt, dass dem indischen Abgeordneten P.J. Kurien Vergewaltigung vorgeworfen wird. Zwar können wir zu den konkreten Vorwürfen keine Stellung nehmen, doch wenn wir von dem Konflikt gewusst hätten, hätten wir P.J. Kurien nicht erlaubt, auf der Nebenveranstaltung zu sprechen. Es ist sowohl unsere zentrale Aufgabe als Organisation, gegen Gewalt gegen Frauen Stellung zu beziehen, als auch einer der Hauptpunkte dieser globalen Konferenz.“

Kann diese Aussage als Unterstützung für das Opfer und die indische Frauenrechtsbewegung gewertet werden?

Können diese Äußerungen als Entschuldigung an das Opfer und die indische Frauenrechtsbewegung gewertet werden?

Wäre das Opfer amerikanisch, würde Women Deliver die gleiche Art von Erklärung abgeben?

Wäre dieses Statement akzeptabel für westliche Frauenrechtsgruppen, wenn das Opfer aus ihrem Land stammen würde und die Aussage einer Verunglimpfung ihres Kampfes gegen Gewalt gleich käme?

Schuldet Women Deliver dem Suryanelli-Opfer nicht eine unmittelbare Entschuldigung?

Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition an ‘Women Deliver’ und fordern Sie sie auf, sich offiziell beim Opfer zu entschuldigen:

1) Klicken Sie hier um über Change.org zu unterzeichnen

2) Klicken Sie hier um über Causes.com (Facebook) zu unterzeichnen

 

ZUR ÜBERSETZERIN

Tina Sternberg hat nach ihrem Studium der Literatur und Medien acht Monate in Indien gelebt. Die oft brutalen Widersprüche zwischen zukunftsorientierter Zivilisation und altertümlicher Kultur gehen ihr seither nicht mehr aus dem Kopf.

Proteste in Delhi wegen Anstieg von Kindesvergewaltigungen um 336% und Polizeigewalt

delhi rape police pkgAus dem englischen Original übersetzt von Lakshmi Samira Goth

Ähnlich wie bei den Protesten gegen die Gruppenvergewaltigung in Delhi im Dezember 2012 macht erneut eine wütende Öffentlichkeit ihrem Ärger in Indiens Hauptstadt Luft. Letzte Woche wurde ein 5-jähriges Mädchen entführt, zwei Tage lang von zwei erwachsenen Männern festgehalten, wiederholt vergewaltigt und mit unterschiedlichen Objekten wie Kerzen und Flaschen, die in sie eingeführt wurden, sexuell gefoltert. Dann versuchten die Vergewaltiger, sie zu töten, indem sie ihr die Kehle aufschlitzten. Die Polizei, die sich zuvor geweigert hatte, eine Vermisstenanzeige der Eltern aufzunehmen, versuchte später, den Fall zu vertuschen, während das Kind im Krankenhaus um sein Leben kämpfte. Sie weigerten sich nicht nur, eine Anzeige wegen Vergewaltigung aufzunehmen, sondern boten dem Vater Rs. 2000 (€ 29) an, damit er seinen Mund hält! Sie sagten ihm, er solle sich nicht an die Medien oder die Öffentlichkeit wenden, da man ihn nur auslachen würde! Als später Frauen vor der Polizei protestierten, wurden einige von ihnen von Polizisten verprügelt!

Wie wir bereits in einem früheren Beitrag berichteten, hat die Vergewaltigung von Frauen in Indien um 873 % zugenommen. Doch auch Vergewaltigung von und sexuelle Gewalt gegen Kinder hat epidemische Mehr von diesem Beitrag lesen

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