Chetan Bhagat: #Indiens Politikern sind #weibliche #Wählerstimmen ziemlich egal

 

Aus dem englischen Original von Chetan Bhagat
übersetzt von Melanie Beaven

Warum ist es unwahrscheinlich, dass die Verwirklichung der Frauengleichberechtigung [in Indien] von der Politik ausgehen wird? … Nun, [weil] nur diejenigen [Regierungs-] Schritte in Richtung Gleichberechtigung der Frau eine Chance haben, realisiert zu werden, die nicht zu einem Konflikt mit Männern führen… …Schritte, die sich nicht auf den großartigen indischen Mann auswirken. 

Voting for Delhi Assembly [Auch] wenn man Frauen ausbilden kann, wie kann man sicherstellen, dass Arbeitgeber keinerlei Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Bewerbern machen? Es ist vielleicht möglich, einen weiblichen Fötus vor der Abtreibung zu retten, aber wie kann man dafür sorgen, dass dieses Kind später genauso gut aufgezogen wird wie ein männliches Kind? Es gibt womöglich Polizisten, die einen Sexualtäter festnehmen können, aber wie kann man Gruppen von Männern daran hindern, Frauen in Bussen anzüglich anzugrinsen und ihnen die Fahrt unerträglich zu machen? Wie erklärt man Männern, dass eine Frau das Recht hat, attraktive Kleidung zu tragen, oder vielleicht sogar sexy auszusehen, ohne dass ihr unterstellt wird „es“ zu wollen? Dies sind unbequeme Fragen und die Antwort liegt in der Veränderung des Verhaltens und der Einstellung von Männern.

Indische Männer müssen lernen, dass das Land [auch] den Frauen gehört. Sie werden akzeptieren müssen, dass es für sie eventuell weniger Karrierechancen geben wird, weil Frauen einige von diesen für sich in Anspruch nehmen werden… Männer müssen lernen, mit einem gewissen Gefühl der Machtlosigkeit zu leben, wenn sie von einer Frau abgelehnt werden [anderenfalls handelt es sich um Stalking und sexuelle Belästigung!]. Bis all dies geschieht, werden Frauen nicht gleichgestellt sein. Leider wird sich kein Politiker der Männer annehmen, um dies in die Realität umzusetzen. Politiker wollen den „Aam admi“, den indischen Durchschnittsmann, für sich gewinnen [und nicht die „Aam aurat“ – die indische Durchschnittsfrau!]. 

Daher, meine Damen, verlassen Sie sich bitte nicht auf Politiker, wenn es darum geht, Dinge für Sie zu verändern… Wenn es Ihnen ernst ist mit Ihrer Gleichberechtigung, müssen Sie selbst aktiv werden.  Frauen müssen einige der oben angeführten Sachen selbst umsetzen und Männer dazu bringen, sich zu ändern – jweils einen zur Zeit. Setzen Sie sich durch, geben Sie nicht nach und seien Sie nicht zu eifrig damit, Männer zufrieden zu stellen. Wenn Sie Ungleichheit akzeptieren, schaden Sie den Frauen im Allgemeinen – und somit der Hälfte der Nation.

Dies ist ein bearbeiteter Auszug aus Chetan Bhagats Essay „Das neue Wählerpotenzial für der Politiker: Die Durchschnittsfrau“. Sie können das gesamte Essay (auf Englisch) hier lesen. 

ZUM AUTOR

chetan-bhagatChetan Bhagat ist Schriftsteller und Kolumnist.
Seine Website finden Sie unter www.chetanbhagat.com.
Er twittert unter @chetan_bhagat.
 
 
 
 

ZUR ÜBERSETZERIN

Melanie Beaven wurde in Hamburg geboren und lebt seit 2004 in England. Sie hat verschiedene Übersetzungstätigkeiten ausgeführt, unter anderem auch Texte über das babylonische Justizsystem. Sie ist Diakonin in der Methodistischen Kirche in Großbritannien; ihre Interessensschwerpunkte sind Feministische Theologie und der interreligiöse Dialog.

Indira Jaising: Was hindert indische Gerichte daran, Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?

indira jaisinghvon Indira Jaising
(Indiens stellvertretender Oberstaatsanwältin)

Hiermit protestiere ich aufs Heftigste gegen die Kommentare des Richters [Kirubakaran], mit denen er ausgedrückt hat, dass Frauen für die Verbrechen, die ihnen angetan wurden, selbst verantwortlich sind. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass Frauen, um zu vermeiden, vergewaltigt zu werden, besser zu Hause blieben.

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Wenn Scheidung für eine #indische #Frau Freiheit statt Schande bedeutet

 

arth posterVon Mallika Sharma
Aus dem englischen
Original übersetzt von Jacqueline Knorr

„Arth“ heißt „Bedeutung“ und der Film, der sich um das Leben des Ehepaares Inder und Pooja dreht, versucht, die Bedeutung ihrer Ehe im Zusammenhang mit ihren individuellen Bedürfnissen und Persönlichkeiten zu untersuchen. Dieser Film aus dem Jahr 1982 von Regisseur Mahesh Bhatt ist wahscheinlich einer der wenigen indischen Filme, der einen solchen introspektiven Einblick in die Ehe und die Individuen, aus der sie besteht, wagt. Ich denke, es ist eines der besten Werke von Bhatt.

Der sich stetig abmühende Filmemacher Inder hat eine außereheliche Affäre mit der etablierten Schauspielerin Kavita. Inders Frau Pooja ist Hausfrau. Ein kleines Haus zu besitzen ist alles, was sie für ihren Mann und sich möchte. Sie bedrängt Inder, eine Möglichkeit zu finden, um aus der Mietwohnung ausziehen zu können. Die an Schizophrenie leidende Kavita ist launisch und unsicher und extrem besitzergreifend gegenüber Inder. Mit Kavitas Hilfe schafft es Inder, ein Haus für Pooja zu kaufen. Als Gegenleistung verspricht er Kavita, sich bald von seiner Frau scheiden zu lassen.Pooja jedoch wurde glaubhaft gemacht, dass Inder einen großen Filmauftrag an Land gezogen und mit dem Vorschuss das Haus anbezahlt habe. Sie ist überglücklich und begeistert und beginnt eifrig, ihr neues Zuhause einzurichten. Nachdem ihr Traum nach 7 langen Jahren wahr wird, hat sie endlich das Gefühl, angekommen zu sein und dass jetzt alles gut wird. Aber ihre Freude ist nur von kurzer Dauer, denn sie findet bald heraus, das Inder eine Affäre mit Kavita hat.

mass weddingPooja fleht Inder an, Kavita zu vergessen und verspricht ihm einen Neuanfang. Allerdings steckt Inder inzwischen knietief in einer Beziehung mit Kavita. Er schaltet für Poojas ergreifendes Flehen auf taube Ohren und läßt sie im Stich. Zum Abschied erteilt er ihr die Erlaubnis, im neuen Haus bleiben zu dürfen. Pooja verbringt einige Tage in Unglauben und Selbstverleugnung und kämpft hart, um sich mit der schmerzhaften Realität abzufinden. Nachdem sie die meiste Zeit ihres Lebens als Inders Schatten gelebt hat, kann sie sich nicht vorstellen, ohne seine Unterstützung zu leben. Schließlich reißt sie sich zusammen und zieht aus dem Haus aus. Von da an beginnt sie ihre Reise als eine unabhängige Frau, welches der Höhepunkt des Films ist.

Pooja findet einen Job und eine Unterkunft für sich und ist zum ersten Mal mit der „großen, bösen Welt“ konfrontiert. Irgendwann schafft sie es, Fuß zu fassen und lernt einen tollen Typen namens ‚Raj‘ kennen. Raj hilft Pooja mit seiner optimistischen Art und seinem heiteren Gemüt, sich langsam von den Leiden ihrer Ehe zu erholen. Gerade als Pooja in Bezug auf ihre Arbeit und ihre neu gewonnene Freundschaft mit Raj auf einem neuen Höhepunkt ihres Lebens ist, steht Inder mit den Scheidungspapieren vor der Türe. Dieser letzte Stoß befreit Pooja weiter und hilft ihr in ihrer neu gewonnenen Selbstständigkeit anzukommen. Schließlich wird Inder von Kavita verlassen. Hilflos und reuemütig geht er zu Pooja zurück und bittet um Vergebung. Pooja ist nicht mehr verbittert und sie braucht Inder nicht mehr. Was folgt, ist die wunderschöne und beispielhafte Darstellung von Würde, Überzeugung und mentaler Stärke einer Frau.

Indian-women-Bharat-India-Wallpaper- ProudPoojas erfolglose Ehe wird zum Sprungbrett für die Realisierung ihres „Selbst“. Sie nimmt ihre erschütternde Erfahrung als positiven Schritt und findet schließlich ihre eigene Identität. Sie lehnt den Heiratsantrag des sehr willigen Raj ab und überwindet damit alle Schranken weiblicher Machtlosigkeit.

Im Indien der 80er Jahre war Scheidung immer noch ein Tabu und wurde herablassend betrachtet. Unter dem sozialen Druck der Gesellschaft, ihre Ehe und die sogenannte „Familienehre“ intakt zu halten, mußten Frauen Belästigungen, Gewalt, Demütigung und vieles mehr ertragen. Viele Frauen hatten so wie Pooja untreue Ehemänner und blieben trotzdem in ihren Ehen, weil sie finanziell von ihren Ehemännern abhängig waren.

Sicherlich zerstört dieser bahnbrechende Film das Bild, dass eine Scheidung mit Schmach verbunden ist und ermutigt jede indische Frau, ihre Individualität zu schätzen und sie sich zu bewahren. Er legt auch die die Bedeutung der Eigenständigkeit von Frauen dar und macht ihnen Mut, auf eigenen Füßen zu stehen, so dass sie größere Wahl- und Handlungsfreiheit haben. Dieser Film ermutigt hoffentlich jede Pooja, mit ähnlichen Vorurteilen und Stereotypen zu brechen und die wahre „arth“ (Bedeutung) des Lebens zu entdecken, ohne jemals Gefühl zu haben, die Unterstützung eines Mannes zu benötigen.

© „The 50 Million Missing Campaign“. Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

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Mallika Sharma hat einen Abschluss im Bereich Finanzen und Investitionen von der Universität Edinburgh in Schottland. Derzeit leitet sie das von ihrer Familie geführte Exportunternehmen. Sie ist begeisterte Reisende und unersättliche Leserin. Sie spielt Tennis und lernt Klavierspielen. Sie mag es, über viele Fragen aus einer geschlechtsspezifischen Perspektive zu schreiben. Sie blogt auf http://mallikasharma3489.blogspot.in/

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Jacqueline Knorr ist vor 9 Jahen von Berlin in die Karibik ausgewandert und ist heute eine freischaffende Stewardess auf privaten Jachten in der Karibik und in Europa. Momentan ist sie unter anderem damit beschäftigt, ein schwimmendes Gästehaus auf St. Maarten zu bauen, um mit einem Teil des Profits das lokale Tierheim und andere Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen.

Wenn Indiens Oberster Gerichtshof entscheidet, dass vorehelicher #Sex für #Frauen unmoralisch ist

Aus dem englischen Original übersetzt von Tina Sternberg

virginitytest

Jungfräulichkeitstests sind eine Beleidigung für die Würde der Frau

Eine 2013 durchgeführte Studie der India Today Group und dem Marktforschungsinstitut MDRA zu den sexuellen Gepflogenheiten und der sexuellen Einstellung von Männern und Frauen in Indien hat Erstaunliches zutage gefördert. Sie offenbart, dass trotz der zunehmenden Verbreitung vorehelichen Geschlechtsverkehrs unter Männern und Frauen, 77% der Männer angeben, sie würden keine Frau heiraten, die keine Jungfrau mehr ist! Vor Massenhochzeiten, die die Regierung für arme Familien organisiert, werden die Bräute gezwungen, sich durch einen Jungfräulichkeitstest zu qualifizieren!

Im Januar 2014 hat der Oberste Gerichtshof in Neu-Delhi verfügt, dass eine erwachsene Frau, die vorehelichen Sex hat, …dies auf eigenes Risiko  tut … [und]  sie verstehen muss, dass sie sich einem Akt hingibt, der nicht nur unmoralisch ist, sondern auch gegen die Lehre jeder Religion verstößt.

In einem Artikel mit dem Titel „Braut und Vorurteil“ im Magazin India Today untersucht Rita Banerji, warum indische Männer so grundkonservativ bleiben, selbst innerhalb gebildeter Kreise. Außerdem führt sie aus, warum die Fixierung auf die Jungfräulichkeit der Frau als grundlegende Wahrnehmung der weiblichen Sexualität auch ein Grund für andere Formen sexueller Einschränkungen und Gewalttätigkeiten ist, die sich in Indien gegen Frauen richten.

Den vollständigen englischsprachigen Artikel können Sie hier nachlesen: http://indiatoday.intoday.in/story/india-today-group-mdra-2013-sex-survey-virginity-sexuality-marriage/1/328135.html (Die deutsche Übersetzung finden Sie hier: http://wp.me/p3pTPS-nu)



ZUR AUTORIN

Rita Banerji ist Autorin, Frauenrechtsaktivistin und Begründerin von “The 50 Million Missing”, einer Kampagne zur Beendung des Völkermords am weiblichen Geschlecht in Indien. Ihr Buch „Sex and Power: Defining History Shaping Societies“ ist ein historischer und gesellschaftlicher Blick darauf, wie die Beziehung von Geschlecht und Macht in Indien zum anhaltenden weiblichen Genderzid führte. Ihre Webseite ist zu finden unter www.ritabanerji.com. Sie bloggt auf Revolutions in my Space und twittert auf @Rita_Banerji.

 

ZUR ÜBERSETZERIN

Tina Sternberg hat nach ihrem Studium der Literatur und Medien acht Monate in Indien gelebt. Die oft brutalen Widersprüche zwischen zukunftsorientierter Zivilisation und altertümlicher Kultur gehen ihr seither nicht mehr aus dem Kopf.

Ein Leben in #Angst – Normalität für #Frauen in #Indien ?

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Eine Frage, die häufig an unsere Kampagne herangetragen wird, ist: Gewalt gegen Frauen gibt es in allen Gesellschaften. Warum also sollen wir unser Augenmerk ausgerechnet auf Indien richten?

Wir möchten Ihnen hier Frauen aus den Großstädten Indiens vorstellen, die über die Angst berichten, mit der sie tagtäglich konfrontiert sind. Lesen Sie selbst und fragen sie sich:

Ist das normal? 

Ist das die Art, wie auch gebildete, berufstätige Frauen in London, New York, Singapur, ja selbst in Peking leben? 

Was sagt das aus über die Gewalt, mit der Frauen in Indien leben, die sie tolerieren und vor der sie häufig die Augen verschließen?

Sreemati Mukherjee (Hochschulstudentin):

this world belongs to women tooFrauen, die nach der Abenddämmerung unterwegs sind, sollten Sicherheitsvorkehrungen treffen. Es gibt so viele Vergewaltigungen und Belästigungen. Jeden zweiten Tag ist etwas in den Schlagzeilen. Deshalb regen meine Eltern sich richtig auf, wenn ich nicht wie vereinbart spätestens um 20 Uhr daheim bin. Dann rufen sie mich an, um sich zu vergewissern, dass ich in Sicherheit bin. Um die gegebene Situation zu verändern, hat meine Hochschule sich ein Aufklärungsprogramm zur Sicherheit von Frauen ausgedacht und Dresscodes für Studentinnen verhängt. Wenn wir noch spät in der Schule bleiben müssen, bestehen unsere Lehrer darauf, dass wir in Gruppen nach Hause gehen.

Tanya Choudhuri (Immobilienmaklerin):

Früher kam ich um Acht nach Hause. Aber jetzt muss ich früh zu Hause sein, weil mein Vater… sich große Sorgen macht, wenn es später wird. Die Zeitungen sind voll von Nachrichten über Frauen, die von Motorradgangs belästigt oder von Taxifahrern vergewaltigt werden. Er sagt, es sei auch egal, wenn ich mit fünf Frauen in unserer Fahrgemeinschaft unterwegs bin. Diese Gangs könnten uns ganz leicht überwältigen und die Polizei schaut weg. Es macht keinen Unterschied, dass unser Ministerpräsident eine Frau ist. Bislang war noch kein Politiker Vergewaltigungsopfern gegenüber besonders einfühlsam.

T.S. Ravikant (Führungskraft bei einem multinationalen Unternehmen):

Meine Tochter ist fünf Jahre alt und ich suche verzweifelt nach einem Job im Ausland. Indien ist kein Land für Frauen.

Vidya (Maschinenbaustudentin)

Ich habe es vermieden, mit ihm [dem Fahrer einer Auto-Riksha, der ihr persönliche Fragen stellte] zu reden. Als wir ankamen, sah ich, dass sein Reißverschluss geöffnet war!

Sromona Mukherjee (Studentin):

enough is enoughVon dem Moment an, an dem ich das Haus verlasse, muss ich meiner Umgebung gegenüber vorsichtig sein. Früher begann meine Sperrstunde um 21 Uhr, aber jetzt bestehen meine Eltern darauf, dass ich gegen 18 oder 19 Uhr nach  Hause komme. Das zeigt, wie besorgt sie immerzu sind. Kürzlich wurde eine Handy-App auf den Markt gebracht, die einem helfen soll, im Notfall Menschen zu erreichen, die in der Nähe sind. Ich denke, dass diese App sehr effektiv sein kann. Ein Pfefferspray mitzunehmen, kann ebenfalls helfen. Obwohl mein Institut bislang noch keine Sicherheitvorkehrungen getroffen hat, um sexueller Belästigung auf dem Universitätsgelände vorzubeugen, bin ich sicher, dass sie jetzt, wo die Gewalt in den Städten zunimmt, Maßnahmen ergreifen werden.

Alkananda Somayajula, (Studentin der Massenkommunikation):

Jedes Mädchen, das ich kenne, hat schon schreckliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung in den Straßen der Stadt durchgemacht. Das ist nicht nur unangenehm, sondern auch Furcht erregend. Eine Frau muss hundertmal nachdenken, wenn sie rausgehen will, nachdem es dunkel geworden ist. Ich wünschte nur, die Regierung würde etwas tun, um Sicherheit – nicht nur die von Frauen, sondern die aller ihrer Bürger – zu gewährleisten.

Paramita Bhattacharya (Universitätsstudentin):

Die jüngste Gruppenvergewaltigung einer 21-Jährigen war für uns alle ein regelrechter Schock. Seit ich studiere und die meiste Zeit alleine unterwegs bin, vermeide ich es, ein Taxi zu nehmen. Wenn ich keine andere Wahl habe, notiere ich mir das Kennzeichen. Außerdem vermeide ich nächtliche Unternehmungen mit Freunden und habe immer eine Notrufnummer im Handy gespeichert. Meine Eltern wurden immer besorgter, wenn ich spät draußen war. Sie haben mich angerufen, um sich zu vergewissern, dass ich unversehrt bin. Die vielen Vergewaltigungsfälle haben in meinem Institut zu einer neuen Form von Bewusstsein geführt. Wachen sind an den Toren aufgestellt. Unsere Lehrer ermahnen uns immer zur Vorsicht.

Tanya Sen (BPO Angestellte)

Ein Gefühl von Hilflosigkeit erfasst mich jeden Tag, wenn ich in der Nähe der U-Bahn auf Autorikshas warte und wenn ich alleine rausgehe. Meine Ausbildung, meine wirtschaftliche Unabhängigkeit, der Selbstverteidigungskurs und das Pfefferspray könnten vielleicht auch nicht helfen. Ich weiß, dass auch ich jederzeit ein Opfer werden kann.

Sangita B. (Angestellte):

Ich wurde geärgert, es wurden anzügliche Bemerkungen gemacht, einmal wurde meine Hand angegrapscht und ich wurde sogar schon bedroht. All das auf den Hauptstraßen an verschiedenen Stellen in der Stadt.

Nilesh P Kolapkar, (Geschäftsführerin einer Speisegaststätte im Großraum Mumbai):

Selbst in den belebten Stadteilen besuchen Frauen Restaurants oder Clubs nur in Begleitung von männlichen Freunden oder in großen Gruppen mit 5-6 Männern, anstatt wie früher zu zweit oder zu dritt. Ich habe zudem festgestellt, dass wenn solche Gruppen das Restaurant verlassen, die Frauen zuerst abgesetzt werden. Frauen, die Nachts alleine zum Restaurant fahren, sind definitiv weniger geworden. Außerdem gehen Mädchen, die in Gruppen kommen, spätestens um 22 Uhr oder 22:30 Uhr. Früher hätten sie bis nach Mitternacht hier herumgehangen.

Manali Basu, (Hochschulstudentin):

dont tell your daughter not to go outIch fühle mich hier nicht mehr sicher. Nichts hat sich geändert seit dem 16. Dezember 2012. Nichts ist dafür getan worden, dass sich Frauen in unserem Land sicherer fühlen können. Vorfälle von Belästigung, sexueller Belästigung und Vergewaltigung sind jeden Tag in den Schlagzeilen zu finden. Meine Eltern fühlen sich hilflos, wenn sie die Zeitungen lesen. Das erklärt, warum sie wollen, dass ich bei Sonnenuntergang zu Hause bin. Die Leute protestieren auf sozialen Netzwerken, organisieren Demonstrationen, benutzen schwarze Punkte…aber vermag all dies, Verbrechen zu verhindern? Wir können auch nicht zu Hause sitzen und die Männer verantwortlich machen! Es gibt keine Lösung. Eine Freundin von mir wurde einmal belästigt. Niemand half ihr. Mädchen sollten immer Schweizer Armeemesser und Pfefferspray bei sich tragen. Leider hat mein Institut keine Vorsichtsmaßnahmen ergrifen, um die Sicherheit der Studentinnen zu gewährleisten. Ich hoffe, das werden sie noch tun.

[Die obenstehenden Aussagen sind Auszüge von Aussagen, die in folgenden Medien publiziert wurden: The Times of India (Kalkutta), Business Economics, Indian Express (Bangalore), DNA, The Times of India (Hyderabad), Times of India (Mumbai).

ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe „Femizid in Indien“.

Farooq Abdullah: Indiens #feministische #Revolution beginnt! Dies ist erst der Anfang!

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Farooq Abdullah bei der Eröffnung einer Frauenbank

Als Indiens Minister, Farooq Abdullah, ins Parlament eintrat, sagte er: „Ich habe Angst, mit Frauen zu sprechen. Tatsächlich möchte ich nicht einmal eine weibliche Sekretärin haben. Gott bewahre, wenn es eine Beschwerde gegen mich geben und ich im Gefängnis enden würde. So ist die Lage heutzutage. Es stimmt, dass Vergewaltigungsfälle zugenommen haben… aber irgendwo muss auch mal Schluss sein.“

Dies war seine Antwort auf zwei aktuelle Fälle, in denen eine für die Zeitschrift Tehelka tätige Journalistin und eine Jurastudentin im Praktikum, die für einen Richter vom Obersten Gerichtshof arbeitete, Beschwerde eingereicht hatten, weil ihre Vorgesetzten sie am Arbeitsplatz sexuell belästigt und genötigt hatten. Diese beiden Fälle sorgten für einen Aufschrei in der breiten Öffentlichkeit und in den Medien. Tehelkas Gründer, Tarun Tejpal, ist jetzt wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in Haft genommen worden. Und ein Ausschuss des Obersten Gerichtshofs hat beschlossen, dass der betreffende Richter Ganguly verantwortlich ist für „unwillkommene verbale und non-verbale Handlungsweisen sexueller Natur“ in einem Hotelzimmer im Dezember letzten Jahres. Die öffentlichen Stimmen für rechtliche Schritte gegen den Richter werden zunehmend lauter.

Obwohl das indische Gesetz gegen sexuelle Belästigung (das Vishakha-Gesetz) 15 Jahre alt ist, hatten bislang die wenigsten Institutionen, inklusive dem Obersten Gerichtshof, verbindliche Vorschriften/Richtlinien, die nötig gewesen wären, um mit Beschwerden wegen sexueller Belästigung umzugehen.

Selten treten Frauen in Indien so vor, wie in diesen beiden Fällen, was Männer in Top-Positionen zu verunsichern scheint. Man hört bereits von Zeitschriften, die keine weiblichen Journalisten einstellen wollen. Und in Anwaltskanzleien wird gemunkelt, dass die Annahme
weiblicher Praktikantinnen vermieden werden soll!

Die Botschaft, die diese Männer auszusenden scheinen, ist:  Sexuelle Ausbeutung von Frauen gehört zu den Vergünstigungen für Männer am Arbeitsplatz! Entweder die Frauen beugen sich oder wir schließen Euch allesamt vom Arbeitsmarkt aus!

Indiens Frauen müssen zusammenhalten und kämpfen. Diese beiden Frauen haben den Weg aufgezeigt! Und es müssen noch mehr Frauen vortreten!

revolution movementMit nichts weniger dürfen wir uns zufriedengeben, als mit beruflicher Chancengleichheit und Gleichberechtigung in Sachen Menschenwürde und Menschenrechte, sowohl an unseren Arbeitsplätzen, als auch in unserem Zuhause.


LASST UNS DIESE REVOLUTION VORANBRINGEN!



ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe Femizid in Indien“.

Wenn ein Unternehmen, das gegen #Vergewaltigung kämpft, diese erhält

robert de niro thinkAus dem englischen Original  von Rita Banerji
übersetzt von Andrea Wlazik

Im November kursierte im Internet ein Artikel über ein fingiertes „Rape Festival“ (Vergewaltigungsfestival), der für Aufregung sorgte, weil er Vergewaltigung zum Gespött zu machen schien.

Die Ironie ist, dass zur selben Zeit die Premiere einer Veranstaltung mit Größen wie Robert De Niro und anderen berühmten Gästen, das „THINK“ Festival in Goa, genau dies tat – es spottete Vergewaltigung und Vergewaltigungsopfern!

Das „THINK“ Festival wurde von Tehelka organisiert, einer von Indiens radikalsten liberalen Zeitschriften. Für Indien aber ist diese Institution mehr als das. Das Wort „Tehelka“ ist Synonym geworden für Revolution und öffentliche Forderung nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung.

Tehelkas Reichweite ist immens. Sie haben enormen Einfluss, sowohl national als auch international. Ihr THINK Festival dieses Jahr prahlte mit Gästen und Rednern wie Robert De Niro, Amitabh Bachchan, Medha Patkar, Garry Kasparov, Tina Brown, Mary Kom, John Pilger und vielen anderen.

meira paibisVergewaltigung war eines der großen Themen des diesjährigen THINK Festivals.  Überlebende von Vergewaltigungen und Aktivisten aus Indien sprachen auf einer Plattform mit Namen „The Beast in Our Midst (Die Bestie in unserer Mitte). Rednerinnen waren unter anderem Suzette Jordan, die mit vorgehaltener Waffe vergewaltigt wurde und nun Überlebende berät, obwohl sie selbst nach wie vor für Gerechtigkeit kämpft; Harish Iyerwho, die als Kind von Verwandten vergewaltigt wurde und darüber sprach, dass Vergewaltiger nicht immer Fremde sind, sondern oft jene, die wir kennen und denen wir vertrauen; Sandhya, ein 16 Jahre altes Opfer einer Gruppenvergewaltigung, deren Mutter auch gruppenvergewaltigt und ermordet wurde, nachdem ihre Familie Anzeige erstattet hatte; Ima Ngambi, Mitglied von Meira Paibis, einer Gruppe von Müttern, die sich entblößten um gegen die systematischen Vergewaltigungen und die Gewalt gegen Frauen von Seiten der indischen Armee in Manipur zu protestieren; Schwester Jesme, die den systematischen sexuellen Missbrauch von Nonnen in der katholischen Kirche in Indien aufdeckte und Manisha Devi, die darüber sprach, dass der schlimmste Teil der Vergewaltigung die Art ist, wie Justiz, Polizei und soziale Systeme den Opfern weiteres Unrecht zufügen.

Und es gab einen weiteren Vergewaltigungsfall, der sich während des Festivals anbahnte und der einige Tage später ins Licht der Öffentlichkeit treten sollte. Er schockte die Nation und zwang sie, zu hinterfragen, warum Tehelka das, wogegen sie nach eigener Aussage kämpfen, aufrechterhalten.

Tarun Tejpal, der Gründer, Herausgeber und Hauptgesellschafter von Tehelka, entkleidete bei zwei Gelegenheiten im Laufe des Festivals eine jüngere Tehelka-Journalistin gewaltsam und belästigte sie sexuell. Die Journalistin war als Begleitung für Robert De Niro während des Festivals eingeteilt worden. Es scheint, als hätte Tejpal einen Besuch in De Niros Zimmer zum Vorwand genommen, um das Opfer in den Aufzug zu lotsen, wo der Vorfall stattfand. Als sie sich widersetzte und ihn anflehte, aufzuhören, sagte er zu ihr, dass dies der beste Weg sei, ihren Job zu behalten. Einzelheiten des Angriffs, die später in einer internen Mail enthüllt wurden, welche ins Internet durchsickerte, zeigten eindeutig, dass die Art des Angriffs [das Einführen von Fingern in die Vagina] nach Indiens neuem Gesetz, demgemäß jede Form der Penetration eine Vergewaltigung darstellt, als Vergewaltigung einzustufen ist.

Das Opfer vertraute sich sofort drei Kolleginnen an und Tejpals Tochter, die eine gute Freundin des Opfers war, alle anwesend beim Festival. Einige Tage später beschwerte sie sich bei Shoma Choudhary, Tehelkas leitender Redakteurin, einer hitzköpfigen Feministin, die – ebenso wie Tejpal – scharf gegen Vergewaltigung und Gewalt an Frauen in Indien geschrieben und gesprochen hatte.

indian army rape usTejpal gesteht grundsätzlich die Vergewaltigung in einer Mail, einer Art Entschuldigung an das Opfer, in der er den Versuch eingesteht, eine „sexuelle Liaison“ mit ihr zu „forcieren“, obwohl sie sich verweigerte. In einer anderen Mail tat er den Vorfall ab als „Geplänkel“ eines Betrunkenen und teilte mit, er würde dafür Buße tun, indem er sich 6 Monate lang vom Firmensitz fernhalten würde. In seiner Mail an das Opfer schrieb Tejpal: „Du bist eine junge Frau, auf die ich sehr stolz war, als Tochter eines Kollegen und dann als Kollegin in unserer Firma. Ich habe gesehen, wie Du aufgewachsen und beruflich zu einer sehr integeren und vielversprechenden Journalistin gereift bist. Darum zerreisst es mich unbeschreiblich, zu sehen, dass ich diese langjährige vertrauens- und respektvolle Beziehung zwischen uns verletzt habe und ich entschuldige mich vorbehaltlos für diesen rechtlichen Fehltritt, der bei zwei Gelegenheiten, am 7. November und 8. November 2013, dazu geführt hat, dass ich versuchte, eine sexuelle Liaison mit Dir zu beginnen, trotz Deines eindeutigen Widerwillens gegen diese Art von Aufmerksamkeit von mir. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich meine Position als Herausgeber ausgenutzt habe, um Dir meine Aufmerksamkeit aufzuzwingen und ich bestätige, dass ich einmal auf Deinen Hinweis, ich sei Dein Boss, sagte „Das macht es einfacher“…

de-niro

Tejpal mit De Niro und Bachchan beim THINK-Festival

Was dann folgte, ist noch empörender. Die beiden zentralen Autoritätspersonen bei Tehelka, Tejpal und Choudhary, gingen in die Offensive und versuchten, die Anklage zu vereiteln. Sie änderten ihre Haltung und nutzten jede schmutzige Strategie, die alle Vergewaltiger und deren Komplizen nutzen, auch die, das Opfer zu diskreditieren und zu verleumden.

Der Vergewaltigungsprozess gegen Tejpal ist im Grunde genommen wasserdicht. Die Einzelheiten der Aussage des Opfers sind gleich geblieben. Sie wurden von anderen beim Festival anwesenden Angestellten bestätigt und teilweise untermauert durch Filmmaterial der Überwachungskamera aus dem Hotel, in dem der Vorfall stattfand. Und Tejpal, der sich zunächst der Verhaftung entzog und sich aus seinem Versteck heraus nur über Shoma Choudary und seine Anwälte äußerte, ist mittlerweile wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung inhaftiert

Da es sich um eine Vergewaltigung von Schutzbefohlenen handelt, begangen durch eine Autoritätsperson, de Macht über das Opfer hat, erwarten Tejpal  mindestens 10 Jahre HaftIronischerweise wird das anzuwendende Gesetz (Section 376 C), das Tejpal und Tehelka zum Schutz von Vergewaltigungsopfern in Indien vorangetrieben haben, nun von Tejpals Anwälten als „drakonisch“ bezeichnet.

sandhyaSuzette Jordan, Überlebende einer Gruppenvergewaltigung und Rednerin beim THINK Festival, erzählte, wie verärgert sie ist.  Sie sagte, sie fühle sich regelrecht „betrogen“. In einem Interview mit NDTV erklärte sie, sie fühle sich „schmutzig“ und benutzt. Für sie sähe es aus, als hätte man sie auf die Bühne gestellt, nur um sich über sie lustig zu machen!

In ihrem Kündigungsschreiben an Tehelkas leitende Redakteurin, Shoma Chaudhuri, schreibt das Opfer: “Während der letzten Jahre haben wir [bei Tehelka] gemeinsam die Rechte von Frauen verteidigt, über Vergewaltigung von Untergebenen und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geschrieben und uns scharf ausgesprochen gegen die Kultur der Schuldigsprechung von Opfern, die taktische emotionale Einschüchterung und den Rufmord an jenen, die es wagen, sich gegen sexuelle Gewalt auszusprechen. Jetzt, da ich selbst Opfer eines solchen Verbrechens bin, bin ich erschüttert darüber, dass der Chefredakteur von Tehelka und Sie – in Ihrer Eigenschaft als leitende Redakteurin – auf genau diese Taktiken der Einschüchterung, des Rufmords und der Verleumdung zurückgreifen… In Bezug auf die Abläufe seit dem 7. November hat nicht nur Mr. Tejpal mir gegenüber als Arbeitgeber versagt, sondern Tehelka hat versagt gegenüber Frauen, Angestellten, Journalistinnen und Feministen gleichermaßen.

Dieser Vergewaltigungsfall scheint ein Wespennest zu sein, bestehend aus einer Reihe schmutziger Geheimnisse, inklusive der Anhäufung von Reichtümern seitens der Top-Bosse durch geheime, undurchsichtige Unternehmenszusammenschlüsse. Und während Tehelkas Aktieneigner reiche Dividenden abschöpften, wurden die Angestellten schäbig behandelt. Es wird berichtet, dass sie keinerlei Grundsicherung, wie Krankenversicherung, Abfindung und Altersvorsorge, bekanen. Oft hatten die Gehälter 2-3 Monaten Verspätung. 

Indiens Liberale und die führenden Feministinnen, die Teil von Tehelkas elitärem selbstgerechtem Netzwerk sind, das behauptet, die Frauenrechte zu schützen, sind entweder still oder sie kommen mit aller Kraft hervor und beschweren sich bitterlich über die „übertriebene“ öffentliche Empörung oder über die Medienwirksamkeit dieses Falls. Viele dieser Feministinnen haben versichert, dass Shoma Chaudhuri nicht als Komplizin an dem von Tejpal begangenen Verbrechen der Vergewaltigung und dessen Vertuschung anzusehen ist.

Das beunruhigt mich am meisten. Warum weigern sich mit Tejpal befreundete Feministinnen und Liberale, sowohl in Indien als auch im Westen, diese Vergewaltigung zu sehen oder so zornig zu verurteilen, wie sie es normalerweise in anderen Fällen tun würden? Warum erkennen sie Shoma Chaudhuris Komplizenschaft daran nicht? Warum sind sie über diesen Vorfall nicht so aufgebracht, zornig und beunruhigt wie die vergewaltigte Journalistin und andere Vergewaltigungsopfer, die an diesem Festival teilgenommen haben? Warum beugen sie sich, ignorieren und/oder verteidigen ihn?

Tejpal-1Wie tief geht die wirtschafliche Ausbeutung von Vergewaltigung und von Gewalt an Frauen als „soziale Fälle“? Sind diese unter den NGOs und Organisationen, unter Feministen und Liberalen nun zu Themen geworden, die persönlich und wirtschaftlich leicht auszubeuten sind? Ist Tehelka nur die Spitze des Eisbergs? Ist es das, was einen Großteil der Feministen, Liberalen, Aktivisten und Intellektuellen an der Tehelka-Vergewaltigung so verunsichert?


© The 50 Million Missing Campaign“.Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZUR AUTORIN
rita.banerji.photoRita Banerji ist Autorin, Frauenrechtsaktivistin und Begründerin von „The 50 Million Missing“, einer Kampagne zur Beendung des Völkermords am weiblichen Geschlecht in Indien. Ihr Buch Sex and Power: Defining History Shaping Societies ist ein historischer und gesellschaftlicher Blick darauf, wie die Beziehung von Geschlecht und Macht in Indien zum anhaltenden weiblichen Genderzid führte. Ihre Webseite ist zu finden unter www.ritabanerji.com. Sie bloggt auf Revolutions in my Space und twittert auf @Rita_Banerji

ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe Femizid in Indien“.

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