Catharine MacKinnon: Der Völkermord an Frauen ist ein Verstoß gegen internationales Menschenrecht

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Wenn es um das internationale  Verbrechen des Völkermords geht, wird die geschlechtsspezifische Vernichtung der Frauen weitestgehend ignoriert. Kein internationales Strafgesetz erkennt das an, was Diana Russell “Femizid” nennt — die Vernichtung von Frauen als Gruppe oder als Mitglieder einer Gruppe…

[Wie auch immer…] Genozid (Völkermord) ist schlimmer als Krieg.  Er kann in einer Zivilgesellschaft unter Zivilisten, abseits jeglicher bewaffneter Auseinandersetzung stattfinden (und tut dies auch). Sein spezifischer Zweck ist es, die Existenz eines Menschen zu beenden. Er ist eine gewalttätige Form der Diskriminierung. 

Er ist eine durch systematische Gewalt verursachte extreme Ungleichheit. 

[Weil jedoch]…diese Misshandlungen durch Vertraute [z.B. in einer Beziehung – Eltern, Ehemann, Verwandte] zugefügt werden…werden sie nicht als Menschenrechtsverletzung wahrgenommen.

Die Welt muss erkennen, dass Gewalt gegen Frauen Menschenrechte verletzt [und dass] wenn die Welt darüber (über Genozid) sagt „Nie wieder!“ – nicht im Krieg, nicht im Frieden – sie es dieses Mal auch so meint. Wird das Wort „Frau“ letztlich wie das Wort „Jude“ eine Bedeutung bekommen, die für tatsächliche Misshandlung steht, die nie vergessen werden kann…, …zu einem Überbegriff für das, was keinem menschlichen Wesen angetan werden darf?

Catharine MacKinnon ist amerikanische Rechtsanwältin, weltweit bekannte Frauenrechtsaktivistin und Professorin der Rechtswissenschaften. Ihr bahnbrechendes Buch von 1979 „Sexual Harassment of Working Women“ (Sexuelle Belästigung von berufstätigen Frauen), das sexuelle Belästigung als Diskriminierung gemäß § VII des United States Civil Rights Act von 1964 definiert, bildete später die Basis der US-Rechtssprechung gegen sexuelle Belästigung. Sie hat zur Bildung des schwedischen Modells zum Umgang mit dem Thema Prostitution beigetragen. Außerdem ist sie Sonderberaterin für Gleichbehandlungsfragen der Staatsanwaltschaft des International Criminal Court in Den Haag. Der obenstehende Text ist ein Auszug aus ihrem Buch „ Are Women Human?“ (Sind Frauen Menschen?).

ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der Kampagne „50 Million Missing“ (50 Millionen verschwunden). Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe Femizid in Indien“.

Warum soll die Vernichtung indischer Frauen als Völkermord (Genozid) gewertet werden?

abro genocide poster

Poster von Abro. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Poster wurde im Smithsonian in Washington D.C. ausgestellt.

von Rita Banerji

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Auf einen meiner Beiträge auf meiner flickr-Seite zum Thema Genozid (Völkermord) an indischen Frauen, schrieb mir jemand,  das Wort „Genozid“ sei hier nicht stimmig, ich würde das Wort durch die Benutzung in diesem Zusammenhang nur entwerten.

Ich bat ihn um eine Erklärung. Er führte aus: „Die Situation passt nicht zur offiziellen Definition des Genozid wie sie in der UN-Konvention zur Verhütung und Verfolgung des Völkermords von 1948 deklariert wird.

Die  U.N. definiert „Genozid“ wie folgt:

(a) Mitglieder der Gruppe werden getötet;

(b) Mitgliedern der Gruppe wird schwerer körperlicher oder seelischer Schaden zugefügt;

(c) die Gruppe wird vorsätzlich unter Lebensbedingungen gestellt, die ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise nach sich zieht;

(d) es werden Maßnahmen ergriffen, die Geburten innerhalb der Gruppe verhindern sollen;

Ich widersprach:  „Basierend auf dieser ganz offiziellen Definition ist es tatsächlich ein Völkermord. Frauen in Indien werden in jedem Lebensstadium vor und nach der Geburt getötet, nur weil sie weiblich sind. Das passiert Jungen und Männern nicht! Dies ist eine gezielte Massenvernichtung einer spezifischen Gruppe.

Mehr als 50 Millionen Frauen sind innerhalb der letzten drei Generationen in Indien getötet worden. Mehr von diesem Beitrag lesen

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