Schwangere lebendig verbrannt – ein #Mitgiftmord?


Die 20-jährige D. Pushpa war im achten Monat schwanger, als sie – vermutlich von ihrem Ehemann und den Schwiegereltern –  angezündet wurde. Ihre Eltern berichteten, dass die Familie mehr Mitgift forderte. Es wurde Anzeige erstattet, alle drei Verdächtigen sind flüchtig.

http://violenceonindianwomen.wordpress.com/2014/04/01/burnt-alive-for-dowry-when-she-was-8-months-pregnant/


Obwohl schon seit 1961 per Gesetz verboten, ist die Mitgiftproblematik in Indien nach wie vor sehr aktuell. Schätzungen gehen davon aus, dass dort jedes Jahr über 100.000 Frauen wegen der Mitgift verbrannt werden.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel #Mitgift-Morde: 106.000 Frauen innerhalb eines Jahres lebendig verbrannt.

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#Mitgiftmord: Angezündet, während sie ihr Baby stillte

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Jharkhand, 02. Februar 2014
Die 22-jährige Annu Devi wurde angezündet, während sie ihre Tochter stillte. Obwohl ihre Eltern ihrem Ehemann und den Schwiegereltern Land als Mitgift gegeben hatten, wollten sie mehr. Sie übergossen Annu mit Benzin, während sie ihre Tochter stillte und verbrannten beide zu Tode.

#Assam: 850 Fälle von #Morden und Selbstmorden im Zusammenhang mit #Mitgift innerhalb von 6 Jahren

Aus dem englischen Original von Rita Banerji übersetzt von Andrea Wlazik

Guwahati, 03. Januar 2014

Es gibt einen gefährlich ansteigenden Trend von Mitgiftgewalt und -morden im Staat Assam, im Nordosten von Indien, einem Staat, in dem Mitgiftforderungen traditionell bislang eher unbekannt waren. In den letzten 6 Jahren wurden dort im Zusammenhang mit dieser Praxis 850 Morde und „Selbstmorde“ erfasst.

Alleine in 2013 (bis Oktober) wurden 135 mitgiftbezogene Todesfälle aufgenommen, in 2012 lag die Anzahl bei 140 Toten. Die bei der Polizei von Assam verfügbare Statistik zeigt jedoch, dass in keiner der Polizeistationen des Staates auch nur ein einziger der im Jahr 2013 (bis Oktober) erfassten 135 Fälle tatsächlich als Straftat gemäß Dowry Prohibition Act (gesetzliches Mitgiftverbot) aufgenommen wurde.

Obwohl der Staatsapparat bereits Maßnahmen gegen an Frauen begangene Straftaten ergriffen hat, ist die Tendenz nach wie vor steigend. Insgesamt wurden in 2013 (bis Oktober) 14.500 an Frauen begangene Straftaten erfasst, deutlich mehr als im Vorjahr. 7.362 Fälle von Grausamkeit durch den Ehemann (§498 A), nahmen die verschiedenen Polizeistationen des Staates auf, desweiteren 1.673 Vergewaltigungsfälle, 1.804 Fälle von Belästigung und 3.535 Entführungen.

Quelle: http://www.assamtribune.com/scripts/detailsnew.asp?id=jan0414/at085

45 Tage nach ihrer Hochzeit wurde sie getötet: Anshus Geschichte

Aus dem englischen Original übersetzt von Matthew Brown

Dies ist die Geschichte der 23-jährigen Anshu Singh, die am 25. Januar 2010 nur 45 Tage nach ihrer Hochzeit von ihrem Ehemann und ihren Schwiegereltern ermordet wurde. Ihre Geschichte ist ein düsteres Zeugnis für die Tatsache, dass Mitgifterpressungen und -morde auch in den wohlhabenden und gebildeten Schichten der indischen Gesellschaft vorkommen. Und unter diesen Verbrechern finden sich auch Polizeibeamte!

Dieser Fall ist noch nicht abgeschlossen und wir sind in Kontakt mit Girendra Singh, Anshus Vater, der die 50 Million Missing Campaign um Unterstützung gebeten hat. Klicken Sie hier um zu unserer flickr-Diskussion und dem Update Forum zu Anshu`s Fall zu gelangen. Wenn Sie möchten, können Sie dort Ihre Kommentare und Vorschläge anbringen.

Da die Familie Singh darauf drängt, dass Anshus Mörder gesucht und bestraft wird, wird sie Opfer verschiedenster Formen von Schikanen. Falls Sie sich in Delhi aufhalten und Herrn Singh in irgend einer Weise bei seinem Fall unterstützen können, wenden Sie sich bitte direkt an ihn oder kontaktieren Sie uns.

Anshu war die mittlere von drei Schwestern. Sie war klug, ehrgeizig und gebildet. Zum Zeitpunkt des Mordes war sie für ein multinationales Unternehmen in Delhi tätig. Sie hatte ihren Mann durch die Arbeit kennengelernt und sie waren bereits drei ​​Jahre miteinander ausgegangen, bevor sie heirateten.

Zunächst gab es einige Einwände seitens der Familie des Mannes, weil sie aus verschiedenen Gemeinden kamen. Aber Anshus Vater sagte: „Wenn die beiden sich lieben, warum sollten wir ihnen im Weg stehen?

Vor der Hochzeit hatte Herr Singh die Familie des Bräutigams darüber informiert, dass er zwar nicht die Absicht habe, ihnen eine Mitgift zu zahlen, er aber seiner Tochter einige Haushaltsgegenstände schenken wolle, so wie er es bei seiner älteren Tochter getan hatte um ihr einen guten Start in die Ehe zu ermöglichen.

Der Familie des Bräutigams war es lieber, dass er ihnen das Geld gab, damit sie die Sachen selbst kaufen konnten. Ihre Einkaufsliste wurde immer länger und so zahlte Herr Singh am Ende ungefähr 350.000 Rupien (knapp 9.000 USD).

Als Herr Singh um Einsicht in die Belege bat, um zu prüfen, dass dafür tatsächlich die angegebenen Dinge gekauft worden waren, konnten sie keine Belege vorzeigen. Es folgten einige Unannehmlichkeiten und Anshu begann, sich in ihrer Ehe unwohl zu fühlen. Herr Singh dachte: „Das Geld spielt keine Rolle. Was viel wichtiger ist, ist dass dies vielleicht nicht der richtige Mann für Anshu ist.“ Doch die Familie des Bräutigams überzeugte Anshu, dass alles ein Missverständnis gewesen sei wäre, und Herr Singh gab den Wünschen seiner Tochter nach.

Fast direkt nach der Hochzeit begannen Anshus Schwiegereltern, wegen der Mitgift Druck auf Herrn Singh auszuüben. Sie verlangten ständig Geld für dieses und jenes und erwarteten von Anshu, dass sie das Geld beschaffen solle. Einmal forderten sie auf einen Schlag 500.000 Rupien (ca. 12500 USD) für die Ausbildung ihres jüngeren Sohnes. Außerdem wollten sie Geld für die Beförderung von Anshus Schwiegervater und dessen Anstellung in einer anderen Region des Landes. Der Schwiegervater ist Polizist und in der neuen Anstellung hätte er mehr verdient. Um aber die Beförderung zu bekommen,  musste er seine Vorgesetzten bestechen. Herr Singh begann zu begreifen, dass es diesen Menschen nur um Geld ging.

Anshu und ihr Mann hatten eine eigene Wohnung gemietet, aber jeden Abend nach der Arbeit mussten sie zu den Schwiegereltern kommen und bei ihnen essen. Abends und an den Wochenenden sollte Anshu dort den Haushalt machen und das Abendessen kochen. Das Paar nutzte seine Wohnung nur zum Übernachten. Es war eine seltsame Vereinbarung,  auf die der Ehemann und die Schwiegereltern bestanden.

Als nach vier Wochen Ehe die Geldforderungen nicht weniger wurden, wollte Anshu ihren Vater nicht länger beunruhigen oder belasten. Deshalb nahm sie ein Darlehen auf um ihre Schwiegereltern zu befriedigen. Sie konnte diesen Kredit aufnehmen, da sie einen guten Job in einem multinationalen Konzern hatte und ihre Schwiegereltern waren sich dessen bewusst.

Ihr Ehemann wurde übergriffig. Zunächst war er verbal ausfallend, aber bald begann er auch, sie regelmäßig zu schlagen. Als Herr Singh das herausfand, war er sehr aufgebracht und wollte, dass seine Tochter ihren Mann verlässt. Er sagt: „Ich sprach mit Anshu. Sie war ein starkes Mädchen und sie versicherte mir, dass sie mit der Situation fertig werden würde.

Am Tag bevor Anshu starb, am 25. Januar 2010 , schrieb sie eine letzte SMS an ihre Schwester: „Shivank (ihr Mann) hat sich nach der Hochzeit völlig verändert. Er ist nicht mehr die Person, die er vorher war. Er ist kein guter Mensch.

Was auch immer an diesem Tag geschah, ist vermutlich entscheidend für das Verständnis der Ursache des Mordes an Anshu. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Welches Ereignis veranlasste sie plötzlich zu der Erkenntnis, dass ihr Mann sich geändert habe? Wenn sie nun überzeugt war, dass er kein „guter Mensch“ sei, hatte sie bereits Pläne gemacht, ihn zu verlassen, und hatte sie ihm das auch gesagt? Wenn sie sich von ihrem Mann hätte scheiden lassen, hätte sie von seiner Familie das erpresste Geld zurückverlangen können. Sicherlich hätte diese den Betrag in Höhe mehrerer tausend Dollars nicht zahlen wollen.

Es wird vermutet, dass Anshu, als sie an jenem schicksalhaften Abend von der Arbeit zurückkam, zuerst in ihre eigene Wohnung ging. Der Schlüssel ihres Mannes war wahrscheinlich an angeheuerte Schläger weitergegeben worden, die sie dort angreifen und töten sollten. Es wird angenommen, dass 2-3 Personen beteiligt waren. Herr Singh sagt, dass die Autopsie-Berichte zeigen, dass Anshu vor ihrem Tod brutal mißhandelt wurde, und dass die Todesursache Asphyxie (Sauerstoffmangel) aufgrund Erhängens war.

Möglicherweise war es die Absicht ihrer Mörder, einen Selbstmord durch Erhängen zu inszenieren. Aber der Ehemann und Schwiegereltern entschieden später am Abend anders. Sie nahmen Anshus Körper ab und legten sie auf das Bett.

Dann riefen sie Herrn Singh an und teilten ihm mit, dass Anshu sich nicht wohl fühle und möglicherweise ohnmächtig geworden war. Herr Singh kam direkt und er sah sofort, dass sie seit geraumer Zeit tot war. Die Singh Familie war schockiert. Ihre Tochter war kaum einen Monat verheiratet! Ein traumatisierter Herr Singh sagt: „Es ging alles so schnell. Sie war erst  45 Tage verheiratet und nun ist sie fort. Wir hätten nie gedacht, dass uns so etwas passieren kann. Anshu war ein junges, fröhliches und modernes Mädchen mit so vielen Träumen. Sie war intelligent und stark. Ich glaube nicht, dass sie je daran gedacht hätte, dass ihr so etwas zustoßen könnte.

Anshus Ehemann befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Ihre Schwiegereltern haben sich abgesetzt. Anshus Schwiegervater war bei der Polizei. Auf sein Drängen hin waren die ermittelnden Polizeibeamten sehr nachlässig bei ihren Untersuchungen. Sie haben nicht einmal den mutmaßlichen Tatort abgesperrt. Durch das Versagen der Polizei beim sichern der Beweise, ist die Angst groß, dass Anshu vor Gericht keine Gerechtigkeit widerfahren wird.

Alle 20 Minuten wird in Indien eine junge, verheiratete Frau wie Anshu von ihrem Ehemann und dessen Familie vorsätzlich kaltblütig ermordet. Diese Art Verbrechen gerät mehr und mehr außer Kontrolle!

Die „50 Million Missing Campaign“ will sicherstellen, dass Anshus Geschichte in unseren Herzen und Köpfen lebendig bleibt, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird und Anshu nicht ein weiteres namenloses Opfer in einer langen Reihe tausender junger indischen Frauen ist, die ähnlich gestorben sind wie sie. Wir werden in regelmäßigen Abständen den Link zu diesem Artikel öffentlich machen und bitten Sie, dasselbe zu tun. Bitte helfen Sie, Anshus Geschichte lebendig zu halten.

Der 50MM hat außerdem eine WAR ON DOWRY (Kampf der Mitgift) Bewegung auf Facebook gestartet. Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen!

© Die Kampagne „50 Million Missing“ (50 Millionen verschwunden). Alle Rechte vorbehalten. Bitte beachten Sie bei Weitergabe unsere Hinweise zum Copyright.

ZUM ÜBERSETZER

Matthew Brown wurde in der Nähe von Chicago geboren und wuchs an den Stränden von Los Angeles auf. Er begann seine Weltreisen mit einer Punk-Rock-Band und entwickelte auf diesen Reisen seinen Geschmack für multikulturelle Kunst, Medien und Literatur. Nach seinem erfolgreichen Abschluss an der California State University Long Beach setzte er sein Engagement für Kunst und Literatur fort und unterstützte die Gründer der Bilingual Foundation of the Arts und des Carmen Zapata Theatre. Zur Zeit wohnt er in Coesfeld (Deutschland) und arbeitet freiberuflich als Künstler und Schriftsteller.

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