#Wahlen in #Indien: #Politikerinnen während des Wahlkampfs belästigt

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

nagma30. März 2014

Politik und Regierung werden in Indien oft als Orte angepriesen, an denen Frauen gleichberechtigt sind.  Tatsache ist aber, dass Politikerinnen in der Öffentlichkeit der gleichen Art von Schikanen und sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind, wie andere Frauen in Indien es tagtäglich sind, auch dann, wenn sie für die Wahlen im April 2014 in den Wahlkampf ziehen.

Die Politikerin Nagma wurde, obwohl sie von Bodyguards umringt war,  anlässlich zahlreicher Gelegenheiten, manchmal von männlichen Politikern und manchmal auch von Männern in öffentlichen Versammlungen, angetatscht. Letzte Woche reagierte sie,  indem sie einen Mann, der sie anfasste, öffentlich ohrfeigte. Einige weibliche Politiker steigen nicht aus ihren Autos, weil sie fürchten, belästigt zu werden. Andere räumen weite Bereiche und sprechen nur von einer erhöhten Plattform aus.

http://timesofindia.indiatimes.com/home/lok-sabha-elections-2014/news/Women-politicians-face-sexist-slurs-pawing-seek-safety-inside-cars/articleshow/32934688.cms

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Farooq Abdullah: Indiens #feministische #Revolution beginnt! Dies ist erst der Anfang!

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Farooq Abdullah bei der Eröffnung einer Frauenbank

Als Indiens Minister, Farooq Abdullah, ins Parlament eintrat, sagte er: „Ich habe Angst, mit Frauen zu sprechen. Tatsächlich möchte ich nicht einmal eine weibliche Sekretärin haben. Gott bewahre, wenn es eine Beschwerde gegen mich geben und ich im Gefängnis enden würde. So ist die Lage heutzutage. Es stimmt, dass Vergewaltigungsfälle zugenommen haben… aber irgendwo muss auch mal Schluss sein.“

Dies war seine Antwort auf zwei aktuelle Fälle, in denen eine für die Zeitschrift Tehelka tätige Journalistin und eine Jurastudentin im Praktikum, die für einen Richter vom Obersten Gerichtshof arbeitete, Beschwerde eingereicht hatten, weil ihre Vorgesetzten sie am Arbeitsplatz sexuell belästigt und genötigt hatten. Diese beiden Fälle sorgten für einen Aufschrei in der breiten Öffentlichkeit und in den Medien. Tehelkas Gründer, Tarun Tejpal, ist jetzt wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in Haft genommen worden. Und ein Ausschuss des Obersten Gerichtshofs hat beschlossen, dass der betreffende Richter Ganguly verantwortlich ist für „unwillkommene verbale und non-verbale Handlungsweisen sexueller Natur“ in einem Hotelzimmer im Dezember letzten Jahres. Die öffentlichen Stimmen für rechtliche Schritte gegen den Richter werden zunehmend lauter.

Obwohl das indische Gesetz gegen sexuelle Belästigung (das Vishakha-Gesetz) 15 Jahre alt ist, hatten bislang die wenigsten Institutionen, inklusive dem Obersten Gerichtshof, verbindliche Vorschriften/Richtlinien, die nötig gewesen wären, um mit Beschwerden wegen sexueller Belästigung umzugehen.

Selten treten Frauen in Indien so vor, wie in diesen beiden Fällen, was Männer in Top-Positionen zu verunsichern scheint. Man hört bereits von Zeitschriften, die keine weiblichen Journalisten einstellen wollen. Und in Anwaltskanzleien wird gemunkelt, dass die Annahme
weiblicher Praktikantinnen vermieden werden soll!

Die Botschaft, die diese Männer auszusenden scheinen, ist:  Sexuelle Ausbeutung von Frauen gehört zu den Vergünstigungen für Männer am Arbeitsplatz! Entweder die Frauen beugen sich oder wir schließen Euch allesamt vom Arbeitsmarkt aus!

Indiens Frauen müssen zusammenhalten und kämpfen. Diese beiden Frauen haben den Weg aufgezeigt! Und es müssen noch mehr Frauen vortreten!

revolution movementMit nichts weniger dürfen wir uns zufriedengeben, als mit beruflicher Chancengleichheit und Gleichberechtigung in Sachen Menschenwürde und Menschenrechte, sowohl an unseren Arbeitsplätzen, als auch in unserem Zuhause.


LASST UNS DIESE REVOLUTION VORANBRINGEN!



ZUM ÜBERSETZER
Andrea Wlazik ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin und Übersetzerin und koordiniert den deutschen Blog der „The 50 Million Missing Campaign“. Sie ist außerdem Initiatorin der von der Kampagne unabhängigen deutschen Facebook-Gruppe Femizid in Indien“.

11 Sicherheitstipps für Frauen, die alleine in Indien leben oder reisen

Aus dem englischen Original übersetzt von Alexander Ohnmeiß

Foto: Sirengsongs. Alle Rechte vorbehalten.

Da immer mehr indische Frauen in ihrem Job reisen müssen oder bis in die späten Stunden im Büro beschäftigt sind, ist die persönliche Sicherheit zum wichtigsten Anliegen berufstätiger Frauen in Indien geworden.

Eine kürzlich erhobene Umfrage hat ergeben, dass
94 % der indischen Frauen sich nicht sicher fühlen dabei, in Indien alleine zu leben, alleine zu reisen oder alleine in einem Hotel zu sein. Von denjenigen, die außerhalb von Indien unterwegs waren, sagen die meisten, sie würden sich in westlichen Ländern alleine auf Reisen oder in Hotels sicher fühlen! Sexuelle Belästigung auf offener Straße, Handgreiflichkeiten und Verfolgung werden in Indien als „normaler“ Teil des alltäglichen Lebens angesehen und von Frauen wird erwartet, sich damit zu arrangieren.  Und obwohl die meisten Vergewaltigungen in Indien niemals gemeldet werden, oder die gemeldeten von der Polizei nicht schriftlich aufgenommen werden, ist Vergewaltigung immer noch das am schnellsten wachsende Gewaltverbrechen im heutigen Indien. Außerdem wird ein alamierender Anstieg der Anzahl gemeldeter Vergewaltigungen an weiblichen Touristen verzeichnet.

Hier sind 11 Tipps der „The 50 Million Missing Campaign“ zur Sicherheit aller allein reisender und allein lebender Frauen in Indien:

1. Obwohl es keinen Grund dafür geben sollte, dass man als Frau nicht alleine lebt oder reist, ist es eine Tatsache, dass es für Singlefrauen in Indien sicherer sein könnte, mit wenigstens einer oder zwei weiteren Personen zu wohnen oder unterwegs zu sein. Wenn Sie in männlicher Begleitung sind, verringert sich in der Regel die Wahrscheinlichkeit, sexuell genötigt oder belästigt zu werden. (Wir sagen hier nicht, dass es so sein sollte! Es beschneidet das Recht der Frauen auf Bewegungsfreiheit und ist grundlegend sexistisch. Aber es ist eine Sicherheitsvorkehrung, die in Indien bis zu einem gewissen Grad funktioniert.)

2. Falls Sie im Auftrag Ihres Arbeitgebers unterwegs sind oder aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt gezogen sind, bitten Sie Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation – um Ihrer persönlichen Sicherheit willen – die Vorkehrungen für Ihren Aufenthalt über bekannte lokale Kontakte abzuwickeln. Oder erfragen Sie bekannte und vertrauenswürdige Kontaktpersonen, über die Sie die Angelegenheit selbst regeln können.  Sollten Sie in einem Hotel absteigen, vergewissern Sie sich, dass Ihre Zimmertüre mit einem Riegel oder einer Kette von INNEN geschlossen werden kann und halten Sie die Türe immer verschlossen und verriegelt, sobald Sie im Zimmer sind. Führen Sie immer einen tragbaren Türstopper mit sich und setzen Sie diesen nachts auf jeden Fall ein, oder verwenden Sie andere Objekte, die sich als Türstopper eignen. Sollten Sie im Erdgeschoss oder im ersten Stock übernachten, stellen Sie sicher, dass die Fenster vergittert sind. Lassen Sie auf gar keinen Fall Ihre Balkontüre über Nacht offen stehen während Sie schlafen. Sollten Sie Essen oder anderes auf’s Zimmer bestellen, lassen Sie die Türe nicht offen stehen und bitten Sie das Servicepersonal nicht herein. Warten Sie auf dessen Anklopfen und nehmen Sie die Lieferung an der Türe in Empfang.

3. Machen Sie den Punkt „Sicherheit“ bei der Planung Ihres Reise- oder Mietbudgets zur obersten Priorität. Je niedriger der Preis, desto höher ist in den meisten Fällen das Sicherheitsrisiko. Vielleicht erscheint es wie ein gutes, billiges Angebot – für die Miete eines Hauses, Appartements, Hotelzimmers, für Reiseleiter, Transportmittel, Tour-Pauschale, etc. – ABER je undurchsichtiger das Angebot, desto größer wird Ihr Sicherheitsrisiko. Besser bedient sind Sie mit einem bekannten Reiseziel, Veranstalter, Hotel, etc. Oder Sie folgen Empfehlungen Ihnen persönlich bekannter ALLEINSTEHENDER FRAUEN. (Denken Sie daran, für Männer ist es einfach nicht  das Selbe!)

4. Nehmen Sie niemals Essen und Trinken von Fremden an (vor allem nicht in Bussen, Zügen und in Hotels), auch wenn sie Ihnen freundlich erscheinen und sehr beharrlich sind. Es gab Fälle, in denen die angebotenen Speisen und Getränke mit Drogen versetzt waren. Die unvorsichtigen Reisenden wurden dann ausgeraubt und/oder sexuell missbraucht. Besuchen Sie Bars und Restaurants, die stark frequentiert werden (auf diese Weise ist auch Ihr Essen frischer  :) ) und was immer Sie trinken, bestehen Sie auf eine versiegelte Flasche (untersuchen Sie das Siegel gründlich). 

5. Speziell für weibliche Touristen aus westlichen Ländern: Vermeiden Sie jede Art von Körperkontakt mit Männern, die Sie gerade erst kennengelernt haben und auch mit jenen, die Sie seit ein paar Tagen kennen. Umarmungen und Händeschütteln sind tabu. Bleiben Sie stattdessen beim üblichen ‚Namaste’.

6. Augenkontakt mit unbekannten Männern sollte nur kurz und niemals vertraulich sein. Direkter Augenkontakt gepaart mit einem Lächeln ist auch nicht ratsam. Dies wird oft falsch interpretiert. Bei der Wortwahl können Sie zwanglos sein, aber Ihre Körpersprache sollte distanziert und wachsam sein.

7. Wenn Sie in Low-Budget-Hotels wohnen oder sich an öffentlichen Plätzen, einem Markt, auf dem Dorf, etc. aufhalten, tragen Sie weitgeschnittene Kleidung und versuchen Sie, Arme und Beine bedeckt zu halten. Das könnte (oder könnte auch nicht!) dabei helfen, gaffende männliche Blicke oder Belästigungen zu vermeiden!

8. Vermeiden Sie jegliche Fortbewegung in der Nacht. Steigen Sie niemals in ein Taxi oder Auto, in dem mehr als ein Mann sitzt. Setzen Sie sich auf einen Platz neben der Tür und steigen Sie sofort aus, wenn weitere Männer zusteigen. Fahren Sie niemals bei einem Fremden mit und nehmen Sie eine solche Einladung niemals an, auch wenn er noch so freundlich erscheint. Schauen Sie sich auf Zugreisen Ihre Mitreisenden im Abteil aufmerksam an. Sollten Sie sich nicht ganz sicher fühlen, bleiben Sie auf der Hut – nicht einschlafen. Wenn Sie irgendwo nach dem Weg suchen, fragen Sie jemanden. Aber gehen Sie niemals mit, wenn jemand sagt: „Follow me, I will show you“ (Folgen Sie mir, ich zeige es Ihnen). Folgen Sie der Beschreibung und kontrollieren Sie sie durch Nachfragen bei anderen Leuten, die Ihnen begegnen, um sicher zu gehen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Stimmen Sie niemals zu, sich mit Leuten, die Sie kaum kennen, in einem Haus oder Hotel zu treffen. Wenn Sie sich treffen und reden müssen, bitten Sie darum, sich in einem Café o.ä. Ihrer Wahl zu treffen. Kommen und gehen Sie getrennt.

9. Setzen Sie Grenzen mit Ihrer Körpersprache. In der Regel loten Männer, die es auf eine Gelegenheit für eine scheinbar „unbeabsichtigte“ Berührung oder ungebetenen Körperkontakt anlegen, zuerst Ihre Grenzen aus. Sie setzen sich zum Beispiel einfach zu nahe neben Sie oder berühren Ihre Hand. Indische Frauen werden dabei oft ängstlich und nervös und sind nicht in der Lage, ihre Stimme zu erheben. Frauen aus dem Ausland sind häufig besorgt, sie könnten unfreundlich, rassistisch oder arrogant wirken. Aber die Regel für Sicherheit ist in diesem Fall die gleiche für alle Frauen, egal wo auf der Welt sie sich befinden: WENN DU DICH UNBEHAGLICH FÜHLST, DANN IST ES NICHT O.K.  Auf vollen Plätzen zeigen Sie Ihre persönlichen Grenzen ausdrücklich auf. Gehen Sie weg oder entziehen Sie Ihre Hand. Sollten die Aufdringlichkeiten andauern, sagen Sie laut und bestimmt „Do not touch me!“ (Fassen Sie mich nicht an!)  Wirken Sie niemals zögerlich oder entschuldigend. Wenn Sie sich aber an einem abgelegenen Ort mit wenig anderen Passanten befinden, verhalten Sie sich nicht zu bestimmt oder aggressiv. Versuchen Sie nur, so schnell wie  möglich wegzukommen.

10. Vermeiden Sie überlaufene Plätze – wie Busse und Festivals. Dort nutzen Männer häufig die Gelegenheit, Frauen zu belästigen. Hüten Sie sich in solchen Situationen besonders vor direkter und wütender Konfrontation.  Menschenansammlungen in Indien sind bekanntlich unberechenbar. Indische Frauen beschweren sich oft nicht, weil die Menge anfängt, ihnen selbst die Schuld zu geben. Halten Sie sich bei einem Festival am Rand der Menschenmenge auf.  In einem Bus oder auf dem Markt erheben Sie Ihre Stimme und fragen Sie höflich aber bestimmt “What are you doing?” („Was machen Sie da?). Und vergessen Sie nicht: Schuldgefühle funktionieren besser als Zorn.

11. Die goldene Sicherheitsregel für Frauen ungeachtet des Aufenthaltsorts:

Achten sie jederzeit aufmerksam auf Ihre Umgebung und auf die Leute um Sie herum.

Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und hinterfragen Sie es nicht. (Es ist besser, sich geirrt zu haben und sicher zu sein, als sich zu irren und und es bedauern zu müssen!)

Handeln Sie intelligent und gemäß ihrer Beobachtungen und Instinkte.

 

ZUM FOTOGRAFEN
Sirensongs ist Gründungsmitglied und Mitwirkender der The 50 Million Missing Campaign Fotografen Gruppe auf Flickr.  Diese wird von 2400 Fotografen aus aller Welt unterstützt. Um weitere ihrer Werke zu sehen, klicken Sie bitte hier.

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