Kinderschänder aus dem Ausland erhalten Sorgerecht für indische Mädchen

Aus dem englischen Original übersetzt von Sönke Rickertsen

surrogates indiaDie Besorgnis über Indiens Gesetz zur Leihmutterschaft, einem der weltweit am wenigsten regulierten, wächst. Es ermöglicht die wirtschaftliche Ausbeutung armer Frauen durch ihre eigenen Familien zur Erzielung von Einnahmen durch wiederholte erzwungene Schwangerschaften für ausländische „Kunden“. Es zeichnet sich ab, dass sich in Ermangelung einer vernünftigen Regulierung dieser Missbrauch auch auf andere Bereiche ausdehnt.

Durch eine Vereinbarung mit einer Leihmutter in Indien erhielt kürzlich ein wegen serieller Vergewaltigungen kleiner Mädchen verurteilter Sexualstraftäter aus Israel das Sorgerecht  für ein 4-jähriges indisches Mädchen. Der Israel National Council for the Child (israelischer Nationalrat für Kinder) erhielt anonyme Hinweise zu diesem Mann. Die Sozialfürsorge stellte ihn unter Beobachtung und ordnete eine psychiatrische Therapie an. Das Kind wurde jedoch nicht der Obhut dieses Mannes entzogen.

Einem Bericht zufolge müssen sich zukünftige Adoptiveltern in Israel gründlichen Überprüfungen ihres Hintergrunds unterziehen. Für Menschen, die Kinder von Leihmüttern aus dem Ausland adoptieren, gilt dies allerdings nicht.

Diese Geschichte wiederholt sich bei indischen, ins Ausland adoptierten Kindern. Indien hat eines der strengsten Gesetze für Adoptionen ins Ausland, obwohl Millionen Mädchen in indischen Kinderheimen ein Zuhause und liebevolle Eltern brauchen. Einer der angegebenen Gründe für Indiens strenge Adoptionsgesetze ins Ausland ist, dass die Regierung sicher stellen will, dass diese Kinder nicht in falsche Hände geraten!

child abuse

„Ich wurde verkauft, ich wurde benutzt und jetzt werde ich weggeworfen.“

Die aus Indien adoptierte Jennifer Haynes wurde 2008 aus den USA nach Indien abgeschoben. Ein amerikanisches Ehepaar hatte Jennifer als 8-jährige aus Indien adoptiert. Sie zog nach Amerika, wo ihr Stiefvater, Edward Hancox, sie sexuell missbrauchte. Anschließend wurde sie von einer Pflegefamilie zur anderen gereicht, ganze 50 Pflegestellen hatte sie am Ende durchlaufen.

2008 wurde Jennifer als 32-jährige wegen Drogenbesitzes angeklagt. Dabei wurde festgestellt, das sie keinerlei legalen Status in den USA hatte, also wurde sie nach Indien deportiert. Es gibt viele Fälle wie den von Jennifer.

Die indische Regierung muss die Verantwortung für ihre Verfahrensweise bei Adoptionen und Leihmutterschaften übernehmen!


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Sönke Rickertsen ist freischaffender Schriftsteller, Sänger, Musiker und Künstler. Er lebt in Melbourne, Australien und kann über Facebook kontaktiert werden.

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Diana Russell: Femizid ist ein tödliches Hassdelikt gegen Frauen

Aus dem englischen Original übersetzt von Sönke Rickertsen

Ausgehend von den Hexenverbrennungen der Vergangenheit über den heute noch in vielen Gesellschaften weit verbreiteten Brauch der weiblichen Kindstötungen bis zu den Hinrichtungen von Frauen aufgrund sogenannter Ehre, müssen wir realisieren, dass Femizid schon seit sehr langer Zeit praktiziert wird…

Femizide sind hassmotivierte Morde, die typischerweise trivialisiert und entpolitisiert werden…

So wie bei den an Afro-Amerikanern und anderen Minderheiten verübten Morden unterschieden werden muss, ob es sich um rassistisch motivierte Verbrechen handelt oder nicht, müssen Morde an Frauen unterteilt werden in jene, die „femizid”, also frauenfeindlich motiviert sind und jene, auf die dies nicht zutrifft.

Die in Indien, China und vielen anderen Ländern verübten Massenmorde am weiblichen Geschlecht sind bezeichnend für Genderzid (geschlechtsspezifischen Völkermord) bzw. weiblichen Genozid (Völkermord). Frauen müssen einfordern, dass alle unsere partriarchalischen Regierungen diese Verbrechen bestrafen wie jeden anderen Völkermord!

Dr. Diana Russell ist eine der weltweit wegweisenden Forscher und Expertin zum Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Sie war 1976 Mitorganisatorin des ersten International Tribunal on Crimes against Women (Internationaler Untersuchungsausschuss zu Gewalt gegen Frauen) in Brüssel. Zudem redefinierte sie den Begriff  „Femizid” als tödliches, hassmotiviertes Verbrechen gegen Frauen und Mädchen und kämpft seit 40 Jahren für die offizielle Anerkennung dessen. Sie hat zahlreiche Bücher über Vergewaltigung, Femizid, Inzest und die Auswirkungen von Pornografie auf Gewalt gegen Frauen veröffentlicht. Ihre Website ist DianaRussell.com   Ihr Twitterkontakt ist @DianaEHRussell.

 
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Sönke Rickertsen ist freischaffender Schriftsteller, Sänger, Musiker und Künstler. Er lebt in Melbourne, Australien und kann über Facebook kontaktiert werden.

Regierung missachtet Justice Verma Report zu Indiens geschlechtsspezifischer Gewalt

Aus dem englischen Original übersetzt von Sönke Rickertsen

DIESER ARTIKEL ENTHÄLT WICHTIGE HINTERGRUND-INFORMATIONEN. BITTE LESEN SIE IHN, BEVOR SIE SICH DIE DISKUSSION IN DIESEM VIDEO ANSCHAUEN!

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Im Dezember 2012, sendeten die Aufstände anlässlich der Gruppenvergewaltigung  in Delhi eine wütende Nachricht an Indiens Regierung! Diese lautete: „Wir werden die Apathie und Korruption der Regierung angesichts der inakzeptablen Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Indien nicht tolerieren.

Die Anzahl der Vergewaltigungen in Indien ist um  873% angestiegen. In 20 Jahren werden 20% der Frauen in Indien durch sämtliche Formen geschlechtsspezifischer Gewalt ausgerottet worden sein. [Beachten Sie hierzu auch unser Nachrichtenarchiv.]

Die erste Reaktion der Regierung war…Totenstille! Die Regierung stellte sich einfach taub!

Als die Aufstände eine Eigendynamik entwickelten und sich ganz Indien ihnen anschloss, beschloss die Regierung, mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorzugehen.

Als jedoch die Demonstrationen weiter anhielten und die Regierung merkte, dass sie zunehmend begann, sich dem Rest der Welt als undemokratisch und diktatorisch zu präsentieren, beschloss sie, eine altbewährte indische Taktik anzuwenden: Lass uns doch ein paar Monate, vielleicht sogar Jahre lang, Papierberge hin- und herschieben, bis die Öffentlichkeit des Wartens müde wird und verschwindet! Also baten sie J. S. Verma, den ehemaligen vorsitzenden Richter am Obersten Gerichtshof, ein Untersuchungskommitee zum Thema Vergewaltigungen an Mädchen und Frauen in Indien zu leiten. Dies schien der Regierung so wichtig, dass sie nach Mitternacht an Richter Vermas Haustüre läutete und ihn aufweckte um ihm Gesuch und Vorschläge der Regierung auszuhändigen!

Diese Strategie ging nach hinten los! Gewöhnlich brauchen derartige Kommitees und deren Untersuchungsresultate Monate, wenn nicht Jahre! In diesem Fall jedoch arbeitete das „Justice Verma Committee“, bestehend aus vorsitzenden Richtern des Obersten Gerichtshofs (J.S.Verma, Leila Seth und Gopal Subramanium), unterstützt von 15 jungen Anwälten, unermüdlich rund um die Uhr,  mit so gut wie keiner Hilfe oder Unterstützung seitens der Regierung und präsentierte, nach Abgleichen tausender Aussagen von Opfern, Frauengruppen etc.,  innerhalb einer Rekordzeit von 29 Tagen einen 600-seitigen Bericht, komplett mit Vorschlägen und Empfehlungen an die Regierung!

Wieder war 7 Tage lang kein Ton aus dem Büro des Premierministers zu vernehmen! Dann plötzlich erkannte die Regierung den Bericht an und schlug neue Rechtsverordnungen bezüglich der Gewalt gegen bzw. der Vergewaltigung von Frauen vor und behauptete, 90% der Vorschläge des Verma Committee akzeptiert zu haben. All dies geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne parlamentarische Debatte!

Aber wie Richter Verma selbst aufzeigt, wurden die Ergebnisse und Empfehlungen des Verma Commitee von der Regierung völlig ignoriert!

Tatsächlich hat die Regierung  den Justice Verma Report sogar von ihrer Website entfernt, damit die Öffentlichkeit nicht sehen kann, was dieser wirklich über Ausmaß und Stand der Gewalt gegen Frauen in Indien herausgefunden hat und was genau empfohlen wurde. Mehr von diesem Beitrag lesen

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