Werden #Frauen in #Indien bei den #Wahlen 2014 #NOTA wählen, um #Vergewaltiger und #Mörder aus der Regierung zu entfernen?

why are rapists sitting in parliamentAus dem englischen Original von Rita Banerji,
übersetzt und ergänzt von Samira Goth

Während in Indien vom 07. April bis 12. Mai 2014 gewählt wird, fordert die „The 50 Million Missing Campaign“ indische Frauen dazu auf, NOTA zu wählen, um eine Regierung herbeizuführen, die für Frauen sicher ist. NOTA ist eine Wahloption für indische Bürger, die erstmals bei einer Wahl zur Verfügung steht und „None of The Above“ (keinen der oben Genannten) bedeutet. Drückt ein Wähler den NOTA-Knopf, bringt er damit zum Ausdruck, dass er alle politischen Parteien und ihre Kandidaten ablehnt, die bei dieser Wahl antreten.

WARUM HAT DAS OBERSTE INDISCHE GERICHT DIE NOTA-OPTION EINGERICHTET?

Im Laufe der letzten 20 Jahre besteht immer größere Sorge darüber, dass es eine eskalierende Präsenz von Kriminellen in der indischen Regierung und den politischen Parteien gibt. Mit jeder Wahl erhöht sich dieser Zuwachs an Kriminellen. Bei derWahl von 2004 waren 24 % der Parlamentsabgeordneten (MPs) in laufende strafrechtliche Verfahren verwickelt. 

In der Wahl von 2009 war ihre Zahl bereits auf 30 % gestiegen. Die Mehrheit dieser Fälle dreht sich um ernstzunehmende Anklagen wie Vergewaltigung, Mord, Erpressung und andere Formen von Gewalt gegen Frauen wie Belästigungen, Stalking und mit Mitgift in Verbindung stehende Gewalt und/oderMord. Die Aufstellung krimineller Politiker nach Bundesstaat zeigt haarsträubende Statistiken. So werden z.B. aktuell gegen 50 % der MPs aus Jharkhand strafrechtliche Vorwürfe erhoben und gegen 48 % der MPs aus Maharashtra.

Kriminelle, die in de rindischen Regierung das Sagen haben, sind wenig geneigt, Gesetze anzuwenden, die Frauen und andere Bürger schützen. In der Tat besteht ein erheblicher politischer Druck und es wird enorm manövriert, damit Straftaten ungeahndet bleiben. Es ließ sich schon häufig beobachten, dass Vergewaltigung und andere Gewaltverbrechen gegen Frauen als politischer „Anreiz“ vom System fast „genossen“ werden.

Kürzlich versuchte das Oberste Gericht, Kriminelle aus der Regierung zu entfernen,  sah sich aber immensem Widerstand gegenüber. Die regierende Congress-Partei versuchte sogar, eine Verordnung durchzudrücken, um der Initiative des Obersten Gerichtes eine Abfuhr zu erteilen.

Die Einrichtung des NOTA-Knopfes als Wahloption für indische Bürger zeigt klar, wie hilflos der Oberste Indische Gerichtshof dabei ist, die Regierung von Straftaten und Straftätern zu befreien. In seiner Stellungnahme erklärte das Oberste Gericht: Wenn eine große Zahl von Wählern den NOTA-Knopf drückt, wird dies die politischen Parteien zwingen, bessere Kandidaten zu suchen.“

Der NOTA-Knopf ist leicht zu finden. Er ist der LETZTE Knopf auf der Kandidatenliste im elektronischen Abstimmungsgerät. Dort steht: „None of the Above – NOTA“.

WIESO SIND ALLE POLITISCHEN PARTEIEN FRAUENFEINDLICH?

  1. ALLE PARTEIEN REKRUTIEREN UNVERHOHLEN VERGEWALTIGER UND MÖRDER
    Jede einzelne Partei, die dieses Jahr zur Wahl antritt, hat
    eine Zunahme an Politikern mit kriminellem Hintergrund. Von den zwei größten Parteien haben 48 MPs von der Congress-Partei und 46 MPs von der BJP schwebende Verfahren laufen. Kleinere Parteien wie die Shiv Sena haben 8, doch wenn man bedenkt, dass sie nur 10 MPs haben, bedeutet dies, 80 % ihrer Politiker sind krimineller Vergehen angeklagt. Einer Mehrzahl von ihnen werden ernste Vergehen wie Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt.
  2. ALLE PARTEIEN ARBEITEN MIT FOREN ZUSAMMEN, DIE FRAUEN SYSTEMATISCH UNTERDRÜCKEN
    Zu diesen Foren gehören religiöse Organisationen und Anführer wie
    Asaram (jetzt verurteilt wegen einer Reihe von Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen von Mädchen), Ram Dev (der offen Methoden propagiert, Söhne statt Töchter zu zeugen) und moslemische Anführer (wie Maulana Taqueer Raza), die Fatwas gegen Frauen aussprechen, die sich gegen ihre fundamentalistischen, frauenfeindlichen Diktate wehren. Alle politischen Parteien bilden auch Allianzen mit Khap Panchayats (Dorfräten), die berüchtigt für das Abhalten von Scheingerichten sind, bei denen außergerichtliche Bestrafungen wie „Ehrenmorde“ und Massenvergewaltigungen erteilt werden.
  3. SPITZENPOLITIKER SIND FÜR FÄLLE ERNSTER INTERNATIONALER MENSCHENRECHTSVERGEHEN VERANTWORTLICH
    Die Anführer bzw. der Premierministerkandidat der beiden größten Parteien, Congress und BJP, sind auch verantwortlich für eine direkte Mitwirkung oder den Schutz der Verantwortlichen an systematischen Massakern und Massenvergewaltigungen von Minderheiten. 
    2002 gab es einen systematischen und geplanten Angriff auf Moslems im Gujarat, wobei Tausende getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Narendra Modi, der damals Ministerpräsident des Gujarat war und den man lange Zeit dafür verantwortlich machte, direkt sein geheimes Einverständnis zu diesen Taten von Leuten in seiner eigenen Regierung gegeben zu haben, ist der heutige Premierministerkandidat der BJP. Obgleich viele in Modis Regierung für schuldig befunden wurden, konnte man Modi trotz vieler Zeugenaussagen keine Beteiligung nachweisen. Ein ähnlicher, systematischer Angriff auf Sikhs fand 1984 in Delhi statt, als Tausende unter stillschweigendem Einverständnis getötet, vergewaltigt und heimatlos gemacht wurden. Gandhis Schergen, die bekanntermaßen das Massaker und die Vergewaltigungen organisierten, werden bis heute von Sonia Gandhi, der Witwe Rajiv Gandhis, und dem aktuellen Führer der Congress-Partei geschützt. [Rajiv Gandhi war persönlich motiviert, da seine Mutter Indira Gandhi von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet worden war. Anm. d. Ü.] In der Tat belohnt Frau Gandhi diese Politiker sogar mit politischen Positionen und verschafft ihnen damit Macht. Menschenrechtsgruppen, deren Rechtsfälle wiederholt in indischen Gerichten blockiert wurden, versuchen nun über ein Gericht in New York, Sonia Gandhi wegen Behinderung der Justiz und Schutz von Verbrechern, die gegen die Menschenrechte verstoßen haben, verurteilen zu lassen.
  4. ALLE PARTEIEN NEHMEN OFFEN POLITIKER AUF, DIE UNGENIERT FRAUENRECHTE VERLETZEN
    Manche Parteispitzenfunktionäre wie Mamta Banerjee von der TMC-Partei sowie viele andere aus ihrer Partei haben
    Vergewaltigungsopfer wiederholt für die an ihnen begangenen Verbrechen verantwortlich gemacht. Der Bundesstaat ist mittlerweile die Nr. 1 in Vergewaltigungen und anderen Gewaltverbrechen gegen Frauen. Parteien wie die SP in Uttar Pradesh, einem Staat mit einer der höchsten Vergewaltigungsraten, haben sogar den Männern versprochen, die Vergewaltigungsgesetze zu „lockern“, falls sie diese Wahl gewinnen! Der Justizminister der neu gegründeten AAP-Partei führte einen Lynchmob zu den Wohnungen afrikanischer Frauen in Delhi und verletzte damit das Gesetz, für dessen Schutz er eintreten sollte, indem er von der Polizei gegen alle gesetzlichen Protokolle verlangte, die Frauen zu verhaften, weil man dem Mob eingeredet hatte, diese Frauen seien Prostituierte.

 WARUM ALLE INDISCHEN FRAUEN MIT„NOTA“ STIMMEN SOLLTEN

Indien ist heute das weltweit viertgefährlichste Land für Frauen. Doch da in den anderen drei Ländern Bürgerkrieg herrscht, macht dies Indien für Frauen zur gefährlichsten Demokratie der Welt.

Indien hat systematisch 20 % der Frauen durch unterschiedlichste Formen der Gewalt ausgelöscht. Das schlägt sich auch in einem geringeren Anteil an Wählerinnen nieder. Dies ist eine Botschaft an die Frauen Indiens, dass es für sie in diesem Land keinen Platz gibt.  Man erlaubt ihnen nicht einmal zu überleben! Es ist ein Genozid, der weltweit seinesgleichen sucht. 

Warum fanden die indischen Frauen bisher keine vereinte und starke Stimme und keinen Impuls,gegen diese völkermörderische Gewalt im gesamten Land zu protestieren und sich zu wehren?

Vielleicht weil indische Frauen so in ihren Identitäten von Region, Kaste, Klasse, Klan und Religion gefangen sind, dass sie den Blick auf ihre Identität als „Frauen“ verloren haben. Sind die indischen Frauen so verloren, dass sie nicht erkennen, wie die Gewalt, die sie durch Kindesmord, Mitgiftmord, Ehrenmorde und Vergewaltigungen ausmerzt, sie alle betrifft? 

Begreifen indische Frauen,dass keine andere Menschengruppe in Indien in diesem Maße durch Gewalt ausgelöscht wurde wie sie – die Frauen?

Vielleicht sind die politischen Parteien verantwortlich, weil sie Kaste, Klasse und Religion mit List und Tücke einsetzen, um Unfrieden zwischen den Menschen zu stiften. Vielleicht muss man es sogar den Liberalen Indiens anlasten, die die Menschenrechte einer Gruppe verteidigen, doch zur Verletzung der Menschenrechte einer anderen Gruppe schweigen und dadurch eine Trennung zwischen den Menschen schaffen.

Als Nobelpreisträger Amartya Sen sagte, er würde weder für BJP noch Modi stimmen, weil wir die moslemischen Minderheiten schützen müssen, hätte er auch betonen müssen, dass er nicht für Congress stimmen könne, weil wir unsere Sikh-Minderheiten schützen müssen. Stattdessen verteidigte er Sonia Gandhi! Wir müssen die Menschenrechte aller schützen, egal von wem! Als die Sozialaktivistin Arundhati Roy ihre Stimme gegen die Vergewaltigungen von moslemischen Frauen in Kashmir durch die indische Armee erhob,hätte sie auch etwas gegen die systematischen Vergewaltigungen und Morde an den in der Minderheit lebenden Hindus und Sikhs in Kashmir sagen müssen, die zu deren Massenabwanderung führte. Tatsächlich hätte sie sich auch gegen die Kontrolle der Taliban in Kashmir stark machen sollen, die ihre unterdrückerischen Diktate gegen Frauen immer mehr verstärken, sie zum Tragen von Schleiern zwingen und sie mit Säureangriffen bedrohen, falls sie Jeans tragen, singen, tanzen oder zur Schule gehen.  

Alle Frauen sind Menschen. Und als solche haben wir Menschenrechte. Es ist völlig unerheblich, welche Gruppe diese Rechte verletzt oder zu welcher Gruppe eine Frau gehört, deren Rechte verletzt werden. Die Unterdrückung einer Frau ist die Unterdrückung einer jeden Frau.

Als Frauen können wir uns es nicht leisten, dieser Gewalt und Ausrottung durch Indien und sein kriminelles Regierungssystem schweigend zuzusehen. Damit sich etwas ändert, müssen die Frauen Indiens sich vereinigen und mit EINER STIMME Sicherheit und Freiheit einfordern!  

DIE „THE 50 MILLION MISSING CAMPAIGN“ FORDERT ALLE INDISCHEN FRAUEN AUF, DEN NOTA-KNOPF ZU DRÜCKEN, WENN SIE ZUR WAHL GEHEN UND DEN POLITISCHEN PARTEIEN DAMIT ZU SIGNALISIEREN, DASS VERGEWALTIGER UND MÖRDER IN DER REGIERUNG NICHT LÄNGER TOLERIERT WERDEN!

ZUR ÜBERSETZERIN

Lakshmi Samira Goth hat ihre Magisterarbeit in Ethnologie über die Mitgift-Problematik in Indien geschrieben, ist mit einem Inder verheiratet und lebt in Indien und Deutschland.  Sie ist professionelle Übersetzerin und beratende Lektorin der „The 50 Million Missing Campaign”. Ihre Homepage ist zu finden unter www.geckolingua.com.

 

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Gab es eine internationale politische Verschwörung gegen das Opfer der #Gruppenvergewaltigung von #Suryanelli?

Aus dem englischen Original übersetzt von Carmen Berelson

kurien_defiant2_338x225Im Jahr 1996 wurde im Ort Suryanelli in Kerala ein 16-jähriges Mädchen verschleppt und über einen Zeitraum von 40 Tagen von 42 Männern brutal vergewaltigt. Dies wurde zu einem der spektakulärsten Beispiele für die Brutalität von Gruppenvergewaltigungen und Sexhandel in Indien. Dieser Fall befindet sich seit 16 Jahren im indischen Rechtssystem, und dennoch hat das Opfer bislang keine Gerechtigkeit erfahren.

Da nach indischem Gesetz Vergewaltigungsopfer nicht namentlich genannt werden dürfen, wurde sie als das „Suryanelli-Mädchen“ bekannt.

Das Suryanelli-Mädchen war ein schüchternes Mädchen, das in einem katholischen Internat behütet heranwuchs, weil ihr Vater, ein Postmeister, und ihre Mutter, eine Krankenschwester, oft versetzt wurden.  1994 zog sie zu ihren Eltern zurück und besuchte dann ein anderes Internat, das nicht ganz so weit von ihrem Elternhaus inmitten der Hügel und Teeplantagen von Suryanelli lag. Jedes Wochenende fuhr sie mit dem Bus nach Hause zu ihren Eltern.

Im Bus lernte sie Raju, den Fahrkartenkontrolleur, kennen. Sie war 16 und er 26. Aber wie das bei Teenagern so ist, verliebte sie sich. Und wie die meisten indischen Mädchen hielt sie diese Liebe vor ihrer streng katholischen Familie geheim. Sie liebte Raju, hatte aber auch Angst vor ihm. Einmal fiel ihm ein Album mit ihren Familienfotos in die Hände, womit er sie erpresste. Er sagte ihr, wenn sie nicht mit ihm weglaufen und ihn heiraten würde, würde er ihre Fotos mit den Körpern nackter Frauen retuschieren und diese Bilder in ihrer Schule kursieren lassen.

Obwohl sie ängstlich war, stimmte sie zu. Am 16. Januar 1996 sollte sie ihn an einer Bushaltestelle in ihrer Gegend treffen, aber er war nicht da. Es war zu spät, um zur Schule zurückzugehen. Sie wurde von Panik ergriffen und nahm einen Bus, der zu der nahegelegenen Stadt fuhr, in der ihre Tante wohnte. Eine unbekannte Frau, die ihr mit einem männlichen Begleiter gefolgt war, sprach sie mit Namen an und stellte sich vor. Sie sagte, dass sie ihre Verwandten kenne und sie zu deren Haus bringen würde. Stattdessen brachten sie sie zu einer Pension in der Nähe und der Mann vergewaltigte sie.

Während der nächsten 42 Tage wurde sie geschlagen und von den verschiedensten Männern vergewaltigt. Sie wurde zu Privathäusern und Hotels gebracht, und wurde in Autos und öffentlichen Omnibussen über 2000 Meilen weit zwischen zwei Staaten hin und hergebracht. Sie wurde gezwungen, Arrack zu trinken, einen Schnaps der Gegend, und mit Tabletten ruhig gestellt.

Zu ihren Vergewaltigern gehörten ein Professor im Ruhestand, Anwälte, Geschäftsleute und Beamte. Als sie sich zur Wehr setzte, drohte der erste Mann, der sie vergewaltigte, ihre Eltern zu ermorden. „Ich bin Anwalt,“ sagte er ihr, „darum werde ich niemals gefasst“.

Ein Mann schien älter zu sein als die anderen und sie appellierte an sein Mitgefühl. „Sie sind alt genug, um mein Vater zu sein. Bitte holen Sie mich hier raus.“ Er vergewaltigte sie ebenfalls.

Als sie schon glaubte, sterben zu müssen, gaben sie ihr ein bisschen Geld und brachten sie zu einer Bushaltestelle. Sie dachte, dass nun alles vorbei sei, aber dies war erst der Anfang.

Im Krankenhaus sagten ihr die Ärzte, ihre Leistengegend und ihre Geschlechtsteile seien so zerfleischt und sie habe so viel Blut verloren, dass sie nach ein paar weiteren Tagen gestorben wäre! Das Bild seiner Tochter in diesem Zustand hat sich unauslöschlich in das Gedächtnis ihres Vaters eingebrannt – ihr aufgedunsener Körper, ihre zerkratztes Gesicht. „Ich kann es nicht beschreiben“, sagt er. „Und ich kann es nicht vergessen. Als sie wegging, war sie ein junges Mädchen in einer Schuluniform. Als sie wiederkam, sah sie wie eine erwachsene Frau aus – ihr Körper war aufgedunsen und geschwollen… Ich wusste sofort, was sie durchgemacht hatte.“

Sie gingen zur örtlichen Polizei, die sie davon abbringen wollte, die Straftat zu melden. Es dauerte zwei Tage, bis der erste Bericht zu den Akten genommen wurde. Die Polizei fuhr mit dem Mädchen und ihrem Vater zu den Orten, an die sie verschleppt wurde – in einem Polizeiauto wie eine Angeklagte, zusammen mit einigen Verdächtigen. Jeder Tag war eine Demütigung. Die Polizei und die Täter schienen wie Freunde – sie lachten miteinander und machten Witze. Dennoch fand das Opfer den Mut, ihre Vergewaltiger zu benennen und zu identifizieren.

Sie wurde von einem männlichen Gynäkologen untersucht. In Indien müssen Opfer von Vergewaltigungen in der Regel den sogenannten „Zwei-Finger-Test“ über sich ergehen lassen. Ärzte untersuchen die Vagina, um zu sehen, ob sie locker ist (der üblicherweise verwendete Begriff) und ob das Hymen fehlt. Beides wird als Beweis dafür gewertet, dass die Frau regelmäßig Sex hatte und somit dem Verkehr zugestimmt haben musste. Im Fall des Suryanelli-Mädchens führte der Arzt den Zwei-Finger-Test nicht durch. Er sagte, ihre Vagina sei einfach zu stark verletzt.

Es dauerte drei Jahre, bis der Fall  in das überlastete Gerichtssystem Indiens gelangte. Und als dies endlich der Fall war, standen nicht die Männer auf der Anklagebank sondern der Charakter des Mädchens. Die Anwälte der Angeklagten nahmen sie tagelang in ein erbarmungsloses Kreuzverhör und brachten kleinste Details vor, wohl um sie in Verlegenheit zu bringen.

„Wie viele Unterhosen hatten Sie?“

„Sind Ihre Unterhosen zerrissen, als Sie vergewaltigt wurden?“

„Haben sie die Schnur an Ihren Unterhosen aufgemacht oder durchgeschnitten?“

„Sind die Hosen zerrissen?“

„Trugen Sie während Ihrer Reisen Slipeinlagen?“

Die Männer sagten entweder, dass sie sie gar nicht kannten oder dass sie dem Sex zugestimmt habe. Einige hatten gewisse Verbindungen zu einer politischen Partei und sahen sich angeblich als Opfer eines politischen Rachefeldzugs.

Zumindest bot das Prozessgericht dem Mädchen eine Aussicht auf Gerechtigkeit. Der Richter, der nach indischen Maßstäben liberal war, meinte, dass es nicht als Zustimmung zu werten sei, wenn sich eine Frau nicht widersetze.

Er befand alle 35 Angeklagten für schuldig. Am 6. September 2000 wurden alle 35 Männer von einem Sondergericht zu Gefängnisstrafen zwischen vier und 14 Jahren verurteilt – die Anklagen reichten von Verschwörung und Kidnapping bis zu Gruppenvergewaltigung und Sexhandel.  Einen Moment lang sah es so aus, als hätte das Suryanelli-Mädchen gewonnen, aber dem war nicht so.

Einer der Angeklagten war Kurien, den sie wiedererkannte und auf einem Foto identifizierte. Während ihrer Gefangenschaft wurde ihr eines Tages gesagt, dass ein „wichtiger“ Mann sie „besuchen“ würde. Zu dem Zeitpunkt wusste sie nicht, wer er war, bat ihn jedoch, sie zu verschonen und zu retten, da er die Macht dazu hätte. Er tat es aber nicht. Später sah sie sein Gesicht in einer Zeitung und erkannte ihn sofort.

Keiner der Männer kam in Haft. Sie alle legten Berufung ein und wurden auf Kaution entlassen.

Als der Fall neun Jahre später endlich vor das oberste Gericht von Kerala gelangte,  wurde das Urteil aufgehoben. Das Gericht sprach alle 35 Vergewaltiger frei. Es befand nur einen der Angeklagten wegen Sexhandels für schuldig und verurteilte ihn zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 50.000 Rupien. Der Freispruch kam durch politischen Druck zustande, insbesondere durch den Angeklagten P.J. Kurien, einem früheren Bundesminister und Mitglied der derzeit regierenden Kongresspartei! Selbstverständlich wurden die Männer gemeinsam freigesprochen, immerhin hatten sie die Straftaten gemeinsam begangen. Ansonsten hätten sie gegeneinander aussagen müssen. Die Polizei hat in diesem Fall keine weiteren Verhaftungen vorgenommen!

Die Richter des obersten Gerichts sprachen mit Sarkasmus über das Talent des Opfers, sich schnell mit Fremden anzufreunden, wie das Beispiel des Busfahrers zeige. Sie brachten vor, dass sie als Kind Bettnässer war und sagten, dass die Tatsache, dass ihre Schwester die Laken gewaschen habe, ihre „Neigung, andere für ihre Probleme verantwortlich zu machen“, zeige. Vor allem, so sagten sie, sei sie kein „normales unschuldiges“ 16-jähriges Mädchen. Sie versetzte Schmuck und gab einem heimlichen Freund Geld – ein riskantes Verhalten, das ihren fragwürdigen Charakter beweise. Und warum hatte sie nicht versucht zu fliehen, obwohl sie sich in Pensionen befand und mit öffentlichen Bussen transportiert wurde? Auf ihre Aussagen sei kein Verlass und alles was sie sage, müsse angezweifelt werden.

Die entscheidende Frage war laut der Richter nicht, ob sie im Laufe von 42 Tagen mit mehr als drei Dutzend Männern Sex hatte, sondern ob sie ihnen eine willige Partnerin gewesen war, die sich jetzt gegen sie wandte, um ihren Ruf zu schützen. „Sie brauchte Geld und sie war bereit, ihr Ziel zu erreichen. Sie hatte Bedürfnisse, von denen ihre Eltern nichts wussten“, sagte das Gericht. „Sie hat sich somit als Mädchen von zweifelhaftem Charakter gezeigt.“

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Klicken Sie hier um das Interview mit der Familie des Suryanelli-Opfers zu hören

Das Gericht, das Kurien und die anderen freigesprochen hatte, sagte, ein Zeuge habe bestätigt, dass Kurien zum Zeitpunkt der Vergewaltigung nicht in der Pension gewesen sei. Dieser Zeuge allerdings behauptete, er habe ausgesagt, dass er Kurien sehr wohl in der Pension gesehen habe, und zwar ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem das Opfer vergewaltigt wurde! Er sagte, der zuständige Polizeibeamte habe seine Aussage geändert, um Kurien zu schützen. Außerdem seien ihm für sein Schweigen mehrfach Bestechungsgelder angeboten worden!  Darüber hinaus hatte der eine in dem Fall verurteilte Mann ausgesagt, dass Kurien in der Pension war, dass er jedoch von dem Untersuchungsbeamten unter Druck gesetzt wurde, nicht gegen Kurien auszusagen!

Trotzdem hat sich die Regierung geweigert, Kurien seines Amtes zu entheben und seinen Fall aufgrund der neuen Beweise, die gegen ihn ans Tageslicht kamen, wieder aufzurollen!

Im Laufe der Jahre mussten das Opfer und ihre Familie ständig umziehen. Sie werden von der Gesellschaft weiterhin geächtet und sind Schikanen von verschiedenen Seiten ausgesetzt. Nach dieser Odyssee machten sich Freunde rar und Verwandte brachen den Kontakt ebenfalls ab. Es wurde behauptet, dass der Vater seine Tochter verkauft und sein Haus mit dem Geld, das sie verdiente, bezahlt habe.

Nachdem sich das Opfer weigerte, Kurien von der Liste der Männer zu nehmen, die sie vergewaltigt hatten, sah sich die Familie weiteren Schikanen von ganz anderer Seite gegenüber. Sie lebten in Angst und bewegten sich oft nur zwischen Arbeit und Wohnung. Die Mutter trauert leise um das verlorene Glück ihrer beiden Töchter. „Wer wird sie heiraten?“ fragt sie. „Wer wird sich um sie kümmern, wenn wir nicht mehr da sind?“  

Vor diesen Ereignissen war die Familie fest in ihrem Glauben verankert. Auch heute noch befinden sich im Wohnzimmer Abbildungen von der Heiligen Maria und von Jesus. An der Wand hängen Rosenkränze. Aber auch den Trost der Kirche haben sie verloren. Der örtliche Priester hat vorgeschlagen, dass sie sich eine Weile fernhalten, weil sie von anderen erkannt worden waren.

Sehen Sie sich das obige Video an, um zu verstehen, wie dieses Opfer und ihre Familie während der letzten 16 Jahre fortlaufend durch das politische System drangsaliert wurden. 

Im Januar 2013 verabschiedete die indische Regierung als Reaktion auf den bahnbrechenden Bericht des Verma-Komitees  über Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien ein neues Gesetz gegen Vergewaltigung. Eine der wichtigsten Empfehlungen des Verma-Komitees besteht in der Garantie der Regierung, dass die einer Vergewaltigung angeklagen Politiker nicht im Amt bleiben dürfen – etwas, was das indische Gesetz derzeit gestattet.

Die Regierung jedoch machte diese Empfehlung zur Farce. Als am 19. Februar der Erlass zum Thema Vergewaltigungen im Parlament diskutiert wurde, war der Vorsitzende niemand anderer als P. J. Kurien!

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Die Regierung ignoriert die Forderung, Kurien seines Amtes zu entheben und strafrechtlich zu verfolgen

Die Mutter des Opfers hatte einen Brief an Sonia Gandhi geschrieben, die der Kongresspartei vorsteht und außerdem Kuriens Vorgesetzte ist: „Wie kann er (Kurien) die Diskussion leiten, wenn der von der indischen Union verkündete Erlass, der die Emanzipation indischer Frauen in Bezug auf sexuelle Übergriffe  gegen Frauen zum Ziel hat, im Oberhaus des Parlaments …(geprüft werden soll).“ Sonia Gandhi hat jedoch eigennützige Gründe für den Schutz von Politikern, die Vergewaltigungen begangen haben. Viele dieser Personen sind Mitglied ihrer Partei und haben die Vergewaltigungen an Sikh-Frauen in Delhi im Jahr 1984 organisiert! Weitere Informationen finden Sie hier.

Aber es kam noch schlimmer! Den demütigendsten Hieb gegen das Suryanelli-Opfer teilte im Mai 2013 die in den USA ansässige Frauenorganisation „Women Deliver“ aus, als sie Kurien als Gastredner ihrer globalen Konferenz zum Thema Fortpflanzungsrechte für Frauen einlud! Später tat Women Deliver diesen Schlag mit Nichtwissen ab! Sie haben sich nicht einmal unmittelbar beim Opfer entschuldigt! Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Frauengruppen in Indien kämpfen mit aller Macht gegen Kurien. Wer hat Kurien also als Redner empfohlen? Die Organisation „Women Deliver“ scheint mit US-amerikanischen Unternehmen und politischen Führungspersönlichkeiten Verbindungen auf höchster Ebene zu pflegen. Hat einer von ihnen persönliche Interessen in Indien und schlug deshalb Kurien vor? Und wenn es sich wirklich nur um einen „Fehler“ handelte, würde „Women Deliver“ dann nicht einen ernsthaften Versuch unternehmen, sich mit dem Opfer in Verbindung zu setzen? Stattdessen hat die Organisation ihren Fall als „Kontroverse“ abgetan.

Kurz nach der Women Deliver-Konferenz hat der eine Zeuge, der seine Haftstrafe angetreten und ausgesagt hatte, dass er Kurien nicht nur zu der Pension, in der das Mädchen gefangen gehalten wurde, begleitet hatte, sondern dass er von verschiedenen Behörden bedroht und bestochen wurde, plötzlich seine Aussage geändert! 16 Jahre später sagte dieser Mann plötzlich, er sei „betrunken“ gewesen und könne sich an die Ereignisse nicht erinnern! War es Teil der politischen Verschwörung, dass Kurien zu einer internationalen Frauenkonferenz hohen Kalibers eingeladen wird, wo er zusammen mit Leuten wie Melinda Gates und Chelsea Clinton im Rampenlicht stand? Sollte ihm dies zu einem Freispruch verhelfen? Wenn dies der Fall ist: Wie können wir sicher sein, dass Women Deliver nicht Teil dieser politischen Verschwörung war?

Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition an Women Deliver und fordern Sie eine offizielle Entschuldigung für das Opfer:

1) Um über Change.org zu unterzeichnen, klicken Sie hier

2) Um über Causes.com zu unterzeichnen, klicken Sie hier



ZUR ÜBERSETZERIN
Carmen Berelson ist gebürtige Deutsche, wurde in Deutschland zur Übersetzerin ausgebildet und übt diesen Beruf freiberuflich (Fachgebiete Recht, Wirtschaft und Finanzen) in den Vereinigten Staaten aus. Sie interessiert sich für die Rechte von Mensch und Tier, für Ethik und Umweltbelange. Carmen ist unter CBerelson@aol.com zu erreichen. Ihr Profil ist zu finden unter http://www.atanet.org/onlinedirectories/tsd_listings/tsd_view.fpl?id=2469.

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