Suzette Jordan: Mein Name ist nicht „das Park-Street-Vergewaltigungsopfer”

Aus dem englischen Original übersetzt von Andrea Wlazik

Suzette Jordan wurde 2011 Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung in der Park Street in Kalkutta. Weitere Einzelheiten zu ihrem Fall können Sie hier lesen. Die indische Gesetzgebung verbietet die Enthüllung der Namen und Gesichter von Opfern und ahndet dies mit einer Geldstrafe und zwei Jahren Haft. Deshalb haben die Medien Suzettes Gesicht bislang nur unscharf gezeigt und sie „das Park-Street-Vergewaltigungsopfer“ genannt. Vor Kurzem hat Suzette beschlossen, ihren Namen und ihre Identität preiszugeben. Sie ist eine von einer Handvoll indischer Frauen, die dies tun. Hier erklärt sie, was zu ihrem Entschluss führte.

Suzette-Jordan-380Mein Name ist Suzette Jordan und ich will nicht länger als „das Opfer von Kalkuttas Park-Street-Vergewaltigung“ bekannt sein.

Nach dem Vorfall, lachten sie (die Polizei) mich aus. Sie nahmen mich nicht ernst. Ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch […bei der medizinischen Untersuchung]. Ich wurde wahnsinnig bei dem Gedanken, was zum Teufel sie [die Vergewaltiger] mit mir gemacht hatten, während ich bewusstlos war. Ich hatte solche Schmerzen. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich war ein richtig nervöses Wrack. Es machte mir solche Angst. Ich zog mich in mein Schneckenhaus zurück. Ich konnte nicht einmal aufstehen um zur Toilette zu gehen. Mein Vater musste mich aus dem Bett heben und mich zum Badezimmer bringen. Ich bin 37 Jahre alt. Es war so beschämend.

Die Nachbarn machten mir das Leben dort [wo ich damals lebte] schwer. Man gab mir das Gefühl als sei ich selbst verantwortlich für den Überfall. Weil ich [in Begleitung eines Mannes] aus einer Bar kam. Man gab mir das Gefühl, ich hätte zur Vergewaltigung eingeladen. Wenn meine Töchter morgens zur Schule Mehr von diesem Beitrag lesen

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@Women Deliver muss sich beim Opfer der #Gruppenvergewaltigung von #Suryanelli entschuldigen!

Aus dem englischen Original übersetzt von Tina Sternberg


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Im Mai 2013 hat die in den USA ansässige  Frauenrechtsorganisation Women Deliver den indischen Politiker P.J. Kurien eingeladen, anlässlich ihrer diesjährigen „Konferenz zur Selbstbestimmung der Frau über die Fortpflanzung“ eine Rede zu halten – einen Mann, der in einen der spektakulärsten Fälle von Gruppenvergewaltigung an und Sexhandel mit einem Teenager-Mädchen in Indien (den Suryanelli-Fall) verwickelt ist.

Eine 16-jährige Schülerin wurde in der Stadt Suryanelli entführt und 40 Tage lang gefangen gehalten. In dieser Zeit wurde sie von 42 Männern, an die sie „verkauft“ worden war, vergewaltigt. Als man sie schließlich fand, war sie so schwer misshandelt und hatte so viel Blut verloren, dass die Ärzte erklärten: Ein paar Tage später und sie wäre tot gewesen! Hier können Sie die ganze Geschichte zum Suryanelli-Fall lesen.

Einer der Beschuldigten in diesem Fall war P.J. Kurien. Er wurde anlässlich einer Gegenüberstellung vom Opfer identifiziert, aber niemals festgenommen. Die indische Regierung schützte ihn weiterhin, so wie sie auch andere Vergewaltiger aus Regierungskreisen schützt. Indische Frauenrechtlerinnen kämpfen schon seit Langem gegen die Regierung und das System, um diese Politiker daraus zu verbannen. Zu Beginn des Jahres 2013 veröffentlichte ein Team aus drei Oberrichtern unter der Leitung des kürzlich verstorbenen Richters Jagdish Sharan Verma einen eindringlichen Bericht zur sexuellen Gewalt an Frauen in Indien. Eine seiner wichtigsten Forderungen war es, dass solche Politiker ihrer Ämter enthoben und strafrechtlich verfolgt werden.

Der Suryanelli-Fall und Kuriens Schlüsselrolle darin, ihn zu vertuschen, stand im Fokus eines Streits zwischen indischen Frauenrechtlerinnen und der Regierung. Bei dem Streit ging es darum, jene Politiker, denen eine Vergewaltigung vorgeworfen wird, ihrer Macht zu entheben und so das politische System zu säubern. Weitere Informationen zu dieser Auseinandersetzung finden Sie hier. Feministinnen im ganzen Land sind außer sich angesichts dieses Falls! Kuriens Einladung durch Women Deliver ist nicht nur eine massive Demütigung für die indische Frauenbewegung, sie ist auch eine Herabwürdigung der ungeheuren Aufgabe, mit der wir uns hier konfrontiert sehen. kurien

Die ganze Angelegenheit ist wie ein Schlag ins Gesicht, vor allem wenn man sich die hochkarätigen Redner anschaut, neben denen Kurien sein Wort an das Publikum richten durfte. Weitere Redner waren Melinda Gates, Babatunde Osotimehin (Leiter des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen), Helen Clark (Leiterin des Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen)und Chelsea Clinton!

Als indische Frauenrechtsgruppen, die in diesem Fall jahrelang für Gerechtigkeit gekämpft haben, gegen diesen Vorfall protestierten,  gab Women Deliver folgende Erklärung ab: „Uns war nicht bekannt, dass dem indischen Abgeordneten P.J. Kurien Vergewaltigung vorgeworfen wird. Zwar können wir zu den konkreten Vorwürfen keine Stellung nehmen, doch wenn wir von dem Konflikt gewusst hätten, hätten wir P.J. Kurien nicht erlaubt, auf der Nebenveranstaltung zu sprechen. Es ist sowohl unsere zentrale Aufgabe als Organisation, gegen Gewalt gegen Frauen Stellung zu beziehen, als auch einer der Hauptpunkte dieser globalen Konferenz.“

Kann diese Aussage als Unterstützung für das Opfer und die indische Frauenrechtsbewegung gewertet werden?

Können diese Äußerungen als Entschuldigung an das Opfer und die indische Frauenrechtsbewegung gewertet werden?

Wäre das Opfer amerikanisch, würde Women Deliver die gleiche Art von Erklärung abgeben?

Wäre dieses Statement akzeptabel für westliche Frauenrechtsgruppen, wenn das Opfer aus ihrem Land stammen würde und die Aussage einer Verunglimpfung ihres Kampfes gegen Gewalt gleich käme?

Schuldet Women Deliver dem Suryanelli-Opfer nicht eine unmittelbare Entschuldigung?

Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition an ‘Women Deliver’ und fordern Sie sie auf, sich offiziell beim Opfer zu entschuldigen:

1) Klicken Sie hier um über Change.org zu unterzeichnen

2) Klicken Sie hier um über Causes.com (Facebook) zu unterzeichnen

 

ZUR ÜBERSETZERIN

Tina Sternberg hat nach ihrem Studium der Literatur und Medien acht Monate in Indien gelebt. Die oft brutalen Widersprüche zwischen zukunftsorientierter Zivilisation und altertümlicher Kultur gehen ihr seither nicht mehr aus dem Kopf.

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